Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1929)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 90 (sequence 4)
- Language
- German
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söhn, an der unter anderem der in unseren Tagen berühmt gewordene Zaghlul teilnimmt, erliegt zwar der britischen Überlegenheit, aber das damals (1881) geprägte Schlagwort „Ägypten den Ägyptern'* („masr Ii 'lmasrijin") bleibt lebendig. Gleichzeitig sucht der große Gelehrte Dschemal ed Din el Afghani (1838 bis 1897) den Islam zu modernisieren, in der Absicht, den Orient von Europa geistig unabhängig zu machen. Er findet bedeutende Jünger, die in Ägypten und im Auslande, vornehmlich in Paris, für die Unabhängigkeit des Heimatlandes wirken. Allmählich dringt die Idee in die Massen, obwohl die englische Herrschaft dem Lande wirtschaftliche Blüte bringt. Die Ereignisse während des Weltkrieges und danach beschleunigen die Entwicklung und 1922 erklärt England Ägypten für unabhängig, allerdings unter Vorbehalten, über die bekanntlich bis heute keine Einigung erzielt ist. Der türkische Nationalismus hat zwar auch Vorläufer um die Mitte des 19. Jahrhunderts, im wesentlichen setzt er aber erst mit der jungtürkischen Revolution von 1908 ein und findet nach dem Weltkrieg, wie allbekannt, in Mustafa Kemal seine Verkörperung. Eine neu entstehende politische und poetische Literatur löst sich von den überkommenen arabisch-persischen Einflüssen los und pflegt den Zusammenhang mit den verwandten tatarischen und turanischen Stämmen in Rußland und Mittelasien. In Attila und Dschingis-chan findet dieser Panturkismas oder Turanismus sein Heldenideal, während er im Technischen, Wirtschaftlichen und Wissenschaftlichen den Westen nachahmt und ihn in gewaltigem und gewaltsamem Tempo einzuholen sucht. Diese entschiedene Abkehr von der Vergangenheit erklärt Kohn aus der Traditionslosigkeit des türkischen Volkes, die dieses ganz wesentlich von den Arabern und Persern unterscheidet. Die arabische nationale Entwicklung nimmt naturgemäß in Syrien und den Küstenlandschaften des Roten Meeres, in Innerarabien und in Mesopotamien (Irak) verschiedene Formen an. Am weitesten vorgeschritten ist Syrien (und Palästina), wo das christliche Arabertum eine große Rolle spielt. Franzosen und Amerikaner gründen in den sechziger und siebziger Jahren höhere Schulen, es entsteht eine neue arabische Dichtung und eine wissenschaftliche Literatur, es zeigen sich Anfänge einer bürgerlichen Mittelklasse. Die Zentralisierungspolitik der Jungtürken stößt daher bald auf Widerstand und die Ententemächte finden einen gut vorbereiteten Boden, als sie die Araber im Krieg zum Kampf gegen die Türken aufrufen. Das Ergebnis des Krieges für diese Länder ist bekanntlich das französische Mandat für Syrien, das britische für Palästina. Wir erhalten eine klare Schilderung der Wechselfälle in dem Frankreich zugeteilten Gebiete, während sich der Verfasser bei der Darstellung der Verhältnisse in Palästina einer besonderen Kürze befleißigt. Er gibt auf drei Seiten (S. 237 bis 240) eine Übersicht über die Geschichte der zionistischen Bewegung und tritt für den Zwei-Nationalitäten-Staat in Palästina ein*). Der verhältnismäßig vorgeschrittenen Entwicklung Syriens und Palästinas stehen in Arabien und Mesopotamien recht einfache Zustände gegenüber. In Innerarabien tritt seit 1901 die Persönlichkeit Ibn Sauds hervor, der an der Spitze seiner fanatischen Wahhabiten weite Gebiete des Innern der Halbinsel unterwirft und in unseren Tagen die ursprünglich von England unterstützte Dynastie König Husseins aus dem Hedschas *) In zionistischen Kreisen hat diese Kürze der Darstellung Befremden erregt. Referent ist nicht dieser Meinung. Der Verfasser hat ganz recht, wenn er von der zionistischen Bewegung nur insoferne spricht, als sie eine Reaktion bei den nationalistischen Arabern auslöst. Im übrigen steht auch nach der Ansicht des Referenten die jüdische Palästina-Bewegung außerhalb der Zusammenhänge, deren Klarstellung sich Kohn als Aufgabe gestellt hat.