Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1929-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1929) · p. Seite 89

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 2-3 (Februar 1929)
Article
[Rezension]
Date
1929-02-01
Page
Seite 89 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2379786-2379874-2379877-2388654--08787-2388856
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

der auf englischen Schulen zum Gentleman erzogen wird. Dieses Studium ist natürlich nur einer ganz schmalen, besonders wohlhabenden Schicht von Eingeborenen, Indern sowohl wie afrikanischen Negern, zugänglich. So werden diese in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die britische Herrschaft gewonnen. Der Vater dieser Idee ist der große Lord Macaulay, der in den dreißiger Jahren Indien bereiste, und ein halbes Jahrhundert später vertrat Cecil Rhodes denselben Gedanken. Die Kenntnis Europas bringt aber auch die Anschauungen der europäischen Demokratie nach Indien und zu den Negern und daraus entsteht in der zweiten und dritten europäisch erzogenen Generation, das ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts, der indische Nationalismus und das Zusammengehörigkeitsgefühl der schwarzen Rasse. So bringt England dem Orient die Ergebnisse westlicher Entwicklung, europäische Technik und "Wissenschaft, bürgerliche Demokratie und Nationalismus, ohne aber dabei auf seine politische und wirtschaftliche Herrschaft verzichten zu wollen. Demgegenüber lernt Asien von Rußland eine ganz neue Art innerer und äußerer Politik kennen*). Es gibt im Innern allen seinen Völkern und Stämmen, darunter vielen mohammedanischen, volle Selbstverwaltung und hilft den kulturell zurückgebliebenen zu höherer Entwicklung. In großzügiger Weise verzichtet es auf alle Vorrechte, die das Zarenreich in Chiwa und Buchara, in Persien, der Mongolei und China erworben hatte, überläßt z. B. China alle Rechte an der von Rußland erbauten mandschurischen Bahn. Der leitende Gedanke ist dabei, die Völker Asiens zu Freunden Rußlands zu machen und den europäischen, das ist im wesentlichen den englischen Kapitalismus auf der „kolonialen Front" anzugreifen. Eine besondere Rolle war in diesen Plänen bekanntlich China zugedacht, über dessen jüngste politische und geistige Entwicklung der Verfasser S. 124 bis 130 einen aufschlußreichen Überblick gibt. Ähnlich wie Indien will China die technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften Europas aufnehmen, aber seine geistige Eigenart nicht verlieren. Der Verfasser zitiert hierzu eindrucksvolle Stellen aus den Schriften des Inders Dr. Ananda Coomaraswamy, Kustos am Museum für indische Kunst in Boston, und bemerkt zusammenfassend (S. 137): „Während des 19. Jahrhunderts hat der Westen den barbarischen Osten zu zivilisieren versucht und das Ergebnis war der gebildete Orientale, der seinem eigenen Volke, seiner Familie und seiner Tradition entfremdet war. Im 20. Jahrhundert erinnert sich der Osten, daß er selbst eine eigene Kultur hat, mißt sich am Westen und erkennt, daß er oft höher steht. Er beginnt sich gegen eine Veränderung der Grundlagen seines Lebens zu sträuben." Nachdem wir so einen kurzen Blick in den fernen Osten tun konnten, führenuns die nächsten Abschnitte des Buches wieder in den nahen mohammedanischen Orient zurück. Ihre Überschriften lauten: „Die nationale Bewegung in Ägypten" (S. 139 bis 176), „Der türkische Nationalismus" (S. 177 bis 211), „Das neue Arabien" (S. 212 bis 250) und „Wandlungen in Persien und Afghanistan" (S. 251 bis 273). Überall erhalten wir einen an Tatsachen reichen, nach klaren Gesichtspunkten gegliederten Überblick über die politische und wirtschaftliche, namentlich aber über die geistige Entwicklung. In prächtiger Zusammenfassung lernen wir auf wenigen Seiten die Geschichte Ägyptens vom bedeutungsvollen Zug Napoleons über den großen Reformer Mohammed Ali und seine kleineren Nachfolger bis zur englischen Einmischung 1881/82 kennen. Die Erhebung unter Oberst Arabi Pascha, dem Fellachen- *) Vergleiche hierzu auch die sehr lesenswerte kleine Schrift H. Kohns; „Sinn und Schicksal der Revolution", Wien, E. P. Thal, 1923.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.