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Palästina · 1929-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1929) · p. Seite 88

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 2-3 (Februar 1929)
Article
[Rezension]
Date
1929-02-01
Page
Seite 88 (sequence 2)
Language
German
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Sprachenkenntnis mit der Fähigkeit, die Vorgänge vorurteilslos und mit Tiefblick za beurteilen, und hat außerdem die Gabe, die Ergebnisse seines Forschens und Denkens in angenehm leebarer Form darzulegen. Ein einleitendes Kapitel (S. 3 bis 13) führt uns die vier „Schicksalsgemeinschaften" der europäisch-vorderasiatischen Welt vor: die mittel- und westeuropäische, die angelsächsische, die russische, die arabisch-indische. Die letztere ist unter der Einwirkung europäischer Ideen erst im Werden. Diese Länder erleben jetzt eine Umgestaltung, die Kohn sehr glücklich mit der Entwicklung West- und Mitteleuropas im 18. Jahrhundert vergleicht. So wie damals die feudale Gesellschaft von der bürgerlich-kapitalistischen abgelöst wurde und zugleich die nationale Bindung an die Stelle der religiösen trat, so erwachen gegenwärtig Arabien und Indien aus vielhundertjähriger Erstarrung. Der Verfasser beginnt dann (S. 14 bis 31) mit der Darstellung von „Reform und Renaissance im Islam". Es schildert in klarer Weise die religiöse Entwicklung im Islam, die Entstehung der Tradition durch das sogenannte Idschma, das ist die Übereinstimmung der jeweils maßgebenden Schriftgelehrten, und die reformatorische, an Calvin und die englischen Puritaner erinnernde Bewegung des Wahhabismus, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts im innern Arabien entsteht. Sie will den alten, reinen Koran-Glauben wieder herstellen, wird im Anfang des 19. Jahrhunderts von der Türkei blutig unterdrückt, lebt aber in Nordafrika in der Brüderschaft der Senussi fort und gewinnt, wie wir noch sehen werden, in unseren Tagen unter König Ibn Saud politische Bedeutung. Andere interessante, allerdings auf kleinere Kreise beschränkte Bewegungen sind der Babisnaus und Bahaismus in Persien sowie die Ahmadija-Bewegung in Indien* deren Häupter die Lehren des Islams mit denen der anderen Weltreligionen, besonders mit dem Christentum, in Einklang zu bringen suchen. Sie weisen dem Islam eine Richtung ins allgemein Menschliche, suchen und finden Anhänger in Europa und Amerika. Den „Pani8lamismusu (S. 33 bis 45) lehrt uns Kohn im wesentlichen als Schöpfung des Sultans Abdul Hamid (1876 bis 1909) auffassen. Denn der Kalifat, die Würde des Nachfolgers Mohammeds, ist durchaus nicht eine Einrichtung, die während der ganzen Dauer des Islams bestanden hat. Die großen türkischen Sultane des 16. Jahrhunderts haben den Titel nicht geführt. Erst die Herrscher der sterbenden Türkei, vom Ende des 18. Jahrhunderts an, erinnern sich seiner und rufen, wohl nicht ohne Absicht, in Europa das Mißverständnis hervor, als ob der Kalif eine Art mohammedanischer Papst wäre. Die von Marokko bis Java reichende Propaganda schafft ein Bewußtsein der Zusammengehörigkeit aller Mohammedaner, das sich z. B. in Beiträgen der indischen Glaubensgenossen zum Bau der Mekka-Bahn oder zum roten Halbmond während des Balkankrieges 1912/13 äußert. Umfassendes Material verarbeiten die Kapitel „Großbritannien und der Orient** (S. 64 bis 99) und „Die russische Revolution und der Orient" (S. 10O bis 138). Der Inhalt gibt weit mehr, als diese Überschriften vermuten lassen. — England verwaltet sein großes Kolonialreich unter dem Gesichtspunkte der Freiheit. Das wird immer betont, auch da, wo England nicht daran denkt, die Zügel zu lockern. Ungefähr seit 1850 erhalten die „weißen" Kolonien, das ist Kanada, die australischen Staaten, Neuseeland, Selbstverwaltung. Seit 1907 heißen sie nicht mehr Kolonien, sondern Dominions, während des Krieges und danach werden sie völkerrechtliche Subjekte, unterzeichnen die Friedensverträge, lassen sie in ihren Parlamenten ratifizieren, werden Mitglieder des Völkerbundes. In den farbigen- Kolonien entsteht der Typus des „educated native", des gebildeten Eingeborenen*

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