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Palästina · 1929-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1929) · p. Seite 60

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 2-3 (Februar 1929)
Article
Fragen der Industrie
Date
1929-02-01
Page
Seite 60 (sequence 2)
Language
German
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In den letzten Wochen scheint nun eine Änderung dadurch eingetreten zu sein, daß sich eine Reihe von Finanzinstituten intensiv mit der Frage des Industriekredites beschäftigte. Die Anglo-Palästine Co. ließ eine Enquete über den Kreditbedarf der Industrie in Tel-Aviv—Jaffa durchführen und sie hat auch Ende Dezember eine Sitzung aller an der Frage interessierten Institute einberufen, bei der das Problem erörtert wurde. Als wichtigstes Resultat dieser Sitzung, der noch weitere folgen werden, ist die Herabsetzung des Zinsfußes seitens der A. P. C. für Industriekredite bis zu £ 1000 auf 1% zu verzeichnen. (Siehe hierüber unseren ausführlichen Bericht in Nr. 1, Seite 50. — Die Red.) Es ist nun interessant zu fragen, warum die Banken und andere Institute mit einem Male, so plötzlich, nach vielen Jahren die Initiative zu ergreifen scheinen. Als in den Zeiten der großen Alijah auch eine Anzahl von Männern mit der Idee einer industriellen Chaluziuth in das Land kam, war es ganz natürlich, daß sich, wie bei jeder ideellen Bewegung, auch hier eine Reihe von Abenteurern unter ihnen befand, Leute, die mit großen Ideen, aber geringen Mitteln kamen und daher bald um Hilfe riefen. Der K. H. hatte geglaubt, helfen zu können, aber seine Einkünfte erlaubten es nicht. Ebensowenig konnten A. P. C. und P. I. C. A. helfen. Man hatte z. B. alte Maschinen aus Lodz gebracht, mit denen man kaum eine Industrie schaffen konnte. Aber man machte Lärm, daß man keinen Kredit erhielte. Man baute auf zu großer Basis, nur aus Gründen der Reklame, wie wir etwa bei der „Raanan" und bei der „Lodzia" gesehen hatten. So gab es eine Reihe von Ideen, bei deren Durchführung es sich zeigte, daß entweder die Ideen falsch oder die Maschinen veraltet, die Menschen keine Fachleute waren oder nicht genügend Kapital vorhanden war. Es gab auch Fälle, wo die sogenannten Industriellen gar nicht an der Industrie wirklich interessiert waren. So haben sie für eine Sockenfabrik fremdes Geld in Form einer G. m. b. H. herangezogen, mit ihrem eigenen Geld jedoch Häuserspekulation betrieben. Auf solche Art war natürlich keine „Kreditbasis" zu schaffen möglich. Es folgten Zusammenbrüche, in die auch andere Kapitalisten hineingezogen wurden, bis eben diese Abenteurer von der Oberfläche verschwanden. Es muß aber hier gesagt werden, daß sich dieses Abenteurertum in der ganzen Welt findet und daß sein Vorhandensein vielleicht zur Entwicklung einer Industrie notwendig ist. Selbst ein Mann wie Delfiner, der mit guten Ideen, Fachkenntnissen und genügend Kapital kam, ist nicht praktisch vorgegangen. Er scheiterte an der Unkenntnis der spezifischen Landesverhältnisse. Heute sind die Schwachen ausgefallen, geblieben sind die, die sich mit der Industrie verwurzelt fühlen. In den letzten fünf Jahren haben sie viel gelernt. Mancher Unternehmer mußte seinen Betrieb verkleinern, man hat auf Phantasien verzichtet, hat schwer gearbeitet, schwer mit Geld und mit Kraft. Man hat klein angefangen, um Taten zu zeigen. Diese Änderung der Verhältnisse hat auch einen Umschwung der Bankideologie herbeigeführt, leider etwas zu spät. Aber besser zu spät, als gar nicht. Und deshalb dürfen wir zufrieden sein, wenn wir einstweilen auch noch keine Taten gesehen haben. Die A. P. C. gewährt fast nur Wechseldiskontkredite. Zwar schien es, daß 1924 die Tendenz bestand, auch andere Kredite zu erteilen, die Verhältnisse ließen es aber nicht dazu kommen. Heute diktiert aber das Leben andere Kreditarten. So hat sich der Pal. Economic Board, London, bis nun nur für die großen Industrien, wie Nesher, Atlith usw., interessiert, ist mittleren Industrien kaum zu Hilfe gekommen. Dasselbe ist von der Pal. Economic Corporation, New York, zu sagen. Heute beginnt der Board, Kredite auf Rohmaterialien zu geben zu 7%, was für Palästina nicht viel ist. Die Corporation gewährt Investmentkredite bis zu

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