Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1929)
- Article
- Fragen der Industrie
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 59 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Wirtschaft: Fragen der Industrie. Von Dr. Kurt Grunwald, Tel-Aviv. Am 24. Dezember 1928 erschien ein neuer Zolltarif, der für die Industrie eine Reihe von Vergünstigungen brachte, anderseits aber gewisse wichtige Forderungen unberücksichtigt ließ. (Siehe Rubrik „Außenhandel^ in dieser Nummer.) Bemerkenswert war vor allem eine bedeutende Erhöhung des Zolles auf Zement. Dieser, vor einem Jahr von 400 auf 600 Mills erhöht, beträgt heute 850 Mills. Hutmacher und Bürstenfabrikation wurden von dem Zoll auf Rohstoffe befreit. Einen Schutzzoll hat die Erzeugung von Leinenschuhen erhalten. Auch der Taschnerindustrie wurden Erleichterungen gegeben durch Befreiung der Metallbügel und eine Ermäßigung des Galanterielederzolles von 150 Mills auf 60 Mills. Der Zoll auf Seife wurde etwas erhöht. Spiegelglas wurde zugunsten der bestehenden Spiegelerzeuger vom Zoll befreit. Eine kleine Erhöhung wurde der Kartonnagefabrikation gewährt. Unbefriedigt vom neuen Tarif ist vor allem die Schokolade- und Alkoholindustrie. Manche Rohstoffe, jedoch nicht die wesentlichsten, sind vom Zoll befreit worden. Weiter bleibt der schwere Zoll auf Zucker von 80% 10 £ pro Tonne, während er z. B. in Syrien zirka £ 3.— beträgt. So kommen gewisse Zuckerwaren zu Preisen in das Land, mit denen Palästina nicht konkurrieren kann. Auch ist der Zoll auf importierte Schokolade ein viel niedrigerer als in anderen Ländern und liegt oft unter der Marge der heimischen Produktion. Einen entsprechenden Schutzzoll fordert auch die Spiritusindustrie, die besonders darauf hinweist, daß ihre Ausgestaltung für die Viehzucht und so für die Milch- und Fleischwirtschaft von größter Bedeutung sei. Es sei nötig, den heutigen Zoll von £ 15.— auf £ 40.— zu erhöhen, wohingegen sich die Industrie verpflichte, den Preis innerhalb von fünf Jahren von £ 80.— auf £ 30.— herabzusetzen, da der Sprit, heute das Hauptprodukt, allmählich zum Nebenprodukt werden solle. Diese und noch andere akute Fragen wurden am 13. Jänner in einer Sitzung zwischen dem Leiter des Zolldepartements Mr. Stead und dem Industriellenverband erörtert. Es ist jedoch mit einer weiteren Gegnerschaft Mr. Steads gegen diese Wünsche der Industrie zu rechnen. Schöne Fortschritte sind auf dem Gebiete der Industriekredite zu verzeichnen. Seit mehr als vier Jahren steht diese Frage auf der Tagesordnung der Aufbauarbeit. Seit dem Wiener Zionistenkongreß, wo Dr. Halpern mit der Forderung nach Schaffung eines Industriekreditinstitutes hervortrat, ist diese Frage akut und hat noch keine befriedigende Lösung gefunden. Eine Summe von £ 20.000 war vom Kongreß für die Gründung einer Industriebank bewilligt worden, doch wurde in der Zeit der Krise über diese Summe von der damaligen Exekutive anderweitig disponiert. Die kleinen Beträge, die vom Industriedepartement der Exekutive verliehen wurden, kommen kaum in Frage. Es war daher ein wichtiger Schritt, als vor einem Jahr Pinchas Ruttenberg, Barclays Bank und eine Reihe von Privatleuten der Bank „Ashräi" eine Summe zur Verfügung stellten, die zu billigem Zinsfuß für Industriekredite verwendet werden soll. Wenn diese Spezialeinlagen heute auch nur zirka £ 15.000 bt-tragen, so könntr und kann doch wesentliche Hilfe damit geleistet werden. Der Zinsfuß für diese Kredite ist 7%, während der offizielle Zinsfuß 9% beträgt, wozu jedoch noch Kommissionsgebühren usw. kommen, wodurch sich der gewöhnliche Zinssatz auf 12% stellt. Vielfach waren die Industriellen gezwungen, auch privaten Kredit für 18% und noch mehr in Anspruch zu nehmen;