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Palästina · 1929-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1929) · p. Seite 55

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 2-3 (Februar 1929)
Article
Politik. Von Dr. Ernst Simon. Jerusalem.
Date
1929-02-01
Page
Seite 55 (sequence 4)
Language
German
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einverstanden erklärte, ja, teilweise noch über sie hinausging. Es ist bekannt, daß, wesentlich auch unter dem Einfluß der palästinensischen Delegierten, die erste Berliner Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees die eben genannten vier Forderungen als Vorbedingungen für die Erweiterung der Agency aufstellte und daß eine zweite Sitzung, nach erfolgreichen Verhandlungen Weizmanns in Amerika, die Erweiterung beschließen konnte. Sie fand damit den Beifall beinahe der gesamten palästinensischen Öffentlichkeit mit der einzigen Ausnahme der revisionistischen Partei, die freilich neuerdings über ein eigenes Presseorgan verfügt; der „Doar Hajom" wird nunmehr von Jabotin sky geleitet, nachdem dieser, trotz unsinniger Schikanen des besonders unverständigen Emwanderungsamtes der Regierung und seines jüdischen, angeblich sogar immer noch zionistischen Leiters, H y a m s o n, endlich doch nach Palästina gelangen konnte. In diesem Zusammenhang ist es vielleicht nicht ganz zufällig, daß eine der ersten Verordnungen des neuen Oberkommissars, Sir Robert Chancellors, der Anfang Dezember in Jerusalem feierlich — wie manche meinen, allzu feierlich — empfangen «vurde, gerade die Milderung einiger Härten in den Einwanderungsbestimmungen betraf. Überhaupt hat sich der neue „Herr" gut eingeführt: Gleich seine offizielle Begrüßungsrede sprach nicht nur von der (selbstverständlichen) Wahrung des Mandats, sondern von der notwendigen Vermehrung der Bevölkerungszahl, also von der Möglichkeit neuer jüdischer Einwanderung, auf die beinahe der ganze Jischuw sehnlichst wartet. Auch die bisherigen Besuche des neuen Oberkommissars im Lande haben den Eindruck gefestigt, daß es sich hier um einen wirklichen Kolonisationsfachmann handelt, der, unter den ähnlichen Bedingungen Südrhodesiens jahrelang erprobt, nun, nach der wesentlich politischen Aufgabe Sir Herbert Samuels, nach der wesentlich militärischen Lord Plumers, eine wesentlich wirtschaftlich-aufbauende zu lösen haben wird. Die zahlreichen Reden, die der Oberkommissar bei den Empfängen der Stadt- oder Kolonieverwaltungen, der Handelskammern und Organisationen zu halten hat, sind selten frei von Kritik an dem bisher Geleisteten, das aber in seinem Kern freudig anerkannt wird, und verraten so gerade deshalb ein substanzielles Interesse, auch an Einzelheiten. Wenn die Londoner Koloinalverwaltung dem neuen Mann freie Hand läßt, vor allem auch in finanzieller Beziehung, könnte man sich vorstellen, daß dem jüdischen Aufbauwerk eine wirklich sachverständige kolonisatorische Hilfe von Seiten des Oberkommissars zuteil würde. Freilich sieht es vorläufig noch nicht so aus, als ob die anderen britischen Verwaltungsbeamten in Palästina einerseits und als ob das Kolonialministerium anderseits allzu freundwillig gesinnt wären. Amerys böses Wort über den „Bankrott" Tel-Avivs, das freilich durch eine der unsinnig zahlreichen und politisch, trotz besten Willens, uns mehr schädlichen als nützlichen Anfragen Wegdwoods veranlaßt war, gebietet Vorsicht gegenüber einer zu optimistischen Prognose. Amery glaubte durch die obige Kennzeichnung eine Maßnahme der palästinensischen Regierung begründen zu müssen, die in der Tat tief genug in die Autonomie des Jischuw eingegriffen hat; die Verfassung der Stadt T e 1 - A v i v, die übrigens immer noch nicht alle Rechte einer selbständigen Stadt besitzt, wurde zwangsmäßig mehreren Änderungen unterworfen. Die wichtigsten sind: Verringerung der Zahl der Stadtverordneten von 40 auf 15 und Erhebung eines, freilich verhältnismäßig geringen Steuerzensus als Vorbedingung für die Teilnahme an den Wahlen. Nachdem sich die alte Stadtverwaltung, die durch zahlreiche, nächtelange, meist ebenso persönlich gefärbte wi$ sachlich fruchtlose Diskussionen nach innen und außen hin gleich diskreditiert

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