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Palästina · 1929-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1929) · p. Seite 54

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 2-3 (Februar 1929)
Article
Politik. Von Dr. Ernst Simon. Jerusalem.
Date
1929-02-01
Page
Seite 54 (sequence 3)
Language
German
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auf die Formeln von Mehrheit oder Minderheit im Lande zuspitzen. Eine jüngst veröffentlichte Kundgebung des Brith Schalom hat deshalb noch einmal ausdrücklich formuliert, daß es in Palästina keine Herrscher und keine Beherrschten geben solle, ganz gleichgültig, wie sich die Mehrheitsverhältmsse etwa entwickeln. (Wir haben diese Kundgebung in Nr. 1, Seite 36, veröffentlicht. — Die Red.) Diese Erörterungen waren im besten Gange, als sie durch jene bekannten Jomkippur-Ereignisse an der Klagemauer gestört und in eine völlig andere Richtung gelenkt wurden. Es ist durchaus denkbar, daß sich, wenn nicht die arabischen Beschwerdeführer, so doch die höheren britischen Beamten und ihre subalternen Ausführungsorgane, die ja größtenteils antisemitisch gestimmt sind, die Tatsache eines gewissen Interregnums zunutze gemacht hätten; war doch der bisherigex Oberkommissar, der zweite des Landes, der greise, gerecht denkende, wenn auch nicht sehr aktive Feldmarschall Lord P1 u m e r bereits von seinem Posten zurückgetreten — übrigens aus Gründen, die ihm alle Ehre machten; er wollte den Anteil Palästinas an der Erhaltung des transjordanischen Grenzkorps verringern, drang damit in London nicht durch und zog die Konsequenzen, das heißt verzichtete auf die übliche Verlängerung seiner offiziell abgelaufenen dreijährigen Amtszeit — und war doch der neue Oberkommissar noch nicht eingetroffen. Jedenfalls ergriff nun, nach den in der Tat höchst bedauerlichen Vorfällen, die den Juden ihren Versöhnungstag und beiden Völkern für einige Zeit eine versöhnlichere Stimmung verdorben haben, eine wahre Massensuggestion die ungeheure Mehrzahl der Bevölkerung. Die Araber ließen sich von ihren Führern einreden, daß die Juden ernstlich die Absicht hätten, die Omar- Moschee, die bekanntlich auf dem Platze des alten salomonischen Heiligtumes gebaut ist, wieder zu erobern, und die Juden wiederum redeten sich ein, durch Protcstversammlungen und eine wochenlange Zeitungskampagne, die freilich durch neue arabische Provokationen immer wieder Nahrung erhielt, die Regierung zur Konfiskation (!) des Platzes vor der Klagemauer veranlassen zu können, der aber, als der moslemitischen toten Hand, dem „Wakf", gehörend, nicht einmal verkauft, sondern höchstens getauscht werden darf. So wurde ein ungeheurer Sturm erregt, dessen positive Resultate gleich Null zu sein scheinen; denn auf die Proteste der Gemeinden von Krakau und Lemberg, die etwa im englischen Auswärtigen Amt einliefen, konnten die Araber mit Kairo und Bagdad antworten, die einen erheblich größeren Eindruck auf London machten. Und nicht einmal das einzig Erfreuliche an der Abwehrbewegung des Jischuw, daß nämlich seine inneren Gegensätze zurückgedrängt wurden, hielt längere Zeit vor. Einem von Raw Kuck, dem offiziellen OberrabLiner, ausgerufenen Fasttag wegen eines neuen Eingriffs an der Klagemauer trat der konkurrierende (orthodoxe, antizionistische) Raw Sonnenfeld ausdrücklich entgegen und entband seine Gläubigen von der religiös-nationalen Trauerpflicht. Aber auch die wesentlicheren, nämlich die politischen und sozialen Gegensätze innerhalb des Jischuw drängten bedauerlicherweise bald wieder an die Oberfläche. Vor allem war es die Stellung zur J e w i s h A g e n c y und der von ihr veranlaßte Expertenbericht über Palästinas Wirtschaft, an dem sich die Geister schieden; die Presse der Arbeiterschaft nahm zunächst mit ganz ungewöhnlicher Schroffheit Stellung, wurde aber in ihren praktischen Forderurigen: Erhaltung des Nationalfonds, Sicherung jüdischer Arbeit, Wahrung des hebräischnationalen Charakters der Erziehung und des öffentlichen Lebens sowie Freiheit in der Wahl der Siedlungsformen, von der bürgerlichen Mitte, wenigstens in den ersten drei Punkten, unterstützt, während eine sich immer stärker konzentrierende kleinkapitalistische Rechte sich mit allen Forderungen der nichtzionistischen Experten

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