Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1929)
- Article
- Politik. Von Dr. Ernst Simon. Jerusalem.
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 53 (sequence 2)
- Language
- German
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arabischen Welt zählen. Mau spürt hier sehr genau, ob die arabische Nationalbewegung in Ägypten oder Syrien, in Transjordanien oder Mesopotamien einen Rückschlag erlitten hat oder aber einen Schritt vorwärts tun konnte. Insofern hat auch das diktatorische Regiment von Nachas Pascha in Ägypten, das nun schon seit mehr als einem halben Jahre ohne Parlament, also verfassungswidrig, regiert, sich in heftigem Kampfe mit der national-ägyptischen Partei „Wafd" des verstorbenen großen Führers Zaghlul Pascha befindet, dafür aber, als außenpolitisch gemäßigt und innerpolitisch sozialreformerisch eingestellt, der Unterstützung des Königs Fuad und der, wichtigeren, Englands sicher sein darf, auch für Palästina seine nicht unerhebliche Bedeutung. Der ägyptische Staatsstreich war gleichsam ein Warnungszeichen für die extreme arabische Richtung im Lande, wie weit man gehen könne und wie weit, zurzeit, nicht. Da sich auch in Transjordanien der beim Volke recht unbeliebte Emir von Englands Gnaden, Abdullah, halten kann, da bei den in Mesopotamien strittigen Fragen des stehenden Heeres und der parlamentarischen Steuerhoheit England in keinem wichtigen Punkte nachzugeben scheint, da sich seine Hand sogar im fernen Osten, in Afghanistan, gerade eben noch stärker als die des immerhin mit allen orientalischen Freiheitsbewegungen sympathisierenden Rußlands erwiesen hat, so hieß es Vorsicht und Zurückhaltung üben. Diese beiden Verhaltungsweisen legte denn auch der palästinensische Kongreß an den Tag, der vor einigen Monaten, übrigens unter Ausschluß der jüdischen Presseöffentlichkeit, in Jerusalem zusammentrat, seine sehr gut vorbereiteten und offenbar recht disziplinierten Verhandlungen an einem einzigen Tage zu Ende brachte und, erstmalig, ein ständiges Exekutivkomitee wählen konnte, das aus den sonst immer in Streit liegenden mohammedanischen und christlichen Arabern etwa proportional beschickt wurde. Die Beschlüsse griffen nur formal auf die scharfen Proteste der früheren Kongresse gegen die Balfour-Deklaration und das englische Mandat zurück, ohne sie noch einmal wörtlich zu wiederholen, und begnügten sich statt dessen mit positiv formulierten Forderungen; von ihnen ist die politisch wichtigste die einer Volksvertretung. Es war nun an der Regierung und am Jischuw, sich mit diesem Vorschlag auseinanderzusetzen, der, schon seit einigen Jahren akut, seinerzeit von den Arabern durch ihre Ablehnung, sich an dem der Bevölkerung angebotenen Regierungsbeirat zu beteiligen, auf ein totes Gleis geschoben worden war. (Über diesen Kongreß berichteten wir in Nr. 8/10 1928, Seite 422. — Die Red.) Die Stellungnahme der Regierung war (und ist auch unter dem neuen Oberkommissar, Sir Robert Chancellor) dilatorisch; man verweist auf die Notwendigkeit, eine so schwerwiegende Frage von der Londoner Zentralregierung aus entscheiden zu lassen, die in Erwägungen begriffen sei. Die Stellungnahme des Jischuw ist in seiner Mehrheit ablehnend, doch hat eine energische Agitation des „Brith Schalo m" in öffentlichen Versammlungen, hebräischen und arabischen Zeitungsartikeln sowie einer nur der Verfassungsfrage gewidmeten Broschüre immerhin eine lebhafte Diskussion der Angelegenheit zuwege gebracht. In ihr beginnen sich allmählich konkretere Vorschläge abzuheben, die erstmalig von Hans Kohn formuliert wurden und darauf hinauslaufen, gewisse, für den Aufbau lebenswichtige Fragen, wie z. B. die der Einwanderung, aus der Kompetenz des künftigen Parlaments herauszuheben und außerdem durch die Bildung eines Oberhauses, in dem beide Völker paritätisch vertreten sind, den politischen Anspruch der in der Jewish Agency zusammengefaßten Weltjudenheit zum Ausdruck zu bringen. Besonders wesentlich war auch, daß in diesen Diskussionen darauf hingewiesen werden konnte, wie schief unsere politische und ideologische Basis wird, wenn wir unsere ganze Tätigkeit und ihre Begründung