Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1929)
- Article
- Die hebräische Presse in Palästina
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 47 (sequence 4)
- Language
- German
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Politische oder Klasseninteressen existierten für die Mehrheit der palästinensischen Zeitungen bis zum Kriegsende beinahe nicht. Nur wenige begnügten sich damit, bloß religiöse oder nationale Interessen zu vertreten. Während einige Zeitungen die Renaissanceidee verfochten (mit viel Vorsicht, da Palästina eine Provinz der Türkei war, wo der Zionismus offiziell verboten war), hielten andere es für nötig, den Konservativismus des alten Jischuw zu vertreten. Aber 1909, mit der Zunahme der Chaluzimeinwanderung, von denen ein Teil aus dem radikalen Lager kam, finden wir schon das Arbeiterorgan „Hapoel Hazair", welches bereits einige Zeit vorher als hektographiertes Blatt erschienen war. In diesem, erst monatlich, dann halbmonatlich, dann wöchentlich erscheinenden Organ finden wir die radikalen Ideen vertreten. Um dieses Blatt gruppierten sich rasch die damaligen bekannten Schriftsteller Palästinas. Es bekämpfte nicht nur die konservativen Rabbiner Jerusalems und den alten Jischuw, sondern auch die nicht demokratischen Nationalisten und schließlich Ben Jehuda. Anfangs wurde der „Hapoel Hazair" in Jerusalem ediert, vom dritten Jahr ab in Jaffa, dem Zentrum des neuen Jischuw. Ein Jahr nach Gründung des „Hapoel Hazair" entstand das Organ der Poale Zion, die „Achduth" (Einheit), das auf seinem Kopf die Worte schrieb: „Zeitung für die Interessen der Arbeiter und der Masse". Dieses Blatt verfocht den Klassenkampf. Unter den anderen, nicht religiösen Materien gewidmeten Blättern waren die wichtigsten: Jeruschalajim, redigiert von Abr. Mosche Lunez; Ha Ikar, Hefte, ediert von Ahr. Mosche Lunez; Erez Israel und wissenschaftliche Lehrbücher, ediert von Abr. Mosche Lunez;: Haarez, redigiert von Seew Javez; Haomer, Literaturrevue, redigiert von S. Benzion und David Yeilin; Hachinuch, Monatsschrift für Lehrer, redigiert von Dr. N. Turov; Moledeth, Jugendschrift, ediert von der Gesellschaft Koheleth. Unter den Revuen für biblische Studien finden wir Ha Meassef, Or Thorah, Thorami Zion^Hamisderona usw. Gelegentlich erschienen auch jiddische und spaniolische Blätter sowie hebräische Flugschriften der Missionäre. II. Während des Krieges hörte in Palästina jede journalistische Tätigkeit auf, teils wegen der materiellen Verhältnisse, teils wegen der militärischen Zensur. Gegen Ende des Krieges begann das britische Oberkommando für Palästina und Ägypten eine offizielle Zeitung „Nachrichten aus dem Heiligen Land" in englischer, arabischer und\ hebräischer Sprache zu edieren. Mit dieser Zeitung, um die sich viele bekannte Schriftsteller sammelten und die eine von S. Ben Zion redigierte Beilage „Schai"" hatte, begann der Nachkriegsjournalismus in Palästina. Eine neue Ära eröffnete die Eroberung Palästinas durch die Engländer. Mit dem kräftigsten Aufschwung der ganzen Bevölkerung ward dieser auch der Presse zuteil. Obzwar Palästina noch gesperrt und die hebräische Bevölkerung sehr reduziert war,. Schossen die Zeitungen in Palästina wie Pilze aus dem Boden. Die offizielle britische Zeitung wandelte sich in eine hebräische Tageszeitung unter der Redaktion guter Schriftsteller um und änderte ihren Titel in „Nachrichten des Landes" und später in: „Haarez" („Das Land"). Sie wurde das Zentralorgan der jüdischen Bevölkerung des Landes, die Wortführern! der nationalen und liberalen Kreise der Jischuw. Sie hat