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Palästina · 1929-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1929) · p. Seite 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 2-3 (Februar 1929)
Article
Die hebräische Presse in Palästina
Date
1929-02-01
Page
Seite 48 (sequence 5)
Language
German
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in den zehn Jahren ihres Bestandes öfters ihre Redaktionsprinzipien geändert und erscheint heute in Tel-Aviv unter der Redaktion von Dr. M. Glückson, einem der geistvollsten Schriftsteller Palästinas. (Von seinen neuesten wissenschaftlichen Werken nennen wir die Übersetzung von Windelband ins Hebräische und sein eigenes Werk: „Achad Haam und seine Lehre".) Die Zeitung hat ein national-freiheitliches Programm und ähnelt in ihrem Habitus dem Berliner Tagblatt oder der Frankfurter Zeitung. Sie veröffentlicht öfters literarische, nationalökonomische und andere Beilagen. Bald darauf begann in Jerusalem ein anderes Tagblatt zu erscheinen, „Doar Hajom", gegründet von einer Gruppe junger Einheimischer, welche im „Haarez" keine befriedigende Interpretation ihrer Ideen fanden. Diese Zeitung ist national-konservativ. Die bürgerlichen Elemente des Landes sehen in diesem Blatt ihr Organ. Redakteur ist der konservative Journalist Ittamar ben Avi, Sohn von Ben Jehuda. (Seit kurzem hat dieser die Leitung des Blattes an V. Jabotinsky abgetreten. Anm. der Red.) Außer diesen über zehn Jahre bestehenden Tageszeitungen gibt es noch ein drittes, drei Jahre bestehendes hebräisches Tagblatt, den 1926 gegründeten „Dawar44, die Zeitung der organisierten Arbeiterschaft. Es wird von den Führern der gemäßigtsozialistischen Partei im Sinne ihrer Prinzipien redigiert und ist trotz seines kleinen Formats eines der bestredigierten sozialistischen Blätter der Welt. Jeden Freitag hat es eine literarische Beilage, besitzt auch einen Verlag, welcher schon neun oder zehn Werke der jungen hebräischen Literatur und Schriften der ersten hebräischen Sozialisten veröffentlicht hat. So besitzt das kleine Palästina mit bloß 160.000 jüdischen Bewohnern drei hebräische Tageszeitungen („Haarez" und „Dawar" erscheinen mittags, „Doar Hajom" abends), welche die drei Hauptströmungen des Jischuw repräsentieren: die bürgerlich-konservative, die liberal-demokratische und die national-sozialistische. Jedes politsche oder soziale Ereignis findet seine spezielle Behandlung in jedem der drei Blätter, welche aber in der grundlegenden nationalen Frage eines Sinnes sind. Andere Versuche, hebräische Tagesblätter zu edieren (z. B. solche der Missionäre), sind gescheitert, aber trotzdem gibt es noch Träume von einem neuen Tagblatt und Vorbereitungen dazu. Außer diesen drei großen einflußreichen Blättern hat jede Partei, jede größere oder kleinere Gruppe ihr periodisches Spezialorgan. Die großen sozialistischen Parteien Hapoei Hazair und Achdut Ha Awodah haben außer dem gemeinsamen Tagblatt zwei Wochenblätter, „Hapoei Hazair" und „Kuntres", die religiösen Zionisten (Misrachi) edieren das Wochenblatt „Hator". Ein Wochenblatt haben auch die nichtzionistischen Orthodoxen, „Kol Israel" („Die Stimme Israels"). Eine Wochenschrift der bürgerlichen Siedler ist einige Jahre unter dem Titel „Hajischuw" erschienen, die Revisionisten haben ein eigenes Wochenorgan: „Hazafon", die religiösen Arbeiter (Hapoei misrachi) den „Nethiwah" („Pfad") und auch die linken Poale Zion besitzen eines. Selbst die wenigen antizionistischen Kommunisten, die eine illegale Organisation haben, die fortwährend ihren Namen ändert, geben von Zeit zu Zeit ein Bulletin heraus. Unter den vielen Wochenschriften verdient besonders erwähnt zu werden jene, welche der Literatur und Kunst gewidmet ist: „Chethuwim" („Die Schriften"), welche vor zwei Jahren von der Schriftstellerorganisation gegründet wurde und unter der Redaktion des bekannten Schriftstellers A. Steinmann steht. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit Schriftstellern und Literatur wie etwa „Die literarische Welt" oder „Les nouvelles litteraires". Sie hat sich in kurzer Zeit die Sympathien der Leser des Hebräischen in und außerhalb des Landes gewonnen und die Liebe für die alte und neue hebräische Literatur vertieft.

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