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Palästina · 1929-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1929) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 2-3 (Februar 1929)
Article
Die Versorgung der Juden Palästinas mit Spitälern und Polikliniken
Date
1929-02-01
Page
Seite 23 (sequence 8)
Language
German
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23 Die Regierung ist im allgemeinen der Schaffung kleiner privater Anstalten abgeneigt und versucht ihnen unter Berufung auf das türkische Gesetz vom 7. Mai 1885, das eine Mindestzahl von 20 Betten pro Anstalt vorschreibt, vorzubeugen. Sie läßt jedoch Ausnahmen zu, indem sie bei sonst erfüllten sanitären Anforderungen schon mit 12 Betten einverstanden ist. E) Näheres über die jüdischen Spitäler und Polikliniken, Die jüdischen Spitäler zerfallen in 3 Gruppen. 3 Spitäler bestehen schon seit langer Zeit, mehrere Jahrzehnte lang. Entstehung und Bestand verdanken sie privaten Wohltätern, die im In- und Auslande Geld sammeln. Diese Spitäler sind Volontär und philanthropisch im wahrsten Sinne des Wortes; Heilung und Behandlung ist ihre alleinige Aufgabe. Sie verfügen über rund 170 Betten, alle in Jerusalem. Eine zweite Gruppe von Spitälern gehört der amerikanischen Zionistischen Frauenorganisation Hadassiah. Diese 4 Spitäler sind nach dem Kriege entstanden und dienen drei Zwecken: 1. Mitarbeit am zionistischen Landesaufbau, 2. Philanthropie und 3. Schaffung einer medizinischen Fakultät der hebräischen Universität. Sie umfassen derzeit rund 360 Betten1) (darunter rund 40 Betten für Neugeborene). Die dritte Gruppe der Spitäler — an Zahl und Größe je nach Saison wechselnd — gehört der jüdischen Arbeiterorganisation Palästinas, deren medizinische Institution, die Kupath Cholim, ihren Mitgliedern ambulatorische und Spitalshilfe zu leisten verpflichtet ist. Die Kupath Cholim verfügt über 35—70 Spitalsbetten, außerdem über etwa 60 Betten in zwei Erholungsheimen. Jerusalem ist auch hinsichtlich der jüdischen Spitäler stark bevorzugt; es hat deren außer der Irrenanstalt 4, mit 282 Betten, während sich im übrigen Palästina nur 5 jüdische Spitäler mit 293 Betten befinden. Pro 1000 Juden entfallen in Jerusalem 7, im übrigen Palästina nicht ganze 3 jüdische Betten. Ueberfluß an Betten dort und Mangel hier sind das Resultat. Wozu noch kommt, daß in Jerusalem die Juden weit mehr als sonst Gelegenheit haben, in nichtjüdischen Spitälern unterzukommen. Die Juden machen auch hievon ausgiebig Gebrauch. Im Jahre 1926 finden wir in Jerusalem 23% der jüdischen Spitalspatienten in nichtjüdischen Volontären Spitälern, obwohl in jüdischen Spitälern noch viel Platz vorhanden war. 26% der Patienten in den nichtjüdischen Volontären Spitälern Jerusalems waren Juden. Spitäler sind nicht Selbstzweck. Vom Interessenstandpunkte der Zionistischen Organisation ist eine gewisse Mindestzahl entsprechend verteilter Spitalsbetten zur Durchführung der kolonisatorischen Pläne absolut notwendig.2) Die Jerusalemer Spitäler können nur in sehr geringem Ausmaß dem neuen Jischuw — den neuen Eingewanderten und neuen Siedlungen — dienstbar gemacht werden, der — im Gegensatz zur Vorkriegszeit — sich l) In Kürze wird das fünfte Spital, das „Peter-Schweizer-Hospital" in Tiberias mit rund 30 Betten fertig und von der Hadassah in Betrieb genommen. 2) Nicht daß man eigene Spitäler in Jerusalem hat, hat der Welt gezeigt zu werden. Für Tausende Juden ist es keine seelische Kraftprobe, in einem nichtzionistischen jüdischen oder auch gut eingerichtetennicht'üdischpn Spital sich behandeln zu lassen, insbesondere wenn hiedurch Geld für die Kolonisation oder medizinische Hilfe an den bedrohten Punkten des neuen Jischuw flüssig gemacht werden können.

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