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Palästina · 1929-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1929) · p. Seite 22

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 2-3 (Februar 1929)
Article
Die Versorgung der Juden Palästinas mit Spitälern und Polikliniken
Date
1929-02-01
Page
Seite 22 (sequence 7)
Language
German
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22 Spitalspatienten. Diese immensen Differenzen sind nicht Folge und Zeichen ungenügender Versorgung der Christenbezw. Mohammedanerbevölkerung mit Spitalsbetten, sondern sind kennzeichnend für den großen Spitalsbedarf der Juden. In den jüdischen Spitälern Tel-Aviv und Haifa beträgt die Bettenausnützung 90 bis über 100%, obwohl sehr viele Typhus-, Dysenterie- und sonstige Infektionskranke in unpassenden Wohnverhältnissen auf Hospitalisierung verzichten und obwohl die hospitalisierten Kranken äußerst kurze Zeit im Spital verweilen und, kaum Rekonvaleszenten, zum großen Teil noch ansteckend, das Spital verlassen müssen. In Jerusalem und Safed sind die jüdischen Spitäler nur zu 80% belegt. Die Regierungs- und Munizipalspitäler sind durchschnittlich zu 25%, die nichtjüdischen Volontären Organisationen durchschnittlich zu 44% nicht belegt (1926). Sie würden auch die geringe gegenwärtige Bettenausnützungsziffer nicht erreichen, wenn nicht manche von ihnen großen Teils Juden zur Verfügung stünden. In Palästina gibt es derzeit rund 130 Betten für jüdische und nichtjüdische Geisteskranke, d. h. auf 1000 Köpfe 0.15 bis 0.17 Betten. Diese Ziffer ist sehr niedrig im Vergleich mit anderen Ländern (Deutschland 2.2, Dänemark 1.9, Ungarn 0.7, Polen 0.3, Vereinigte Staaten 3°/ftn). Ob bei den Juden in Palästina die Häufigkeit von Geisteskranken größer oder kleiner ist als bei europäischen Völkern, insbesondere als bei deren städtischem Bevölkerungsteil, ist ungewiß. Die zwei ätiologischen Hauptfaktoren, Syphilis und Alkohol, fehlen in Palästina fast zur Gänze, während andererseits die konstitutionell degenerativen Erkrankungen, die Psychosen des jugendlichen Alters viel häufiger sind. Der Tausendsatz an jugendlichen Geisteskranken, den wir bei den Juden Palästinas vorfinden, ist zweifellos höher als im Durchschnitt der Juden Osteuropas, was zum Teil mit mangelhafter Siebung des Auswanderungsmaterials zusammenhängt. Wie dem auch sei, die Bettenzahl der beiden Irrenanstalten Palästinas ist zu klein, um auch nur den Bedarf der Juden allein zu decken. Für die Juden brauchen wir schon seit Jahren ein Minimum von 150 Betten, was l°/00 entsprechen würde. So wie die Verhältnisse derzeit liegen, besteht in Palästina eine Spitalsnot bei den Juden, aber nicht bei Christen und Mohammedanern. Bei den Juden ist vor allem der Bedarf an Infektionsbetten (inklusive Tbc.) und für akute Geisteskranke, zum Teil auch an Betten für Geburtshilfe äußerst mangelhaft befriedigt. Für die christliche Bevölkerung ist für absehbare Zeit vorgesorgt, für die mohammedanische Bevölkerung wird erst mit der Hebung des kulturellen Niveaus, mit der Zivilisierung, das Spitalsproblem akut werden. In obigen Zahlen sind die privaten, für zahlungsfähiges Publikum berechneten, nicht philanthropischen Anstalten nicht enthalten. Es gibt deren 3 in Jerusalem mit 63 Betten, 6 in Tel-Aviv mit 75 Betten und 2 in Haifa mit 24 Betten. In Jerusalem und Haifa dienen diese in jüdischen Händen befindlichen Anstalten auch der christlichen und mohammedanischen Bevölkerung, in Tel-Aviv nur oder fast nur Juden. In Tel-Aviv ist die Disproportion zwischen der Bettenzahl in diesen privaten Sanatorien (75) und der Bettenzahl im einzigen allgemeinen Spital (rund 120) allzu kraß. Sie ist mit ein Symptom für krankhafte Verhältnisse sowohl bezüglich der Versorgung der Armen und Mittellosen wie der Wohlhabenden.

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