Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1929)
- Article
- Die Rinderzucht in Palästina
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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12 die Kesten der Aufzucht und der Milchproduktion in Palästina ungewöhnlich hohe sind. Nach den Ergebnissen seiner Untersuchung kostet die Aufzucht einer Rassekuh bis zum ersten Abkalben Pfund 67, die Produktion einer Gallone Milch über ein Sechstel Pence, das sind rund 14 Milliemes per Liter, auf der Farm. Diese Kosten sind doppelt so hoch wie in anderen milchproduzierenden Ländern. Zur Erkenntnis des Problems gebe ich die Bilanz eines Kuhstaües in einer kollektivistischen Arbeitersiedlung im Emek bekannt. Die Herde bestehi aus 25 Kühen, davon zehn arabischer Rasse, die übrigen Beyruther oder Kreuzungen, 20 Stück Jungvieh und ein Stier, im Gesamtwerte von Pfund 1056.—. Die Herde ist allmählich im Laufe mehrerer Jahre durch Kauf und eigene Aufzucht entstanden. Wie aus den späteren Ausführungen hervorgehen wird, ist gerade diese ungleichmäßige Zusammensetzung der Herde ein Grund für den kleinen Gewinn. Erst mit einer gewissen Minimalleistung an Milch kann eine Kuh bei einer modernen, intensiven Haltung rentieren. Auch ist die Bilanz dieses Stalles verschlechtert durch den Umstand, daß die Herde zu klein ist. Die Kosten der Arbeit — ein Hirt könnte auch eine größere Anzahl von Tieren weiden — verteilen sich auf zu wenig Köpfe. Das gleiche gilt von der Haltung eines Stieres, der bei einer so kleinen Zahl von Kühen nicht genügend ausgenützt ist. (Eine andere Regelung ist jedoch nicht möglich.) Die Herde ist untergebracht in einem Betonstall holländischen Systems mit aufgestocktem Futterspeicher; der Bau stammt noch aus d;?r von Kaplansky, in Heft 5/7, 1928, geschilderten früheren Bauperiode des zionistischen Kolonisationsdepartments und er stellte sich im Verhältnis zum Wert des eingestellten Viehs unverhältnismäßig teuer. Die Amortisationsquote, die in dem Rechnungsjahr noch gar nicht voll zum Ausdruck kam, ist dementsprechend sehr hoch. Eine Verzinsung des Kapitals brauchte nicht eingerechnet zu werden, weil die Wirtschaft noch nicht in die Klasse jener gehört, deren Fundierung tatsächlich erfolgt ist, die also zur Zinsleistung und Rückzahlung befähigt wären. Das aufgewendete Futter wurde auf Grund bekannter Tabellen verabreicht und nach den durch Versuche bei den Tieren sich ergebenden Erfahrungen. Die Versicherungsprämien betragen für das inländische Rind 2 Prozent, für das Rassevieh 4 Prozent vom Werte, einschließlich kostenloser Hilfe des beamteten Tierarztes. Unter der Post medizinischer Hilfe sind verstanden Auslagen für Medikamente und außerordentliche Arbeit zu Veterinären Zwecken. Das Konto Arbeit bezieht sich auf eine Beschäftigung von durchschrjittlich 2% Menschen täglich, wovon einer Hirt ist. Die hohen Kosten für die Menschenarbeit entspringen der besonderen Verrechnungsart, die für die kollektivistischen Gruppen bei Aufstellung ihres Lohnsatzes angewendet werden muß. Es würde zu weit gehen, diese Frage hier eingehender zu erörtern. Tatsache ist, daß in diesen Gruppen der Arbeitstag im Durchschnitt weitaus höher errechnet werden muß, als der Taglohn beträgt, der selbst an jüdische landwirtschaftliche Arbeiter gezahlt wird. Auf ähnlicher Grundlage, nämlich nach dem Verhältnis der in jedem einzelnen Wirtschaftszweig aufgewendeten Arbeitstage, erfolgt die Verteilung der allgemeinen Unkosten der Gesamtwirt-