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Palästina · 1929-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1929) · p. Seite 4

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Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 2-3 (Februar 1929)
Article
Die Rinderzucht in Palästina
Date
1929-02-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Die natürlichen Bedingungen des Landes sind für die Rinderzucht durchwegs günstige. Der Referent des Empire Marketing Board, Dr, A, B, Orr, berichtet über seine Untersuchungen in Palästina im Jahre 1927: »Das Klima von Palästina ist ausgezeichnet für Tiere; es läßt sich nicht feststellen, daß eine mineralische Substanz oder etwas anderes in der natürlichen Weide fehle. Verluste durch endemische oder epidemische Krankheiten scheinen nicht größer zu sein, als man sie in anderen Ländern finden kann, wo die Viehzucht erfolgreich entwickelt ist,« (S. Heft 10/11 1927, S. 520.) Die Probleme der Rinderzucht in Palästina lassen sich am besten betrachten, wenn man eine Darstellung der im Lande vertretenen Rassen und der verschiedenen Nutzungsarten gibt. Die einheimische Rasse ist ein kleines Rind von unansehnlichem Aeußeren, ziemlich wild und ungebärdig. Es ist vor allem sehr widerstandsfähig gegen klimatische Einflüsse und alle Arten von Krankheiten, im Futter sehr genügsam. Diese Rasse kann nicht als ausgeglichen angesprochen werden; in verschiedenen Landesteilen kann man Einflüsse anderer Schläge erkennen. Die Milchergiebigkeit ist gering, durchschnittlich 700 Liter pro Jahr. In jüdischen Betrieben, in denen durch Abverkauf minderwertiger Exemplare eine Selektion stattfand, trifft man jedoch meistens einheimische Kühe mit einer höheren Durchschnittsieistimg und einzelne geben bei entsprechender Ernährung mehr als 1500. Eine Min-r derung, die dem europäischen Landwirt meist unbekannt ist, entsteht dadurch, daß sich die arabische Kuh fast stets nur dann melken läßt, wenn man ihr das Kalb zuführt, so daß man dieses aufziehen muß ohne Rücksicht auf seinen Wert. Und ein Verenden des Kalbes oder der Versuch, es der Kuh zu entziehen, führt fast immer zu einem sofortigen Versiegen der Milch. Betriebstechnisch bedeutsam ist, daß der Preis für dieses Rind relativ niedrig ist, etwa 8 bis 10 Pfund, und daß es ohneweiters im Lande zu kaufen ist, während die Einfuhr aus benachbarten Ländern auf Schwierigkeiten stößt. Verbreitete Rinderseuchen haben die Regierungsstellen zu strengen Einfuhrverboten und Quarantänemaßnahmen veranlaßt. Dies gilt vor allem für die beiden syrischen Schläge, das Beyruther und das Damaszener Rind. Das erstere ist klein bis mittelgroß, von mäßiger Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten, in fast allen Teilen Palästinas ohne weiteres akklimatisierbar. Seine Milchergiebigkeit ist nicht sehr groß, im Mittel 2000 bis 2500 Liter im Jahr, die Forderungen an die Ernährung schon ziemlich anspruchsvoll. Dabei ist der Anschaffungspreis relativ sehr hoch, etwa 35 Pfund. Das Damaszener Rind ist ein hochbeiniger, schmalbrüstiger Schlag, sichtlich das Ergebnis einer alten Hochzucht. Es ist sehr empfindlich in der Ernährung und anfällig für Krankheiten aller Art, obgleich es sich natürlich, aus einem benachbarten Gebiete stammend, den klimatischen Bedingungen Palästinas leichter anpaßt, als europäische Rassen. Seine Milchleistung ist europäischen Vorstellungen entsprechend: rund 3000 Liter im Jahresdurchschnitt. Die Rasse kommt für Weidegang nicht in Frage und verlangt eine gute Stallhaltung mit reichlicher Zufütterung von Kraft- und Grünfutter. Der Anschaffungspreis bewegt sich zwischen 50 bis 60 Pfund, Schon in den Vorkriegsjahren unternahmen es vornehmlich deutsche Templer-Kolonisten, Vieh aus Europa einzuführen. Diese »Ostfriesen«, bezw. ihre Nachkommen sind heute noch geschätzte Exemplare, da sie

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