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Palästina · 1929-01-01 · Heft 1 (Januar 1929) · p. Seite 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 1 (Januar 1929)
Article
Rund um Palästina
Date
1929-01-01
Page
Seite 31 (sequence 5)
Language
German
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weisen. Ihre Pläne wiesen den richtigen Weg, aber im Laufe dieses Jahres sollte erst ein bescheidener Anfang gemacht werden. Die Reformen sahen die Errichtung von 150 Spitälern in kleineren Städten und Dörfern, die Versorgung der Provinzstädte und des flachen Landes mit Trinkwasser und den Bau billiger, hygienischer Arbeiterwohnungen in den Großstädten voraus, die der üblen Überlieferung in den unsäglich schmutzigen Elendvierteln von Kairo und Alexandrien allmählich ein Ende bereiten sollten. Von großer Bedeutung waren auch die geplanten öffentlichen Arbeiten, vor allem jene, die eine Vermehrung des für die Bewässerung und Fruchtbarmachung des Bodens zur Verfügung stehenden Nilwassers und der ihm entstammenden elektrischen Kraft durch die Errichtung neuer Staudämme und durch die Erhöhung vorhandener zum Ziele hatten. Auch sollte in Ägypten mit der schon so lange fälligen Landreform ein bescheidener Anfang gemacht werden. Der Fellache ist in Ägypten gewöhnlich ein Zwergpächter. Das gegenwärtige Ministerium denkt nicht an eine Bodenverteilung der Latifundien, sind doch seine sämtlichen Mitarbeiter selbst Großgrundbesitzer, aber es will, vorläufig in der westlichen Provinz von Fajum, Staatländereien parzellieren und an Kleinbauern zu einem niedrigen Preise und gegen über dreißig Jahre erstreckte Abzahlungen verkaufen. Eine andere Reform, die ebenfalls seit vielen Jahren auf der Tagesordnung steht, soll in der nächsten Zeit durchgeführt werden: die Umgestaltung der altehrwürdigen theologischen Hochschule des Islam, der berühmten El Azhar-Moschee, in eine moderne Bildungsanstalt. Diese Reform hätte eine außerordentliche Bedeutung, denn beinahe die gesamte Intelligenz Ägyptens, zuraindestens in der älteren Generation, hat die erste Ausbildung in El Azhar oder unter dem Einfluß von El Azhar erhalten. El Azhar hat auch bei dem Aufstieg der begabten Söhne des ägyptischen Feliachenstammes in die sich neu bildende Bourgeoisie eine große Rolle gespielt. Auch Zaghlul Pascha hatte dort Unterricht genossen. "Wohl ist heute El Azhar nicht mehr jene rein mittelalterliche scholastische Universität, die es noch vor wenigen Jahrzehnten war. In den Lehrplan sind die Rudimente moderner Wissenschaften eingeführt und ein bestimmter Lehrgang verzeichnet worden. Aber noch immer beherrscht die Theologie in ihrer hergebrachten Form den Lehrbetrieb, und das äußere Bild erinnert noch völlig an vergangene Jahrhunderte. Noch immer kann man in El Azhar sich in den alten Orient zurückversetzt denken, der ringsum in der geschäftigen Großstadt bereits überwunden ist. Noch immer strömen in El Azhar, wenn auch in geringerer Zahl, Scholaren aus allen Ländern des Islam zusammen. Nun soll im äußeren Aussehen wie im inneren Betrieb El Azhar modernisiert, Gebäude rings um die Moschee errichtet werden, wo der Lehrbetrieb in Klassen nach europäischem Vorbild vor sich gehen soll. Langsam wird El Azhar so zur theologischen Fakultät der ägyptischen Universität werden. Der Geist der neuen Zeit, der die Länder des Orients verwandelt, macht auch nicht vor jahrhundertealten ruhmreichen Traditionen halt. In die ruhige Ausführung dieser Reformen griffen aber die legten Wochen störend ein. Der politische Horizont, der eine Zeitlang klar schien, hat sich plötjlich wieder so düster umwölkt, daß die Erregung begreiflich wird, mit der ganz Ägypten den nächsten Wochen entgegensieht. Im Ministerium selbst, das aus einer Mehrheit von Konstitutionell-Liberalen und einer Minderheit von Anhängern der Ittihad, der Partei des Hofes, besteht, machen sich Unstimmigkeiten und Kämpfe der beiden Parteien bemerkbar. Der W a f d hat eine verstärkte Tätigkeit begonnen, die zum Teil im geheimen verläuft und Zeugnis davon ablegt, daß der Wafd sich anschickt, wieder einschneidend in die Geschichte des Landes einzugreifen. Bekanntlich hat vor vier

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