Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Rund um Palästina
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 4)
- Language
- German
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können sie auch am ehesten hoffen, nicht nur dem Lande zu nütjen, sondern auch zu einem Einverständnis mit der französischen Mandatregierung zu gelangen. IL VOR NEUEN ANW ÄLZUNGEN IN ÄGYPTEN. Am 13. November waren zehn Jahre verflossen, seit unter Führung Saad Zaghlul Paschas der W a f d — dieses arabische Wort bedeutet Delegation — im Namen des ägyptischen Volkes bei dem damaligen britischen Hochkommissär in Kairo erschien und ihm mitteilte, daß sie als Vertreter Ägyptens nach Europa reisen wollten, um bei den Friedensverhandlungen die ägyptische Forderung nach Unabhängigkeit des Landes zu erheben. Von diesem Tage an datiert die nationale Erhebung des ägyptischen Volkes, die in den seither verflossenen zehn Jahren manche Erfolge erzielt, aber das Ende ihrer Bestrebungen noch nicht erreicht hat. Gerade in den letzten Monaten hat die jetzige ägyptische Regierung das gefährdet, was damals als Grundlage der Bestrebungen der Nation galt, nämlich die Volkssouveränität und das parlamentarische Verfassungsleben. Damals stand hinter Zaghlul Pascha die geeinte Nation. Es ist eine Ironie der Geschichte, daß der Mann, der heute als Haupt der gegenwärtigen Regierung für die Aufhebung des parlamentarischen Lebens und für die Einführung der Diktatur verantwortlich ist, Mohammed Mahmud Pascha, damals ein Mitglied des Wafd war und Zaghlul Pascha in die Verbannung begleitete. Der Wafd und die Partei Mohammed Mahmud Paschas, die Konstitutionell Liberalen, feiern nun das Fest der zehnjährigen Wiederkehr jenes in der ägyptischen Geschichte denkwürdigen Tages, mit dem seine Unabhängigkeitsbestrebungen offiziell einsetzten, als erbitterte Feinde. Es ist kaum vier Monate her, seit das Ministerium das Wafd unter der Führung Mustafa Nahas Pascha, des Nachfolgers Zaghluls, von König Fuad entlassen worden ist. Das neue Ministerium, das unter Mohammed Mahmus Paschas Führung vom König gebildet wurde, sah sich genötigt, wollte es am Ruder bleiben, das Parlament aufzulösen und für Jahre auf die Einberufung eines neuen Parlaments zu verzichten, denn Neuwahlen hätten in Ägypten immer wieder dem Wafd eine überwältigende Mehrheit gebracht. Gestütjt auf den König, der jeder Demokratie seit jeher Feind war, und auf die britische Besatzung, konnte das Ministerium Mohammed Mahmud Paschas diesen Staatsstreich begehen und die wichtigsten Bestimmungen der Verfassung und eine Reihe der politischen und bürgerlichen Freiheiten außer Kraft setzen. Einige Wochen hindurch schien es, als sollten der König und die Engländer Recht behalten und das Land die Diktatur ruhig hinnehmen. Mohammed Mahmud Pascha wollte ein wohlwollender Diktator sein. Die Opposition wurde zwar mit allen Mitteln unterdrückt, ihre wichtigsten Zeitungen mußten das Erscheinen einstellen. Aber das Ministerium hat eine Reihe von Reformen geplant, die zweifellos die wirtschaftliche Entfaltung des Landes und den sozialen und kulturellen Fortschritt seiner Bewohner im Auge hatten. Der Zustand des Fellachen auf dem Lande und des Arbeiters in den Städten läßt sich im heutigen Ägypten mit den Forderungen auch nur primitiver Hygiene und eines dem europäischen angenäherten Lebens- und Kulturstandards nicht vereinbaren. Wohl haben die früheren ägyptischen Regierungen immer wieder Reformen auf diesen Gebieten in Aussicht gestellt und Kommissionen eingesetjt, die Reformvorschläge prüfen und in Gesetjesform bringen sollten. Aber die inneren und äußeren Freiheitskämpfe ließen die Durchführung dieser Pläne nur langsam reifen. Wenn die Diktatur wirklich zu ihrer Durchführung im großen Maßstabe entschlossen wäre, könnte sie dem Lande einen unzweifelhaften Dienst er-