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Palästina · 1929-01-01 · Heft 1 (Januar 1929) · p. Seite 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
12 (1929)
Issue
Heft 1 (Januar 1929)
Article
Rund um Palästina
Date
1929-01-01
Page
Seite 32 (sequence 6)
Language
German
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Monaten König Fuad den damaligen Ministerpräsidenten Nahas Mustafa Pascha entlassen, weil er unter dem Verdachte stand, sein Amt im Interesse der Klienten seiner Advokatenkanzlei benütjt zu haben. Gegen Nahas Pascha wurde ein Gerichtsverfahren eingeleitet, das sich monatelang hinzog. Die neue Regierung hatte selbstverständlich alles Interesse daran, die Beschuldigung, an die weite Kreise von Anfang an nicht glauben wollten, durch das Gericht erhärten zu lassen. Es ist nicht gelungen. Das Gericht sah sich gezwungen, Mustafa Nahas von jedem Verdachte freizusprechen. Die Regierung verbot die Veröffentlichung dieser Entscheidung in der Presse. Sie wurde dessenungeachtet über Nacht im ganzen Lande bekannt und löste einen allgemeinen Jubel aus. Beinahe ganz Ägypten stand wieder geeint hinter dem Wafd. Als Mustafa Nahas wenige Tage später nach Mansura kam, wurde er der Gegenstand unerhörter Ovationen, obwohl die Regierung mit allen möglichen Mitteln eine Kundgebung zu verhindern gesucht hatte. In allen ägyptischen Kreisen herrscht nun die Überzeugung, daß die Diktatur Mohammed Mahmud Paschas ihrem Ende entgegengeht. Man ist sich aber nicht klar, was sie ablösen soll. Zwischen den einzelnen Parteien, dem Hof und dem britischen Hochkommissariat werden unausgesetjt Verhandlungen geführt. Naschaat Pascha, der Günstling und nächste Ratgeber des Königs, den das allgemeine Verlangen des Landes vor mehr als zwei Jahren gezwungen hatte, das Land zu verlassen, kehrt in diesen Tagen von seinem Gesandtschaftsposten in Teheran zurück. Der König hat den Rücktritt des Wafd-Ministeriums dazu benützt, um seinen Liebling den Gesandtschaftsposten in Berlin zu verleihen. Aber viele vermuten, daß Naschaat Pascha versuchen wird, in Ägypten zu bleiben. Eine Beruhigung des Landes kann freilich nur dann eintreten, wenn der Wafd wieder die Regierung übernimmt, die der allgemeine Volkswille ihm zuspricht. Wohl kann, gestützt auf die britische Besatzung, der König fortfahren, das Land durch dieses oder jenes Ministerium unter der Verlegung der Verfassung zu regieren. Aber die Erfahrung hat gezeigt, daß diesen Diktaturen ohne jeden Rückhalt im Volke eine Grenze gesetzt ist. Am 13. November hat der Wafd in Kairo in einer großartigen Manifestation (eine ähnliche, die in Alexandrien geplant war, hat die Regierung unmöglich gemacht) die zehnjährige Wiederkehr des Tages gefeiert, an dem die ägyptische Unabhängigkeit, der Gedanke der Volkssouveränität im ägyptischen Nationalbewußtsein verankert wurde. Im November vor drei Jahren ist unter Führung des damals noch lebenden Zaghlul Pascha zum zweiten Male eine völlige Einigung der ägyptischen Parteien im Kampfe gegen die damalige Diktatur bewerkstelligt worden und sie hat ihr Ziel, die Wiederherstellung des verfassungsmäßigen Parlamentarismus, in wenigen Monaten ohne jede Anwendung von Gewalt erlangt. Zu einem ähnlichen Kampfe rüstet sich heute wieder der Wafd. Die Schnelligkeit des Erfolges wird davon abhängen, ob es ihm gelingt, wiederum womöglich das gesamte Volk hinter seinen Forderungen zu vereinigen. Geistiges Leben. Von Dr. Hugo Bergmann, Jerusalem. Der Schulstreit in Sichron Jakob zu Beginn dieses Jahres, dessen prinzipielle Bedeutung außerhalb Palästinas wenig beachtet worden ist, hat die ganze Absurdität der in der Zionistischen Organisation zurzeit herrschenden Schulverfassung — hie allgemeine zionistische Schulen, hie Schulen der zionistischen Fraktionen — in ein helles Licht gerückt. Der Aufbau unseres Schulsystems ist jetjt folgender: Sämtliche Schulen werden vom Keren Hajessod unterhalten. Aber es gibt im Erziehungs-

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