Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 12 (1929)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Article
- Das Problem des Arbeitslohnes in Palästina
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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die 38.7% des Budgets der Regierung ausmachen, belastet unverhältnismäßig gerade den Kleinhaushalt (ein Beispiel: Auf Zucker liegt ein Zoll von 60 bis 70% vom Warenwert, auf Schmuck dagegen von 15%, auf Parfüm 20%); nach einer Berechnung von D. H. in Nr. 958 des „Dawar" beträgt die Abgabe, die eine drei- bis vierköpfige Familie mit einem Einkommen von £ 6.— zu zahlen hat, 38 Piaster pro Monat*). Dazu kommen städtische Steuern (für zwei Zimmer und Wasser 25 Piaster pro Monat) und sonstige Beiträge (Gewerkschaft, Partei, Krankenkasse usw.); insgesamt läßt sich annehmen, daß bei einem Einkommen von £ 6.— (dem Durchschnittseinkommen eines ungelernten Arbeiters) die Abgaben nicht weniger als 75 bis 100 Piaster betragen, das heißt 12 bis 15% des Einkommens des Arbeiters! Diese unprogressive Belastung trifft den kleinen Arbeiterhaushalt außerordentlich hart, zumal die großen Einkommen nur einen Bruchteil dieses Prozentsatzes zu zahlen haben. Zusammenfassung: Fassen wir die Einzelresultate der vorstehenden Untersuchung zusammen, so kommen wir zu folgenden Resultaten: 1. Der Nominallohn in Palästina ist heute durchschnittlich nicht höher als in Mitteleuropa, den Hauptkonkurrenzländern Palästinas; der Lohnfaktor, an sich in seiner Bedeutung für die palästinensische Industrie überschätzt, kann nicht als Hindernis für die Entwicklung dieser Industrie betrachtet werden gegenüber ihrer technischen und maschinellen Rückständigkeit. 2. Dagegen ist der Reallohn des palästinensischen Arbeiters mindestens um die Hälfte niedriger als der des mitteleuropäischen. Dieser Umstand ist von nicht unbedeutendem Einfluß in Hinsicht auf die Frage der Erweiterung des inneren Marktes der Industrieprodukte, besonders für den Absatz der Textil-, Leder-, Nadel- und Möbelindustrie usw. 3. Die Forderung der Stunde als Lebensfrage des Ausbaues der Industrie im Lande, im Einklang mit der heutigen wissenschaftlichen ökonomischen Erkenntnis, ist die der Erhöhung der Reallöhne, wobei außer acht bleiben soll, inwieweit eine Erhöhung auch der Nominallöhne bei Vervollkommnung und Rationalisierung der Produktionsapparate in Frage kommt. Es scheint, daß die Lage des Arbeiters eine Verbesserung auch der Nominallöhne dringend nötig macht, da die heutigen Löhne vielfach hart an der Grenze des nacktesten Existenzminimums liegen. 4. Die Hebung des Reallohnes ist bei der wichtigsten Lohnkomponente, den Lebensmitteln, nur beschränkt und sicher nicht von heute auf *) Vergleiche den Artikel von David Horowitz: „Die Steuerlast auf den Konsum in Palästina" in vorliegender Nummer.