Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Kali im Toten Meer
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 498 (sequence 3)
- Language
- German
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498 tigen Folgerungen aus den bisherigen Befunden gezogen haben und alte Pläne anderer endlich zur Ausführung bringen wollen. IL Es fragt sich nun, was der Erfolg nach Ausführung des Projektes sein wird, insbesondere, ob die als Haupt kraftquelle gedachte intensive natürliche Verdunstung tatsächlich genügende Mengen Carnaliit usw. erzeugen wird, um der europäischen Kaliindustrie wirksamen Wettbewerb zu bereiten. Daß die Verdunstung dort in der heißen Jahreszeit ungewöhnlich hoch ist, unterliegt keinem Zweifel. Als erster berechnete der württembergische Professor Zech in Stuttgart (Zeitschrift für wissenschaftliche Geographie II, S. 186) in den Sechzigergahren des vorigen Jahrhunderts rein theoretisch, daß dort täglich im Jahre eine Wasserschiente von 13i/2 Millimeter Höhe verdampfen müsse, eine Verdunstung, die in Europa unbekannt war, und 0. Fraas hielt 1868 das für begreif lieh, unter Berücksichtigung der ungewöhnlich tiefen Lage des Sees, der umgebenden hellen Kalkfelsen, der geringen Niederschläge und der trockenen Südwinde. Aber erst direkte Verdunstungsversuche ermöglichen ein sicheres Urteil. Ende 1899 bis Juli 1900 wurde auf Veranlassung von Dr. O. Kersten im unteren Jordantale in Jericho zum erstenmal die Verdunstung mit einem Evaporimeter einfachster Konstruktion gemessen, und zwar von einem dort tätigen deutschen Arbeiter. Die Ergebnisse habe ich 1909 in der Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereines (Studien über das Klima des Jordantales) so ausführlich wie möglich veröffentlicht. Ein gleiches Instrument stellte ich 1905 selbst in der Judenkolonie Melhamije im mitteren Jordantale auf und zwei weitere führte ich auf der Sultansexpedition 1908 bei unserer Umwanderung des Toten Meeres mit, Die in Jericho und Melhamije wurden mit gewöhnlichem Wasser gefüllt. Von den am Ufer des Toten Meeres 1908 beobachteten Ver¬ Salzwasser des Toten Meeres gefüllt; der letztere zeigte nur wenig geringere Mengen des verdunsteten Wassers an als der erstere. dunstungsmessern wurde der eine immer mit Süßwasser, der andere mit dem Nach diesen Messungen schätze ich die Verdunstung am Ufer des Toten Meeres im Jahre 1908 im Mittel des ganzen Jahres auf 10 Millimeter, also beträchtlich weniger als Zech, der 13y2 Millimeter ausgerechnet hatte. III. Dazu kommt nun der böse Uebelstand, daß gerade im Hochsommer, der Hauptarbeitszeit der Verdunstungspfannen und der chemischen Fabrik, die Hitze am Ufer des Toten Meeres abnorm hoch, besonders für Europäer ganz unerträglich wird, ihre Arbeiten fast unmöglich macht und so das Ortsklima, wenn mißachtet, manches Opfer an Gesundheit und Leben fordern wird. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 24—26° C; es ist also um 0.9° noch wärmer als in dem ungesunden Jericho und im ganzen 9° mehr als in Jerusalem. Ende April bis August ist die mittlere Tagestemperatur etwa 30°, jedenfalls mißt man Mittags temper aturen von über 30 bis zu 47° C. Optimisten hoffen, daß man bei den Fabriksanlagen am Toten Meer Tausenden von Arbeitern — wobei man auch an die jüdischen Arbeitslosen denlkt — Beschäftigung verschaffen werde. Ich glaube nicht, daß aus Europa, gar aus Rußland eingewanderte Juden mehr als einen Sommer am Toten Meer aushalten. Nur die eingeborenen Araber können das allenfalls, aber auch diese werden erschlaffen in der ewigen Fieberhitze, wie man das ija an den Einwohnern von Jericho, Mezra auf der Lisanhalbinsel und Ghor es S.afi sieht. Krankheiten (Malaria, Anämie, Dysenterie) werden ihren Einzug halten und viele