Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Kali im Toten Meer
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 497 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2379786-2379867-2379873-2387667--07897-2388002- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
497 Setzung des Toten-Meer-Wassers eingehend erörterte und selbst neueste chemische Analysen in einem zu diesem Zwecke kn Lande selbst eingerichteten Laboratorium aufführte. Die Wasserproiben zu diesen verschiedenen Analysen wurden von allen möglichen Punkten und Tiefen des Toten Meeres entnommen, Nur die Engländer haben sich wenigstens küher mit dieser rein wissenschaftlichen Frage fast gar nicht befaßt. Erst nachdem sie das Land den Türken abgenommen halben, sind «sie mit dem ihnen eigenen praktischen Geschäftssinne sofort und energisch an seine wirtschaftliche Erschließung durch Ausnutzung der vorhandenen Naturschätze herangegangen. Selbst die Frage der praktischen Gewinnung der im Toten Meer nachgewiesenen Salzschätze hat schon vor den Engländern viele Gemüter emstlich beschäftigt. Zuerst machte der französische Chemiker Baiard, der im Jahre 1826 das Brom entdeckte, auf die Möglichkeit der Ausbeutung des Broms des Toten Meeres aufm eriksam und entwarf damals schon einen Plan zum Bau großer Anlagen, und seit der Zeit, das heißt, seit gerade einem Jahrhundert, hat diese technische Frage in französischen und deutschen Chemikerkreisen nicht geruht. Nachdem dann der Wert der früher verachteten Kalisalze als Düngemittel durch Liebig ins rechte Licht gesetzt war, trat man auch ihrer Gewinnung aus dem Wasser des Toten Meeres näher. Schon in alter Zeit bekannt und von den Eingeborenen im kleinen ausgeübt, war die Gewinnung von reinem Kochsalz durch Ausscheidung aus dem Meerwasser in durch Barren abgesperrten Pfannen am Seeufer. Wie dann besonders Elschner im Jahre 1900 nachwies^ kann bei weitergeführter Abdunstung der Lauge ein Doppelsalz aus (viel) Chlormagnesium und (wenig) Chlorkalium, das dem Staßfurter Carnallit nahesteht, niedergeschlagen werden, während die zurückbleibende Endlauge unter anderen Bestandteilen Brommagnesium in Lösung enthält, aus der man ähnlich wie in Staßfurt .bei weiterer Behandlung in gewissen Kolonnenapparaten Rohbrom gewinnen kann. So weit war man also schon zu Anfang dieses» j anrnunderts in der Prüfung der Vorfragen gelangt, Vorschläge und Gutachten zur Anlage einei chemischen Fabrik, sei es aim Nordufer des Sees, sei es (nach Anlage eiues Pumpwerkes und einer Röhrenleitung) in Jerusalem, wurden dann seitdem mehrfach so von demselben Elschner, von dem Handelssachverständigen des deutschen Generalkonsulates in Konstantinopel und von mir ausgearbeitet und interessierten deutschen Kapitalisten unterbreitet. Insbesondere zielten meine damaligen Pläne auf die Errichtung einer oder mehrerer Düngerfabriken, in denen außer dem aus dem Toten-Meer-Wasser zu gewinnenden Carnallit und reinem Chlorkalium und Brom auch Superphosphate hergestellt werden sollten aus den 1894 von mir entdeckten, hochprozentigen Phosphaten auf dem Hochplateau des Ostjordanlandes und dem in erweiterter Verbreitung nachgewiesenen Kreidephosphaten der Wüste Juda. Erst nach dem Weltkriege feierte jenes alte Projekt seine Auferstehung, doch hüten sich die Engländer und die unter ihrem Einfluß stehenden Berichterstatter, der Vorarbeiten früherer und gar deutscher Forscher zu gedenken. Das englisch^p alästinensische Ministerium für Handel und Industrie beauftragte eine Kommission unter dem Major Brock mit neuesten Vorstudien und letzterer berichtete kurz über die Möglichkeit der Gewinnung von Carnallit und daraus weiter von reinem Chlorkalium durch Verdunstung des Toten-Meer-Wassers in auszementierten Tankanlagen in der Nordwestecke des Toten Meeres, drei Kilometer nördlich von Ras Fesohcha. Die umständlichere Bromgewinnung scheint man dagegen zunächst zurückgestellt zu haben. Von einer neuen Entdeckung kann also gar nicht die Rede sein, sondern »ur davon, daß die modern denkenden und tatkräftigen Engländer die rieh-