Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Die Ansiedlung der Koloniearbeiter
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 487 (sequence 6)
- Language
- German
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487 «prüllglich auf eine größere Bebauungsfläche berechnete Wirtschaft mit geringerem Investitionskapital auf einer kleineren Fläche angefangen und in dem Maße, wie Erträgsüberschüsse erzielt werden, sowohl die Zahl der Mitglieder wie auch die in Anbau genommene Fläche sukzessive vergrößert werden. Entschieden anders liegen aber die Dinge bei intensiver Plantagenwirtschaft auf kleinen Flächen unter 10 Dunam. Es ist vom Standpunkte der Betriebskosten oder der Rationalisierung der Wirtschaftsführung aus gesehen gleichgültig, ob man die 10 Dunam auf einmal oder sukzessive im Verlaufe von mehreren Jahren bepflanzt. (Vorausgesetzt natürlich, daß die Wasserversorgung eine allgemeine ist, was bei 10-Dunam-Wirtschaften sowieso der Fall sein muß, und nicht in jeder Plantage separat angelegt wird. Ebenso, daß auch die anderen Arbeiten, wie Verpackung, Transport und Versendung der fertigen Ware durch gemeinsame kooperative Institutionen vorgenommen werden.] Wichtig ist es nur dann, wenn der betreffende Siedler ein Interesse daran hat, den vollen Ertrag seiner Wirtschaft möglichst schnell zu bekommen, um von ihm seinen Lebensunterhalt gänzlich zu bestreiten. Doch dieser Grund fällt in unserer Betrachtung weg, da wir als Voraussetzung annehmen, daß der Siedler gleichzeitig ein Arbeiter in der benachbarten Kolonie ist, der von dem Ertrage seiner Arbeit dortselbst lebt, seine und seiner Familie freie Zeit für die Erweiterung seiner eigenen Wirtschaft verwendet und an dem vollen Ertrag seiner Wirtschaft insofern interessiert ist, als er seinen Beruf als Arbeiter möglichst schnell mit dem eines selbständigen Siedlers tauschen möchte. Es ist klar, daß eine derartige Siedlungsmethode für die Siedlungsfonds eine relative Verbilligung des Siedlungsprozesses bedeutet. Die Errichtung einer 10-Dunam-Wirtschaft Orangen würde sich nach Abzug der für die Arbeitslöhne erforderlichen Summen um 480 Pfund erniedrigen, im ganzen auf 270 Pfund stellen, die noch auf eine Reihe von Jahren verteilt ist. Aber abgesehen von diesem nicht zu unterschätzenden Vorteil, würde diese Methode noch viel Bedeutsameres in sich bergen: Sie würde einerseits die Lösung einer der brennendsten Fragen, die uns heute beschäftigen, herbeiführen, das ist die Frage der Ansiedlung tausender Koloniearbeiterfamilien und mit ihr die Frage der Sicherung jüdischer Arbeit in den Kolonien lösen. Andererseits würde dieser Vorgang eine indirekte Ausnützung. des P r i v a t k a p i t a 1 s, das besonders in diesem' Zweig der palästinensischen Landwirtschaft strömt, zu Zwecken einer nationalen Siedlung in der Orangenzone bedeuten. Die besondere Wichtigkeit aber einer solchen Siedlung für die palästinensische Volkswirtschaft erhellt aus folgenden Ausführungen. III. Die palästinensische Volkswirtschaft wird oft, sogar viel zu oft durch Massenpsychologie beeinflußt. Schon in ihren Anfängen konnte man gar manche, oft schädliche Auswüchse, dieser Erscheinung beobachten: Weinbaufieber, Seidenraupenzuchtfieber usw. In den letzten Jahren der vorwärtsschreitenden Aufbauarbeit wurde auch diese Erscheinung immer häufiger: Tabakfieber, Baufieber, Gründungsfieber, das letztens durch das Orangenbaufieber abgelöst worden ist. Einige Zahlen geben darüber klaren Aufschluß: Die Fläche der Orangenpflanzungen hat betragen: