Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Die Ansiedlung der Koloniearbeiter
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 486 (sequence 5)
- Language
- German
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486 schaftszweige auf einmal anzulegen, und zwar sowohl aus Gründen, die in der Natur der Wirtschaftsbedingungen zu suchen sind, wie auch aus reinen finanziellen Gründen, da das nötige Geld nie zur Zeit und in entsprechender Menge beschafft werden kann. Jedes Jahr, um das sich der endgültige Bau der Wirtschaft verzögert, vergrößert die Mengen des erforderlichen Betriebskapitals und gleichzeitig die allgemeinen Kosten der Wirtschaft Nur so ist es erklärlich, daß wir noch heute Siedlungen der Zionistischen Organisation haben, die noch immer in ihrem bereits sechsten beziehungsweise siebenten Bestandesjahre jährliche Zuschüsse für den Lebensunterhalt der Siedler bekommen. Es sei bei dieser Gelegenheit auch darauf hingewiesen, daß die erste Okkupation der Siedlungsböden meist durch eine größere Anzahl der Siedler in Angriff genommen wird, als es den Bodenbedingungen und dem durch die knappe Budgetierung bedingten Wirtschaftsstand angemessen wäre. Die selbstverständliche Forderung, daß die Siedlerzahl den objektiven Bedingungen der Wirtschaft und nicht umgekehrt die Wirtschaft ständig der Siedlerzahl angepaßt sein soll, wird oft mißachtet. 6) Eine noch größere Rolle spielt die Frage des Betriebskapitals in den intensiven Plantagenwirtschaften. Ihre Ertragsfähigkeit fängt erst (bei den Orangenplantationen) mit dem sechsten Jahre von der Anlage an und erreicht die normale Höhe erst mit dem zehnten. Das zur Anlage und Instandhaltung der Pflanzung nötige Kapital wird zu einem sehr großen Teil als Arbeitslohn während der ersten acht Jahre, also bei auf Selbstarbeit beruhender Plantation seinem Inhalte nach als Betriebskapital verausgabt 7) Besteht nun die Möglichkeit, daß die unbemittelten Siedler ihrerseits sich mit dem Betriebskapital an dem Bau ihrer Wirtschaft beteiligen? Bei dem Typus der individuell gemischten Wirtschaften ist diese Frage kaum positiv zu beantworten. Diese Wirtschaftsform verlangt von dem Siedler eine unaufhörliche Pflege und Arbeitsinvestierung, die sowohl seine wie auch seiner Familie Kräfte vollauf und während des ganzen Jahres in Anspruch nimmt. Außerdem muß der Aufbau einer derartigen Wirtschaft binnen kürzester Zeit beendigt werden. Denn die Voraussetzung für das ökonomische Gelingen dieser Wirtschaftsform ist das gegenseitige Sichergänzen der einzelnen Wirtschaftszweige und die rationelle Ausnützung der vorhandenen Arbeitstiere, verlangt ein Mindestmaß von bearbeitetem Boden. Eine derartige Wirtschaft kann also nicht sukzessiv vergrößert werden, indem man zum Beispiel in einem kleineren Umfange oder mit einzelnen Wirtschaftszweigen anfängt. Zur rationellen Führung einer Milchwirtschaft braucht man ein ganz bestimmtes Maß von Fruchtwirtschaft und diese wieder ist sowohl von der St all wir tschaft (Dünger), wie auch von der verwendeten tierischen Arbeitskraft abhängig. Die Beteiligung des Siedlers am Betriebskapital setzt also bei dieser Wirtschaftsform ein effektives Besitzen und eine Investierung des betreffenden Kapitals voraus, ein Umstand, der bei unseren Siedlern nicht ernstlich erwogen werden kann. Etwas anders sieht die Sache bei kollektiven Wirtschaftsformen aus. Hier kann eine ur- 6) Die letzten Jahre haben eine bemerkenswerte Methodenänderung, die auf Beseitigung dieses Uebelstandes hinzielt, mit sich gebracht. 7) Bei einer Anlage von 10 Dunam Orangenplantation z. B. beträgt der Arbeitslohn (und bei Selbstarbeit des Siedlers das Betriebskapital) 48 Pf., d, h. 65% des gesamten zur Anlage nötigen Kapitals. (75 Pf.. ohne Bodenpreis.)