Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Die Ansiedlung der Koloniearbeiter
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 485 (sequence 4)
- Language
- German
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485 ort festgestellt, alle Vorbereitungen getroffen und alle Beschlüsse und Resolutionen angenommen waren/ Wollte er nicht seine Geldmittel in untätigem Warten aufzehren, so mußte er sich nach einer anderen Geldinvestition umsehen, die er meistens in der Stadt fand. So kam es, daß wir bis jetzt nur ein einziges von der Zionistischen Organisation unternommenes Experiment haben (Kfar-Baruch), das noch zu jung ist, als daß man sein Gelingen oder Mißlingen abschätzen könnte. In sonstigen Fällen, wo das nationale Kapital sich an privater Kolonisation beteiligt (Magdiel, Gederah etc.), handelt es sich meistenteils um sporadische Zuschüsse seitens der nationalen Verwaltung, die mehr den Charakter einer Unterstützung als den der Kooperation tragen. Daher auch der geringe Einfluß der nationalen Institutionen sowohl auf Wirtschaftsform und Wirtschaftsplan, als auch auf Wahrung gewisser sozialer und nationaler Forderungen den Siedlern gegenüber. 5) Ebenso kann der Versuch des Zionist Commonwealth, in Balfouriah eine Siedlung auf der Grundlage der Beteiligung der Siedler zu gründen, als nur zum kleinen Teile als gelungen betrachtet werden. Was Zionist Commonwealth anfangs den Siedlern aus ihren Mitteln versagt hatte, mußte aus anderen Quellen beigestellt („Anleihen" der Zionistischen Organisation an die Siedler) oder auch von der Z. C. nachträglich getragen werden. Die chassidischen Kolonien, die ursprünglich als Siedlungen Bemittelter gedacht waren, mußten nach einer kurzen Selbständigkeitsperiode vollständig auf Rechnung des zionistischen Budgets übernommen werden. Eine Beteiligung der Siedler erwies sich also, bis auf einige Ausnahmen, vorläufig als undurchführbar. Und doch ist die Lösung dieses Problems von fast entscheidender Bedeutung für unser ganzes Kolonisationswerk. Sie würde eine teilweise Entlastung der Siedlungsfonds, also für die Zionistische Organisation eine relative Verbilligung der Siedlungskosten bedeuten, sie würde die Verantwortlichkeit des Siedlers noch mehr steigern und die Sicherheit der dem. Siedler von den Siedlungsfonds gewährten Anleihen festigen. Als weitere Folge wäre auch die Möglichkeit einer erweiterten Siedlungstätigkeit zu verzeichnen. Nun ist aber, wie oben ausgeführt, das für die Siedlung in Frage kommende Element fast ausnahmslos mittellos, und verfügt über nichts als seine Arbeit. Es muß also diese als der Beteiligungsfonds des Siedlers verwendet werden. Die Siedlungskosten bestehen aus zwei hauptsächlichsten Posten, die bis jetzt ausnahmslos von der Zionistischen Organisation getragen wurden: 1. Die Kosten für die Anschaffung des Inventars, Gebäude etc. und 2. die Lebensunterhaltskosten bis zur Ertragsfähigkeit der Wirtschaft, das heißt Investmentkosten und Betriebskapital. Theoretisch ist die Höhe des letzteren nicht schwer feststellbar. Wo normale Bedingungen herrschen, der Boden und die Wirtschaftszweige bald ertragsfähig sind, beläuft sich die Höhe des Betriebskapitals auf die Kosten für Samen, Futtermittel für das Inventar und die Ausgaben für den Lebensunterhalt des Siedlers für das erste Jahr. In der Praxis aber übersteigt die wirkliche Höhe des nötigen Betriebskapitals bei weitem dieses theoretische Minimum.. Erstens reicht in Palästina der Bodenertrag der ersten Jahre fast nie zur vollkommenen Ernährung von Mann und Tier. Zweitens besteht nie die Möglichkeit, alle ertragsfähigen Wirt- 5) So konnte man z. B. bei den neuen Siedlern in Gederah die Forderung jüdischer Arbeit nur »theoretisch« durchsetzen.