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Palästina · 1928-11-01 · Heft 11-12 (November 1928) · p. Seite 484

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 11-12 (November 1928)
Article
Die Ansiedlung der Koloniearbeiter
Date
1928-11-01
Page
Seite 484 (sequence 3)
Language
German
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484 sind, wie an einer anderen Stelle bereits ausgeführt worden ist, 4) eine besonders ansiedlungshungrige Reserve. Sie leben unter den schwersten Lebens- und Arbeitsbedingungen und werden nur dann in den Kolonien standhalten können, wenn sie in absehbarer Zeit angesiedelt werden. (Die Kolonisation kann nach und nach stufenweise erfolgen.) Nur unter dieser Bedingung kann der Arbeiter bodenständig werden, und mit dem arabischen Häusler den Konkurrenzkampf aufnehmen, und nur dann kann durch seinen wachsenden sozialen Einfluß in der Kolonie das Problem der jüdischen Arbeit günstig gelöst werden. Dies gilt sowohl für die alten, bereits seit langem bestehenden jüdischen Kolonien wie auch in einem noch größerem Maße für die neu angelegten Orangenplantationen, Eine doppelte Pflicht hat also hier die Zionistische Organisation zu erfüllen: Den für die Zukunft des Landes so wichtigen und vielleicht ausschlaggebenden, rentablen Zweig der Land- und Volkswirtschaft in die eigene Ansiedlungspolitik einzuschließen und durch Schaffung eines ergebenen und national disziplinierten Siedlerelements der wilden", nationale und wirtschaftliche Gefahren in sich bergenden Privatkolonisation ein Gegengewicht zu schaffen. Auf diese Aufgabe zionistischer Faktoren wollen wir in weiterer Folge noch einmal zurückkommen. IL Es ist nicht einfach, bei der heutigen Lage der Dinge von der Zionistischen Organisation eine Wiederaufnahme ^der Kolonisationstätigkeit zu verlangen. Wir sind an einem Punkte angelangt, wo jeder noch so berechtigte und wichtige Vorschlag in dieser Richtung an einem unumstößlichen Hindernis abprellt, an den Regeln der Arithmetik, die leider auch in bezug auf das zionistische Budget ihre Geltung bewahren. Man muß annehmen, daß jede Zionistische Exekutive, wie immer sie zusammengesetzt sein mag, sich jeder kolonisatorischen Tätigkeit wird enthalten müssen, solange die bestehenden Wirtschaften ihre finanzielle Unabhängigkeit von der Zionistischen Organisation noch nicht erreicht haben und außerdem die Mittel zu einer Neukolonisation herbeigeschafft sind. Und es ist sogar für die Optimisten klar, daß dies ebensowenig in diesem wie auch im nächsten Jahre erreicht werden kann. Die Ansiedlung der Koloniearbeiter wird also nur dann möglich sein, wenn dafür, in den nächsten Jahren wenigstens, eine besondere Geldquelle erschlossen wird und auf diese Weise an die finanzielle Leistungsfähigkeit der Zionistischen Organisation keine oder nur die allerkleinsten Ansprüche gestellt werden würden. Diese Geldquelle muß der Siedler selbst beistellen. Das Problem der Beteiligung des Siedlers an den Siedlungskosten taucht in Palästina immer von neuem auf. Eine praktische Lösung indes hat man bis jetzt nicht gefunden. Daß Siedler in den nationalen Siedlungen eigenes Geld zur Verfügung haben, ist nur ein Ausnahmsfall. Die Versuche, eine Kolonie aus dem Mittelstande zu organisieren, scheiterten immer wieder. Wer genügend Geld hatte, strebte danach, auf eigene Faust in der Nähe der Stadt oder in einer Kolonie irgendwie Fuß zu fassen. Wer nur ungenügende Mittel zur Verfügung hatte, konnte nicht warten, bis die Organisation der Siedler beendet wurde, der Ansiedlungs- 4) Siehe Palästina Nr, 1/2: Das Problem der jüdischen Arbeit in den alten Kolonien von demselben Verfasser.

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