Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Randbemerkungen zum Blaubuch
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 481 (sequence 9)
- Language
- German
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481 Gefahren des Privateigentums dienen. Das ist aber der Sinn des Vorschlages der Agency Commission, Ich habe in Berlin den Einwand gehört, ein von den »Fesseln« des KKL. freier Landfonds, der Boden kaufen und verkaufen kann, sei nötig, um manchmal durch Veräußerung von Land preisdrückend und -regelnd zu wirken. Das ist eine wirklichkeitsentrückte Konstruktion. Es gibt keinen Markt in Palästina für derartige Transaktionen. Man frage die »ungefesselte« Pica, ob sie je derartiges riskiert hat. Man sagt ferner, bei Bodenverkauf zu Eigentum kommt das Landkapital zurück und ermöglicht neue Käufe. Die »Zirkulation« des Kapitals ist gleichfalls sehr fraglich. Wirkliche Ansiedler werden ihren Boden erst in Jahrzehnten abzahlen können, will man ihre Wirtschaft nicht unökonomisch belasten (in Durham sind es 34Vo Jahre). Bei einer Bodenernte von lVo bis 2%, mit Neuschätzung des Bodenwertes einmal in 20 bis 25 Jahren, bekommt der KKL. das Bodenkapital gleichfalls in zirka 40 Jahren wieder, wenn auch ohne Zinsen. Bodenkäufer, die bar kaufen oder in kurzer Zeit abzahlen können, brauchen keinen Landfonds neben dem KKL-, sondern eine Bodenerwerbsgesellschaft mit angemessenem Betriebskapital wie die PLDC. es sein sollte. 11. Zum Schluß sei noch ein Punkt berührt, der weder in den Vorschlägen der Agency-Kommission, noch in den Resolutionen des Aktions- Komitees formuliert ist. Ich meine das Verhältnis der Kolonisations-, organe zu den Ansiedlern. Es ist ein Thema, das die Gedankengänge der Experten wesentlich beeinflußt. Sie sind sicherlich unzufrieden mit dem Geiste der Demokratie, des Einvernehmens und Kooperation, der in der zionistischen Kolonisations-Verwaltung bisher geherrscht hat. Ihnen schwebt ein starreres, administratives Regime vor. Ansiedler, die zu viel denken und diskutieren, sind ihnen unsympathisch; die Entscheidungen der »zuständigen Stellen« sollten am wenigsten von ihren Wünschen beeinflußt werden. Es wäre verlockend, nachzuweisen, wie anders dieselben Experten in ihrem eigenen Wirkungskreise denken und handeln, wie sehr sie anderwärts die Mitverantwortung der Siedler zu schätzen und zu fördern wissen. Ich will mich mit einem Zitat von M e a d (Helping men etc. p, 203] begnügen: »There is a mistaken belief, that waste and inefficiency are inseparable from self-government; that it is a price we must pay for political freedom. . .« Es ist schade, daß bei Beurteilung der zionistischen Verwaltung und der Selbstverwaltungsideen der jüdischen Arbeiterschaft Prof. Mead denselben Vorurteilen verfallen ist, die er bei seinen Landsleuten so scharf tadelt. Ich habe im Laufe meiner Ausführungen keine psychologischen Argumente gebraucht. Aber Verwaltung und Kolonisation sind in hohem Maße Menschenführung. Diese ist ohne Kenntnis der Psychologie der Geführten unmöglich. Jüdische Kolonisation ist als Obrigkeitsverwaltung nicht möglich ohne Schaden für die Sache. Alle Versuche, jüdische Siedler als Untertanen von oben zu kommandieren, sie administrativ zu leiten, werden scheitern. Nur bei einem Verhältnis gemeinsamer Verantwortung, bei copartnership zwischen Siedlungsinstanzen und Siedlern, kann jüdische Ansiedlung gedeihen. Die Aufgabe ist nicht leicht, niemand weiß es besser als diejenigen unter uns, die mit dieser Verantwortung belastet waren. »Ach, schwer bist du, der Hut des Monomachen,« Jedoch gibt