Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Randbemerkungen zum Blaubuch
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 479 (sequence 7)
- Language
- German
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479 nicht nur dem Bedürfnis angepaßt, höhere Erträge zu erzielen und arbeitsparende Maschinen einzuführen, sondern auch der Aufgabe, einen Betrieb zu schaffen, der mit den Arbeitskräften einer Familie bestehen kann. Diese Zahlen beweisen, daß dies möglich ist, ohne den Fortschritt und die Rentabilität der Wirtschaft zu mindern. Im Gegenteil, dieselben Berechnungen beweisen, daß jüdische Lohnarbeit die im Kleinbetriebe mögliche Rentabilität illusorisch machen würde. Die Zahlen vonWilkansky bestätigen für Palästina, was die landwirtschaftliche Statistik in bezug auf die Bauernwirtschaften in Europa sagt. Danach ist die Zahl der ständigen Arbeitskräfte (in männliche umgerechnet) in einem Betrieb von 100 Dunam: in England 1.15, Deutschland 1.55, Dänemark 1.4. Sobald die Kinder heranwachsen, wird der Moschaw demnach kein Problem der Saisonarbeit haben. Uebrigens, wie stellen sich unsere Kritiker die bäuerliche Wirtschaft in einem Lande ohne landlose Landarbeiter oder landarme Zwergbauern vor? Kann sie dann überhaupt nicht mehr bestehen? Sie kann und wird, und die landwirtschaftliche Technik und Agrarverfassung werden sich den Bedürfnissen freier bäuerlicher Wirtschaften anzupassen haben. 8. Kwuzah wie Moschaw sind in mancher Hinsicht neue, wenig erprobte Betriebsformen. Sie tragen in sich Elemente sozialer Neugestaltung. Trotzdem ist Prof. Meads Annahme gänzlich falsch, daß in den zionistischen Siedlungen ,,success in settlement is in many instances being subordinated to the creation of a new economic and social order, with a strong antagonism to Capital". (Rep. p. 46.) Das Streben nach sozialer Erneuerung ist bei einem großen Teil unserer Ansiedler gewiß ein Bestandteil ihres zionistischen Glaubens. Aber die verantwortlichen Leiter, auf die es ankommt, haben sich nie der Illusion hingegeben, daß ohne dauernden wirtschaftlichen Erfolg irgend eine Siedlungsform, alt oder neu, Bestand haben kann. Die technischen wie sozial-ökonomischen Maßnahmen waren stets den wohlverstandenen Zielen der nationalen Kolonisation subordiniert. Eines der wirksamsten Mittel dazu ist das nationale Bodeneigentum, und auf diesem Prinzip beruht der Nationalfonds. Diesmal ist es wirklich ein »importierter« Grundsatz, den Erfahrungen vor allem englischer Kolonisation in mehreren Staaten von Australien, in Neuseeland und in Großbritannien selbst entnommen. Der Widerspruch der Agency Commission gegen die Dauerpacht auf nationalem' Boden, das Bestehen auf dem Privateigentum am Grund und Boden hat daher allgemeines Befremden erregt. 9. Bodeneigentum oder Bodenpacht, so lautet ein Kapitel im Bericht einer englischen Parlamentskommission (Departmental Committee on settlement for sailors and soldiers. Final Report. Part. ICd. 8182, 1916). Die Kommission hat die Methoden der inneren Kommission in England (Small Holdings Act) neu geprüft und ist zu dem endgültigen Schlüsse gekommen, »daß ... sowohl vom Standpunkt des Staates wie des Kleinsiedlers das System der Pacht dem des Eigentums vorzuziehen ist«. Es ist gut, ihre Gründe kurz zu rekapitulieren: a) Nationale Aufsicht über die zweckmäßige Bewirtschaftung des Bodens ist unter Privateigentum unmöglich; b) Freies Eigentum verleitet zum Verkauf der Farrn^ zwecks Gewinns und Spekulation. Güter, im Eigentum vererben sich viel weniger in derselben Familie und werden viel häufiger aufgesogen als Güter in Pacht, c) Die Dauerpacht ermöglicht elastische Anpassung der Fläche an den wechselnden Stand der Familie, d) Natio-