Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1928)
- Article
- Randbemerkungen zum Blaubuch
- Date
- 1928-11-01
- Page
- Seite 476 (sequence 4)
- Language
- German
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476 kollektivistischen Bauernschädel gibt. Viele Landarbeiter ziehen es yor, in einer Kwuzah zu leben, weil die Teilnahme an der Leitung eines großen Betriebes ihrem Tätigkeitsdrang mehr entspricht, als der Besitz einer kleinen Bauernwirtschaft. Andere wiederum ziehen vor, »Geleitete« zu sein, weil, um mit Mead zu sprechen, »some of the most efficient and skilful workers prefer to work... without assuming the risks and resporisibilities of farm ownership and management«. (Rep. Mead p. 62.) Man operiert häufig mit dem Argument, daß zahlreiche Moschawansiedier, und gewiß nicht die schlechtesten, von der Kwuzah kommen. Richtig, hat aber diese Medaille nicht auch eine andere Seite? In der Tat, woher werden wir gute Bauern für Moschawim oder andere Siedlungsformen finden, wenn die Kwuzah liquidiert? Man sucht vergeblich eine Antwort auf diese fundamentale Frage bei den Experten. Sie sind so sehr von dem absurden Vorurteil beherrscht, daß unter dem Einfluß der Arbeiterschaft eine »policy which discriminates against the settler wich small capital« (Mead p. 55) bestanden habe, daß sie anscheinend alles Heil von der Beseitigung dieses Einflusses erwarten, Da werden geeignete Bewerber mit Eigenkapital schon kommen! Wir aber wissen die Wahrheit, daß es eine solche Politik der Eliminierung des Mittelstandes in der zionistischen Leitung niemals gegeben hat und daß die Tatsachen, die yor 17 Jahren zur Entstehung der Kwuzoth führten, auch heute unverändert bestehen. Darum kann die zionistische Bewegung auf diese Siedlungsmethode nicht verzichten, solange ihre wirtschaftliche Unhaltbarkeit nicht erwiesen ist. 5. Es ist nicht meine Absicht, in diesem Rahmen Detailfragen zu berühren. Ich muß jedoch gegen widerspruchsvolle und unpraktische Empfehlungen warnen. Dieser Art sind die Vorschläge, die Gebäude in den Kwuzoth so anzulegen, daß sie auch im Falle der Umwandlung in einen Moschaw brauchbar sein würden. Schon zur Zeit meiner Amtsführung wurden nur im Jordantale aus klimatischen Gründen zweistöckige Häuser mit 8 und 10 Zimmern gebaut.- Sonst sind die Wohnhäuser in den Kwuzoth 6- oder 4 zimmrig und derart angelegt, daß sie in zwei oder drei Doppelzimmerwohnungen geteilt werden können. Ich habe es im Einvernehmen mit den Siedlern durchgeführt. Auch in Griechenland wohnen wenigstens zwei, häufig vier bis sechs Familien in einem Hause. Dem Bedürfnis nach ruhiger Abgeschlossenheit ist also in unseren Plänen Rechnung getragen. Dagegen ist es ausgeschlossen, einen Großbetrieb mit Wirtschaftsbauten auszustatten, die für einen Moschaw passen. Nichts ist verhängnisvoller in der Siedlungspolitik — ich glaube in jeder Politik —- wie Zweideutigkeit. Man kann die Kwuzah nicht ausbauen und ihre Erfolgchancen sichern, wenn man an sie mit Hintergedanken, mit dem »Dolch im Gewände«, herantritt. Es muß ein »reiner Versuch« sein, ehrlich geplant und durchgeführt. Die Kwuzah muß ganz bejaht werden, es sei denn, daß der Mißerfolg der meisten genossenschaftlichen Betriebe die Fortführung des Versuches verbietet. Ebenso undurchführbar, ein Engländer würde impracticable sagen, ist die Anregung, die jüngsten im Jahre 1927 angesetzten Kwuzoth in Moschawim umzuwandeln. Ich spreche schon nicht von der innerzionistischen Unmöglichkeit, angesichts der Basler Enunziationen. Gerade diese Kwuzoth bestehen neben einem Kern von erfahrenen Landarbeitern wesentlich aus Koloniearbeitern, die zwar wenigstens drei Jahre im Lande und zwei Jahre bei der Landarbeit sein mußten, um vom Kolonisations-Depart-