Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Der Bericht der Untersuchungskommission (Joint Palestine Survey Commission) für die Jewish Agency
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 407 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2379786-2379867-2379872-2387004--07460-2387426- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
407 des Problem«, dem man dort gegenüberstand, gebührend betonen. Die ungewisse Position Palästinas bei Abschluß des Krieges, die dort herrschende politische Unruhe, gaben schon an sich Anlaß genug, um sowohl der Regierung als auch allen kolonisierenden Instanzen ein vorsichtiges Vorgehen anzuraten. Bis 1920 wurde Palästina als ein militärisches Okkupationsland regiert. Im Juli 1920 wurde unter einem britischen High Commi&sioner eine zivile Verwaltung eingesetzt, es vergingen weitere zwei Jahre, bevor der Status Palästinas dtirch die Bestätigung der Bestimmungen des Mandates durch den Rat des Völkerbundes geregelt worden ist- Während dieser Zeit wurde Palästina durch eine politische Agitation, die in den Jaffa-Tumulten vom Mai 1921 gipfelte, in Unruhe gehalten. Von da an aber kam keine Störung des öffentlichen Friedens vor und die gespannte Stimmung löste sich allmählich. Die antizionistische Agitation unter den Arabern hat praktisch aufgehört, zum großen Teile darum, weil sie sich darüber klar geworden waren, daß eine jüdische Immigration, weit entfernt davon, ihnen Schaden zuzufügen, in vieler Hinsicht ihnen zu wesentlichem Vorteil gereicht hat. Nichtsdestoweniger sollte man, wenn man die in Palästina geleistete Arbeit einer Schätzung unterzieht, dessen eingedenk sein, daß es sich um ein Land handelt, in dem die große Mehrzahl der Einwohner nicht jüdisch ist. Es handelt sich ferner um ein Land, das nicht nur an den Folgen einer Jahrhunderte währenden Vernachlässigung litt. Es war nicht ohne natürliche Hilfsquellen, aber es war wenig oder nichts mit ihnen angefangen worden; zu ihrer Entwicklung brauchte es nun wieder Zeit und Geld. Angesichts der Lage, in der sich Palästina bei Beendigung des Krieges befand, war es kein vielversprechendes Gebiet für Kolonisation, auch wenn seine Fläche ausgedehnter und «ein Boden fruchtbarer gewesen wäre. In vielfachen und wichtigen Hinsichten stand die Zionistische Organisation einem ungewöhnlichen Problem gegenüber. Die Zionistische Organisation ermangelte die Regierungsbefugnisse. Sie besaß nicht die Land- und Geld-Hilfsquellen einer Regierung. Sie stützte sich auf freiwillige Beiträge. Daß sie immerhin in der Lage war, ihrem Werke einen Fonds von durchschnittlich 650.000 Pfund jährlich zu sichern, ist ein schlagendes Zeugnis für die Hingabe und die Begeisterung ihrer Anhänger an dieses Werk. Die meisten der Einwanderer hatten wenig oder gar keine landwirtschaftliche Erfahrung. Die meisten kamen aus Ländern, in denen die gesamten Lebensbedingungen von den in Palästina vorherrschenden unterschieden waren. Sie waren aber von einem erhabenen Ideal durchdrungen. Wenn man alle diese Erwägungen gebührend in Betracht zieht, so muß ein Ueberblick über die jüdischen Tätigkeiten in Palästina seit Beendigung des Kriegs zu dem allgemeinen Schluß führen, daß die Ergebnisse als hoffnungsvoll für die Zukunft angesehen werden können, mögen auch im Verlaufe der Jahre Fehler begangen worden sein. Gestützt auf die Berichte der Experten und auf ihre eigenen persönlichen Beobachtungen, sind die Kommissionsmitglieder zu den folgenden Schlüssen gekommen und sie machten die folgenden Vorschläge: 2. Einwanderung, 1. Das Immigrations-Programm der Palestine Zionist Exekutive hat nicht immer die aktuellen Tatsachen und Verhältnisse in angemessener Weise berücksichtigt. Schlüsse allzu sanguinischen Charakters wurden zuweilen unter zeitweiligen und abnormen Arbeitsbedingungen gezogen, als noch nicht genügend Grund zur Annahme vorhanden war, daß diese Bedingungen von Dauer sein werden. Während es einerseits unerwünscht ist, nach Palästina so viele Immigranten zu bringen, als es absorbieren kann, ist es andererseits klar, daß auf die Dauer jüdischen Interessen am besten durch ein Programm gedient ist, nach welchem immer eine vernünftige Balance zwischen der Zahl der Immigranten und den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Landes gehalten wird.