Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Der Bericht der Untersuchungskommission (Joint Palestine Survey Commission) für die Jewish Agency
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 398 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379867-2379872-2387004--07451-2387417- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
398 In der Kwuzah treten allmählich persönliche Antipathien zutage und die Umstände lassen schließlich einen anderen Ausweg als den Austritt aus der Kwuzah nicht zu» Der Zwang, die Erlaubnis der Kwuzah-Leitung zu erlangen, um Verwandte in die Siedlung zu bringen, wird als lästig empfunden. Die Frauen haben gewöhnlich eine Abneigung gegen die kommunistische Lebensform. Die Männer werden daher zur Erreichung eines Heimes gedrängt, in dem mehr privates Leben und größere persönliche Freiheit möglich sind. Wirtschaftlich führt im allgemeinen die Belastung der Gemeinschaft mit unfleißigen oder unfähigen Elementen zu Ressentiments. Der Tüchtige gerät in Versuchung, seine eigenen Leistungen herabzumindern. Manche haben eine Abneigung gegen irgend eine Begrenzung der Arbeitszeit* Individualistische Betriebe bergen in sich mehr Antriebe zu Fleiß und Wirtschaftlichkeit. Sie lassen der Familie mehr Freiheit, wie sie ihre wirtschaftlichen Maßnahmen für das Jahr treffen und die Tagesaufgaben lösen will. Die Mannigfaltigkeit der Arbeit, die Anforderungen an die Urteilskraft hinsichtlich der Zeit für den Beginn des Pflanzens und die Auswahl der Arten, unterscheiden die Landwirtschaft von industrieller Tätigkeit, wo sich dieselben Handgriffe Tag für Tag wiederholen. Der Unterschied zwischen guten und schlechten Landwirten ist viel größer als der Unterschied zwischen guten und schlechten Fabriksarbeitern. Wo eine jede Familie ihre eigene Siedlung bearbeitet, bietet der Erwerb des Lebensunterhaltes den nötigen Antrieb zu Ueberlegung und Leistung und ermöglicht zuverlässige Befähigungsproben. Alle diese Ueberlegungen sind gewichtig und gesund. Die Logik der Ereignisse scheint für den Moschaw zu sprechen; die Kwuzah —- trotz entschiedener offizieller Unterstützung — weicht allmählich vor dem Moschaw zurück. In der Konkurrenz zwischen diesen beiden Siedlungsformen muß der Moschaw zweifellos gewinnen und schon jetzt gewinnt er schnell an Feld. Die Unbeständigkeit in dem Mitgliederbestande, das dauernde Kommen und Gehen in vielen Kwuzoth — alles dies spricht gegen die Aufrechterhaltung des Systems. Kolonisationsmethoden, Die Rückzahlung der Vorschüsse ist der schwierige Punkt bei allen Kolonisationssystemen. Im allgemeinen kann man gerade bei einer Massenkolonisation keinen starken Druck ausüben. Letzten Endes würde dieser auf Subhastation, d. h. Wiederverjagung der Angesiedelten, ausgehen. Es hängt alles von der Psychologie der Siedler ab. Er muß wissen, daß er zurückzuzahlen hat und mit allen möglichen Mitteln dazu gezwungen werden wird. Diesbezüglich waren die bisher angewendeten Methoden bei den zionistischen Kolonien nicht zufriedenstellend. Die Verträge mit den Siedlern wurden noch nicht geschlossen und dritten Parteien wurde erlaubt, in Unterhandlungen mit der Exekutive über die RückZahlungsbedingungen einzutreten (gemeint ist die Arbeiterorganisation. — Anm. d. Red.) In den Kolonien wird die Exekutive nicht als die Körperschaft angesehen, welche die Kolonisation leitet. Diese Funktion lag in weitem Maße in den Händen der landwirtschaftlichen Arbeiterorganisation. Die Exekutive hat oft deren Entscheidungen bloß zur Kenntnis genommen. Das; war keine für die Unterzeichnung der Verträge oder für die Forderung jener Maßnahmen, welche die Rückzahlung sichern sollen, günstige Lage. Verwendung von Lohnarbeitern. Das Axiom in den jüdischen Siedlungen ist, daß keine Lohnarbeit verwendet, sondern alle Arbeit vom Siedler und seiner Familie geleistet werden solL Wenn der Kolonist krank ist, wird seine Farm von dem Nachbar betreut. Meistens ist aber die Arbeit nicht von dem Siedler mit Familie zu bewältigen. Er läßt daher weitere Verwandte kommen. Die Arbeitsmenge ist aber in den einzelnen Jahreszeiten verschieden groß. In der ganzen Weltmuß -man^zu i^ewissen kurzen Zeiten Lohnarbeit heranziehen. .Eni- Vieiiioiid^sg^aa^^cQmii^ -^eitisr .Ifeter--