Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Der Bericht der Untersuchungskommission (Joint Palestine Survey Commission) für die Jewish Agency
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 397 (sequence 8)
- Language
- German
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397 Die Zucht von Tafeltrauben ist noch im Versuchsstadium. Mandeln haben gute Aussichten, insbesondere, wenn bessere Sorten gepflanzt werden sollten. Was Feigen betrifft, so sollten gleichfalls bessere Sorten gezogen werden. Bananen leiden sehr unter Nematoden. Wo Windschutz möglich ist, kann die Rentabilität bei gewissen Sorten (Cavendish, Canarische) als erwiesen gelten. D a 11 e 1 n versprechen im Jordäntale und bei Jericho gute Erfolge» Ob Oliven rentabel sind, ist noch immer zweifelhaft. Obst wird in guten Sorten in den hügeligen Distrikten gezogen, doch ist eine Ausdehnung der Pflanzurgen nicht möglich wegen der Schwäche des Bodens, der hohen Kosten der Terrassierung und der mangelnden Bewässerung. In der Küstenebene finden sich zwar ausgezeichnet bewässerte Pflaumenbäume, aber diese Böden geben bei Citruspflanzung mehr Ertrag. Im Emek sind die Böden nicht geeignet, es ist nicht genug Bewässerung vorhanden, es gibt trockene Winde im Frühling, sodaß erst erwiesen werden muß, daß rentabler Obstbau hier möglich ist. Die Zucht von Melonen ist ein sehr wichtiger Produktionszweig. Sie wurden nur von Arabern in der Küstenebene gezogen, Die bewässerten Böden wären abei meist für Orangen brauchbar. Nur dort, wo nicht genügend Wasser für Obstbau vorhanden ist, wäre Melonenzucht für den jüdischen Farmer profitabel. Hierüber müßten noch eingehende Studien angestellt werden. Der Granatapfel ist ein althergebrachtes Produkt Palästinas, wird fast nur von Arabern gezogen. Er braucht geringe Pflege, ist fast frei von Krankheiten und hat in Aegypten einen guten Markt. Gemüse. Das Klima der Küstenebene und des Jordantales ist für Wintergemüse geeignet. Besonders gut haben sich Versuche mit Blumenkohl erwiesen. Für Baumwolle ist der Boden vielfach geeignet, doch ist es nötig, billige Arbeit dafür zu beschaffen. In Tabak müßten Standardqualitäten gebogen werden, um Absatzmärkte zu gewinnen. Die Siedlungsformen. Diesbezüglich hat der Bericht und haben die aus ihm gezogenen „Schluß- . folgerungen" in der Zionistischen Organisation sehr heftige Kontroversen ausgelöst, da sie sich gegen die Kwuzah (Genossenschaften) aussprachen. Wir bringen daher mit Weglassung der von uns schon wiederholt mitgeteilten Ziffern und Daten diesen Teil des Berichtes ausführlich. Die relativen Vorzüge der verschiedenen Siedlungstypen bilden eine wichtige und gleichzeitig sehr schwierige Frage. Von einem rein wirtschaftlichen Standpunkte aus liegen noch nicht genügend Daten vor, um bestimmen zu kennen, welche von den neuen Siedlungstypen imstande sein wird, sich selbst zu erhalten. Es ist keine Frage, daß der K w u z a h -Typ (im ersten Stadium) die nach dieser Methode organisierten Kolonisten in den Stand setzte, in kooperativer Arbeit Resultate zu erreichen, die bei individueller Initiative nur mit größeren Schwierigkeiten hätten erzielt werden können. Nichts ist bei der Kwuzah charakteristischer, als der Geist der Hingabe an ein Ideal, das ihre Mitglieder bewegte. Es bleibt eine offene Frage, ob ohne diesen Idealismus gleiche Resultate hätten erzielt werden können. Man hat einen ergebnislosen Versuch gemacht, an die Frage von einem statistischen Standpunkte heranzugehen. Leider lassen die vorliegenden Ziffern keine ganz endgültigen Schlußfolgerungen zu, wenn man alle wesentlichen Umstände in Betracht zieht. Soweit die Ziffern etwas aussagen, scheinen sie die Vermutung nahezulegen, daß der Moschaw ein wirtschaftlich brauchbareres Instrument ist als die Kwuzah. Jedoch ist auf diese Schlußfolgerung aus den verschiedenartigsten Gründen wenig Verlaß. Es muß Eindruck machen, daß nüchterne und überlegende Männer mit langjähriger Erfahrung sehr fest daran glauben, daß die Organisation der Kwuzah fraglos die beste ist. Es ist evident, daß Menschen dieses Typs schlecht in irgend eine andere Form der Siedlung hineinpassen würden. Die Zahl dieser Menschen ist nicht groß, aber zweifellos sind sie vorhanden. Trotz alledem liegt es auf der Hand, daß mit dem System der Kwuzah ernste wirtschaftliche und psychologische Schwierigkeiten verknüpft sind.