Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Das neue Stadium der Jewish-Agency-Frage
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 387 (sequence 4)
- Language
- German
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387; Unwillen aufgenommen: Erstens die Erklärung, man müsse den Kolonisten ermöglichen, wirkliche Landbesitzer zu werden, d. h. also, man solle mit dem Prinzip der Erbpacht auf Boden des Jüdischen Nationalfonds brechen; zweitens die Empfehlung, keine neuen Kwuzoth zu gründen und die im letzten Jahre begonnenen entweder in Maschawim umzuwandeln oder aber als Ausbildungsstätten zu betrachten, während die früher gegründeten Kwuzoth wirtschaftlieh konsolidiert werden sollen. Der dritte Widerspruch erzeugende Punkt ist die Forderung der Kommission, mit der strengen Durchführung des Prinzipes der Selbstarbeit in den jüdischen Siedlungen zu brechen und statt dessen zum Schutze des Arbeiters vor Ausbeutung einen Minimallohn festzusetzen. Außer diesen drei Punkten wurden natürlich von verschiedenen Seiten noch mehr Einwände erhoben. Der Grundsatz einer vorsichtigen Immigrations- und wirtschaftlichen Konsolidierungspolitik vor weiterer Ausdehnung wurde angefochten, obwohl der letzte Zionistenkongreß dieselben Grundsätze akzeptiert hat. Das Verlangen nach Abschluß von Verträgen zwischen Siedlern und Kolonisations- Instanz ohne Teilnahme einer dritten Stelle wurde von der Arbeiterschaft, die die Beteiligung der Genossenschaft ,,Nir" an -den Verträgen fordert, lebhaft bekämpft. In weiten zionistischen Kreisen empfand man auch die Festsetzung eires Jahresbudgets von einer Million Pfund als zu niedrig. So kam es, daß der Bericht der Kommission, der von der Außenwelt als ein ungeheurer Sieg des Zionismus empfunden wurde; da frühere Antizionisten hier für die zionistische These eines Nationalheimes in Palästina eintreten — im zionistischen Lager selbst als eine Art Attacke auf den Geist des Zionismus empfunden wurde. Die Gegnerschaft wurde durch eine gewisse Unklarheit des Denkens gefördert; denn statt den Bericht der Kommission in seiner wahren Funktion zu begreifen, verwechselte man die Kommission mit der zukünftigen erweiterten Jewish Agency und war der Auffassung, die nichtzionistischen Agency-Mitglieder hätten hier eine Art Ultimatum an den Zionismus gestellt, um dessen Annahme sie ihr Palästina-Interesse abhängig machen. Vielleicht war es noch mehr das vei letzte Selbstgefühl und Prestige, als wirkliche sachliche Meinungsverschiedenheit; denn es ist eine Tatsache, daß die von der Kommission aufgestellten Forderungen durchaus auch innerhalb der Zionistischen Organisation seit Jahren vertreten werden. Ein Teil der zionistischen Presse, besonders die der Arbeiterparteien, wandte sich mit Entschiedenheit gegen eine Annahme des Berichtes. Die Zionistische Opposition, besonders die Radikalen, die stets die erbittertsten Feinde der Agency waren, hofften nun auf eine Unterstützung durch die Linke. In dieser Situation trat das Zionistische Aktionskomitee Mitte Juli in Berlin zusammen. Es war nicht anders zu erwarten, als daß hier zunächst die Gegensätze aufeinanderplatzen. Aber nach mehrtägigen Verhandlungen zeigte sich, daß ein Ausweg sich geradezu von selbst darbietet: Zwar mußten in manchen Punkten Gegenvorschläge zu dem Berichte gemacht werden, aber unter diesen Vorbehalten wurde der Bericht als das angenommen, was er ist, nämlich als wichtiges Material zur Festsetzung des künftigen Arbeitsprogrammes der Jewish Agency. Obwohl besonders die Arbeiterparteien —aber auch viele andere — mit dem festen Entschlüsse, den Bericht abzulehnen und wo nötig die Zionistische Exekutive zu stürzen, nach Berlin gekommen waren, fand die Resolution, die sich für eine Fortsetzung der Agency-Politik einsetzt, eine so große Majorität wie noch niemals zuvor (41 : 4). Dies ist die Hauptbedeutung dieses Beschlusses. (Diesen selbst drucken wir im Anschlüsse an den Bericht ab. — Die Red.) Die Unterhändler, die wegen des Eintrittes der Nichtzionisten zu verhandeln haben werden, haben klare Vollmachten und den stärksten parlamentarischen Rückhalt, den sie bisher hatten. Die Verhandlungen werden zunächst von Herrn Sachetweitergeführt werden, der zu diesem Zwecke Mitte September nach Amerika gereist ist. y . Die Aufgabe der Unterhändler wird freilich vielleicht kerne ganz einfache sein. Denn die Resolution des A.-C: hat sich nicht'damit begnügt, richtige Einwendungen gegen den Bericht der" Ageiicy-Kömmission zu formulieren; das