Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Das neue Stadium der Jewish-Agency-Frage
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 386 (sequence 3)
- Language
- German
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386 wurden. Zur Vorbereitung der gemeinsamen Palästina-Arbeit sollte eine Experten-Kommission nach Palästina gesandt werden, um einen Plan für die' nächsten fünf oder zehn Jahre aufzustellen. Die Kommission arbeitete tatsächlich im Sommer 1927 in Palästina und hat dann ihre Berichte einem von Weizniann und Marshall gemeinsam ernannten Komitee, bestehend aus Lord Melchett (Alfred Mond), Felix Warburg, Dr. Lee Fränkel und Direktor Oskar Wassermann vorgelegt. Die Kommission hielt im Juni in London eine Sitzung ab und hat dann selbst einen Bericht abgefaßt, der der Oeffentlichkeit übergeben wurde. (Siehe nachfolgend abgedruckten Auszug daraus. — Die Red.) Der Bericht zerfällt in zwei Teile: Eine Analyse cler Landes Verhältnisse Palästinas und der bisherigen Kolonisationstätigkeit, und zweitens „Schlußfolgerungen und Empfehlungen'* für die künftige Arbeit. Bei Abfassung dieses Berichtes hat sich das Vierer-Komitee weitgehend an die Gutachten der Sachverständigen gehalten, aber auch die Vertreter der Zionistischen Organisation wurden gehört. Es ist jedoch zweifellos bei der Durchführung dieser Sache ein schwerer Fehler gemacht worden, indem nicht dafür gesorgt wurde, die Experten hinreichend über die grundlegenden Ziele und Aufgaben der Palästina- Kolonisation, die keine rein wirtschaftlichen sind, aufzuklären. Die Experten können nur dann technische Ratschläge geben, wenn sie über die politischen und sonstigen Voraussetzungen genau unterrichtet sind. Geben sie Ratschläge, die mit dem Ziele unvereinbar sind, dann sind diese Ratschläge wertlos. Dieser Grundsatz wurde nicht genügend respektiert und die Folge war eine Desorientierung auch in dem Berichte der Vierer-Kommission. Die Zionistische Exekutive ist hier von einer Schuld nicht ganz freizusprechen, da sie nicht dafür gesorgt hat, daß gerade die Eigenart des Palästina-Werkes ins Kalkül einbezogen wild. Der Bericht ist in seinen einzelnen Teilen sehr ungleichwertig. Seine größte Bedeutung liegt keineswegs auf dem Gebiete, das er eigentlich vor allem erfassen sollte, nämlich dem kolonisatorischen, sondern auf politischem und propagandistischem. Propagandistisch, um mit dem letzten zu beginnen, wirkt er vor allem dadurch, daß hier vier angesehene Repräsentanten nichtzicnistisch orientierter jüdischer Kreise sich rückhaltslos für die Idee des jüdischen Nationalheimes aussprechen. Diese vier Persönlichketen versprechen ihre Mitwirkung in moralischer und materieller Beziehung und girieren gewissermaßen die früher von der Zionistischen Organisation allein aufgestellten Forderungen an das ijüdische Volk zur Mitwirkung beim Palästina-Auf bau. Politisch ist diese Kundgebung eine nicht gering zu veranschlagende Hilfe gegenüber der Regierung und anderen Faktoren, zumal der Bericht in unzweideutiger Form feststellt, daß gewisse Handlungen der Regierung eine unerläßliche Vorbedingung für das Gelingen der Kolonisation sind. Was nun aber das Hauptproblem betrifft, nämlich die Auswahl, Inbesitznahme, Kultivierung und wirtschaftliche Verwendung des Bodens und Grundlinien der Wirtschaftspolitik, Schaffung der notwendigen Institutionen usw. — bereitet der Bericht eine gewisse Enttäuschung. Er ist in manchen Partien vielzusehr im allgemeinen steckengeblieben, in anderen Partien wieder geht er zu sehr ins Detail. Er enthält sehr viel gute Ratschläge, wenn auch für Kenner der zionistischen Literatur nicht viel Neues darin enthalten ist. Vor allem aber leidet der Bericht an dem Mangel, daß er die politischen und sozialen Gliederungen innerhalb des Zionismus teils unberücksichtigt läßt, teils falsch einschätzt und manche von der zionistischen Praxis akzeptierten Grundsätze sichtlich bagatellisiert. Dies ist nicht etwa vom zionistischen Parteistandpunkte aus zu bemängeln — denn dieser Standpunkt muß für die Unterzeichner des Berichtes nicht maßgebend sein —, sondern vom <jesichtspunkte des Berichtes selbst, der dcch einem Zwecke dienen will, ist es unrichtig, Thesen aufzustellen, deren Auswirkung den positiven Effekt des Berichtes zu paralysieren droht, und zwar nicht aus ökonomischen, sondern aus •menschlichen Gründen, die gleichfalls Realitäten sind. Drei Punkte des Berichtes wurdet!, in der zionistischen Welt mit großem