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Palästina · 1928-08-01 · Heft 8-10 (August 1928) · p. Seite 383

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 8-10 (August 1928)
Article
Jüdische und nichtjüdische Erziehung in Palästina
Date
1928-08-01
Page
Seite 383 (sequence 6)
Language
German
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383 können, vor allem auf dem Gebiete der Verwaltung, aber auch auf dem des Erziehungswesens selbst. Der Bericht gibt dafür einige durchaus beachtenswerte Hinweise, Wir werden es natürlich aufs schärfste ablehnen müssen, uns von der Regierung, wie das in dem Bericht zweimal geschieht, ein allzuviel „kontinentaler Traditionen" im Schulwesen vorwerfen zu lassen, wir werden aber andererseits bei gerechter Selbstkritik zugeben müssen, daß uns der übertriebene Respekt vor Weltanschauungen (oder soll man Parteiunwesen sagen?) zu Maßnahmen verführt hat, die von den Engländern als „kontinental" empfunden werden, ^as in diesem Zusammenhange wohl mit ,,überfortschrittlich und unzweckmäßig" zu deuten ist, Ich meine die Zersplitterung unseres kleinen Schulwesens in „Misrachi", „allgemeine" und „Arbeiter"-Erziehung, die drei Staaten im Staate bilden, mit eigenen Kindergärten, Volksschulen, Lehrerseminaren und Vertretern im Waad Hachinuch. Wieviel Doppelarbeit dabei geleistet wird, bedarf kaum der; Erklärung. Der Waad Hachinuch zählt zum Beispiel 14 Mitglieder, und zwar; 2 Vertreter der Regierung, 5 der Zionistischen Exekutive, 3 des Waad Leumi und 3 des Lehrerverbandes. Die Vertreter der Exekutive und des Waad Leumi müssen aber wiederum die drei Richtungen „Misrachi", „Allgemeine" und „-Arbeiter" repräsentieren. Der Bericht bemerkt zu dieser Zusammensetzung, ,daß sie jede effektvolle Arbeit erschwere und dringend der Aenderung bedürfe, ^eder, der die Verhandlungen dieser Körperschaft verfolgt hat, wird dieser Auffassung nur rechtgeben müssen. Dasselbe trifft grundsätzlich für die Lehrerseminare, zu. Während die Regierung für ihre 20.000 Schüler mit zwei solchen Seminaren mit zusammen 142 Zöglingen auskommt, benötigt die Zionistische Organisation für dieselbe Anzahl von Schülern zwei „allgemeine" und zwei „Misrachi"-Lehrerseminare mit nicht weniger als 456 Lernenden, wobei das neu eröffnete Seminar der „Arbeiter" noch gar nicht mitgerechnet ist. Die Stellungnahme der Regierung hiezu verdient wörtlich angemerkt zu werden: „Es ist fraglich, ob dieses teure Doppelsystem notwendig und wünschenswert ist. Die Zähl der jährlich absolvierenden Lehrer ist größer, als sie das jüdische Schulwesen absorbieren kann. Die Tendenz, die dieser Doppelheit zugrunde liegt, nämlich das Bestreben, die besonderen Wünsche und Theorien der verschiedenen sozialen oder religiösen Gruppen zu befriedigen, hindert die Schaffung eines einheitlichen nationalen Schulwesens." Auch der begeistertste Zionist könnte nicht besser ausdrücken, was wir hier von dem ,,Goi" zu hören bekommen, daß nämlich unser Ueberindividualismus die: .Erziehung eirier Jugend^ die sowohl von wahrem religiösem Empfinden, wie von produfi^ tiver Einstellung zur Arbeit getragen ist, einfach unmöglich macht. Der Bericht macht den vor allem aus finanziellen Gründen durchaus diskutablen Vorschlag, die Lehrerseminare mit den höheren Schulen zu kombinieren und nur eine sehr ausgewählte Anzahl von künftigen Lehrern für die Seminarklassen zuzulassen. Das „allgemeine" Volksschulwesen findet so ziemlich dse Billigung des Erziehungsdepartements, während den Schulen der Arbeiterschaft, die sich meist im Emek befinden, der Vorwurf der Plan- und Disziplinlosigkeit gemacht wird. Die starke Verbindung der Kinder mit der Landwirtschaft und die Hingabe der Lehrer an ihrer Aufgabe wird zwar rühmend hervorgehoben, das ganze „Experiment aber vom pädagogischen Standpunkt aus als fraglich" bezeichnet. Von den drei höheren Schulen des Landes findet nur die Realschule in Haifa uneingeschränktes Lob, während bei den Gymnasien in Jerusalem und Tel- Aviv die Ueberlastung des Stundenplanes mit wertlosen Unterrichtsgegenständen bemängelt wird. In bezug auf die verschiedenen Lehrfächer findet die Regierung das Niveau des Hebräischen im allgemeinen für zureichend, wobei auf den Umstand, daß für viele Kinder Hebräisch nicht die Muttersprache ist, als erschwerend hingewiesen wird. Ueber die dem Englischen gewidmete Stundenzahl wird bemerkt, daß sie in jedem anderen Lande für die Erlernung der hauptsächlichsten Fremdsprache unzureichend sein würde, und in Palästina, wo Englisch von besonderer „kultureller und praktischer Wichtigkeit" sei, erst recht. Bei

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