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Palästina · 1928-08-01 · Heft 8-10 (August 1928) · p. Seite 384

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 8-10 (August 1928)
Article
Jüdische und nichtjüdische Erziehung in Palästina
Date
1928-08-01
Page
Seite 384 (sequence 7)
Language
German
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c84 den Naturwissenschaften wird die zu wenig geübte praktische Anwendung der theoretischen Grundsätze getadelt, während dem Unterrichte in der Geschichte der Vorwurf gemacht wird, die Tatsachen zu vernachlässigen und an Stelle dessen leichte Verallgemeinerungen zu geben. Zusammenfassend kommt der Bericht zu dem Schluß, „daß es den zionistischen Schulen trotz ihres im allgemeinen zureichenden Lehrkörpers nicht immer ganz gelinge, den Schülern eine ernsthafte geistige Disziplin, praktische Vorbereitung für das Leben und gut fundierte Kenntnisse zu vermitteln. Auf der anderen Seite finden die Schüler Gelegenheit, sich in einer etwas allgemeinen Weise mit recht modernen Ideen über alle Gegenstände bekanntzumachen". Noch nie ist wohl in einer so höflichen, aber letzten Endes so vernichtenden Weise über das zionistische Schulwesen geurteilt worden. Ist diese Kritik berechtigt, geben unsere Schulen wirklich nicht mehr als eine Sammlung oberflächlicher Ideen? Man kann sich die Sache natürlich leicht machen, einfach von Judenfeindschaft sprechen oder höflicher vom Unvermögen der Regierung, sich in die besonderen psychologischen Probleme des jüdischen Aufbaues einzufühlen. Zweifellos schießt dieses grausame Gesamturteil weit über das Ziel hinaus Es gibt doch eine beträchtliche Anzahl von Schulen aller Typen in Stadt und Land, in denen durchaus gut gelernt und auch gut erzogen wird; und auch wiederum manche, in denen die Zustände schlimmer sind, als sie im Berichte geschildert werden. Der Standpunkt der Regierung ist im allgemeinen etwas zu betont englischinsulär, zu unbeweglich gegenüber den neuen pädagogischen Versuchen. Aber vieles, was hier vielleicht zu scharf herausgearbeitet wurde, ist im Kerne leider durchaus richtig, und wer Ohren hat zu hören, der kann es sich von im Schuldienste erfahrenen Palästinensern bestätigen lassen. Die seelischen Anforderungen des Aufbaues sind so stark, daß wir über ihnen eine unserer stärksten und moralischesten jüdischen Tugenden oftmals vernachlässigen, vernachlässigen müssen: die Selbstkritik. Dafür haben wir aber die Kraft und die innere Ausgeglichenheit gewonnen, um eine Kritik von außen mit Ruhe ertragen und von ihr lernen zu können. Es bedarf keiner Worte, um zu beweisen, wie wichtig dies in einem Falle ist, wo es sich um die Zukunft der Jugend unseres Landes handelt. Das neue Stadium der „Jewish-Agency46-Frage. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin. Die Idee der Schaffung einer umfassenden jüdischen Instanz, die als Jewish Agency mit der Palästina-Regierung in allen Fragen des Aufbaues des jüdischen Nationalheimes kooperieren soll, ist eine logische Folge der neuen Situation des Zionismus nach dem Ereignis der Balfour-Deklaration. Die Zionistische Organisation wurde begründet, um den Gedanken der Notwendigkeit des Aufbaues einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk und durch das »jüdische Volk in der Judenheit durchzusetzen; die Durchführung des Aufbaues selbst war stets als eine Sache des ganzen Volkes gedacht, denn das Ziel des Zionismus war Reraissance des Volkes, Schaffung eines wirklichen Volkslebens, nicht aber Stabilisierung der notwendigerweise einseitigen und notwendigerweise begrenzten Tätigkeit einer Partei. In dem chaotischen Zustande unmittelbar nach dem Kriege war es schwer, die geeignete Form zu finden, die der neuen Situation zum Ausdruck dienen konnte. Das Palästina-Mandat bot dann eine Handhabe in seinem Artikel 4, der von der ,,Jewish Agency" spricht. Öie Zionistische Organisation hat zunächst mit eigenen Kräften das Werk des Aufbaues begonnen, indem sie alle Juden zur Mithilfe aufrief. Sie hat Hilfe auch von Nichtzionisten empfangen und außerhalb des direkten Aktionskreises der Partei haben einzelne Gesellschaften und einzelne Juden sich in Palästina produktiv betätigt. Aber die Statuierung einer Verantwortlichkeit weiterer Kreise des

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