Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Jüdische und nichtjüdische Erziehung in Palästina
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 381 (sequence 4)
- Language
- German
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381 Von 1921 bis 1927 hat die Zahl der: Regierungs- Schüler um 3.637 Kinder 22.1 % zugenommen Jüdischen „ 9.781 „ 56.8% „ Christi, u. moslem. „ 10.701 „ =117,3% , Insgesamt also Schüler um 24.119 Kinder 56,3% zugenommen. Diese trockenen Ziffern sollten diejenigen, die mit der Rückständigkeit der Araber als mit einem feststehenden Faktor rechnen, zu denken geben. Es muß beachtet werden, daß die Kinder in den Regierungsschulen eine durchaus arabisch-nationale Erziehung erhalten (aus Geldern, die vielfach aus von Judeu gezahlten Regierungseinkünften stammen) und daß sich die Regierung um das Fortkommen der Missionsschulen, deren äntijüdische Gesinnung ja bekannt ist; ebenfalls auch „freundnachbarlich" bemüht. So wird mit der den Engländern eigenen „naiven" Offenheit u. a. in dem Regierungsbericht über Konferenzen zwischen Vertretern des Erziehungsdepartements, dem Anglikanischen Missionsbischof von Jerusalem und einem hohen Beamten des Londoner Foreign Office erzählt, die die Ausgestaltung des englisch-protestantischen Missionsschulwesens zum Gegenstande hatten. Bei Betrachtung all dieser Umstände beginnt man, an der Richtigkeit unserer zionistischen Schulpolitik zu zweifeln, die mit ihrer Parole „Los von der Regierung" eine Schulautonomie geschaffen hat, wie sie für eine Minderheitsnation in einem osteuropäischen Nationalitätenstaat vielleicht angebracht ist, unserer heutigen und künftigen Stellung in Palästina aber nicht entspricht. Heute liegt die Situation so, daß zwanzigtausend arabische Kinder auf Kosten aller Bevölkerungsteile von arabischen Lehrern in den Regierungsschulen hundertprozentig arabisch erzogen werden, ohne daß die Regierung jemals den Versuch gemacht hätte, in ihren Schulen missionarische Tendenzen zu verbreiten. Wer die hochinteressanten Verhandlungen der letzte-i Imperial Education Conference, die von Vertretern sämtlicher Besitzungen des englischen Weltreiches beschickt war, verfolgt hat, wird feststellen müssen, daß die Tendenz der Engländer durchaus nicht darauf gerichtet ist, halbenglische „Assimilanten" zu erziehen, sondern jedem Volk die ihm eigentümliche Erziehung zu gewährleisten. Man darf überzeugt sein, daß dies auch mit den Juden in Palästina der Fall gewesen wäre, wenn wir eben seinerzeit Wert darauf gelegt hätten. Die Zionistische Organisation hätte dabei Hunderttausende von Pfunden gespart, die besser für rein kolonisatorische Zwecke verwandt worden waren. Und ob die Güte unserer Schulen darunter gelitten hätte, ist ebenfalls recht fraglich. Unsere Kinder hätten vielleicht weniger moderne und modernste „Ideen" und etwas mehr englische Sprache und „common sense" mit auf den Lebensweg bekommen, vor allem aber hätten wir innerhalb der Regierung auch Einfluß ausüben können, während wir heute auf ihre finanzielle „Unterstützung" angewiesen sind, die wir mift dem Verluste unserer zu früh genossenen Freizügigkeit bezahlen müssen. IL Auch das jüdische Schulwesen in Palästina untersteht nicht einer einheitlichen Körperschaft, sondern ist recht vielfältig gegliedert, wie die folgende Tabelle zeigt: A. Jüdische Schulen: . Schulgattung Anzahl Lehrer Schüler Prozent Zionistische Exekutive 191 846 17.688 65.5 WlZO 2 13 81 Waisenkomitees 3 16 268 Alliance Isr. Univers. 8 109 3.081 Anglo-Jewish Assoc. 1 16 500 32.6 Agudath-Israel 11 38 809 »Talmud Thoras 30 192 2.901 Privat 29 103 1.163 j Zusammen jüdische Schulen 275 1333 26.491 98.1