Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Jüdische und nichtjüdische Erziehung in Palästina
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 380 (sequence 3)
- Language
- German
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380 rieht empfangen. Auf lebhafte Vorstellungen mohammedanischer Kreise hin hat übrigens die Regierung in letzter Zeit versprochen, energischer als bisher für die Erziehung der moslemischen Jugend zu sorgen. Ueber die Verteilung des jüdischen Schulwesens soll weiter unten eingehender gesprochen werden. Läßt man die Regierungsschulen als „neutral" unberücksichtigt, so ergibt sich in bezug auf die Zugehörigkeit der Mitglieder der verschiedenen Religionsr gesellschaften zu den von diesen unterhaltenen Schulen das folgende Bild: In christlichen „ j üdischen „ moslemischen „ Regierung s - Schulen lernen 2404 Nichtchristen „ „ 46 Nichfcjuden „ 24 Nichtmohammedaner i, 23 Juden. Oder, um es deutlicher zu machen: 1845 Mohammed. 7.7% der mohammed. Schüler sind in nichitmoslem. Schulen. 549 Juden =1.9% der jüdischen Schüler sind in nichtjüdisch. Schulen. 36 Christen =0.2% der christlichen Schüler sind in nichtchristL Scluiden. Wir sehen also, daß in bezug auf die Einheitlichkeit und „Werbejaraft" die Christen eine überragende Stellung im palästinensischen Schulwesen einnehmen, eine Tatsache, die eben auf die Wirksamkeit der mit reichen Geldmitteln ausgestattenen Missionen zurückzuführen ist. Die kürzlich in Jerusalem stattgehabte internationale Missionskonferenz hat jedenfalls zur Folge jjßhafat, daß sowohl Juden wie Mohammedanern die Augen darüber geöffnet wurden, in welcher Gefahr die Erziehung ihrer Jugend schwebt. Solange die Geldmittel der Zionistischen Organisation so beschränkt sind, daß sie kaum für die Erhaltung des Bestehenden ausreichen, wird es natürlich schwer sein, für diejenigen jüdischen Kinder, die heute noch die Missionsschulen besuchen, jüdische Schulen zu finden. Wir sind gerne geneigt und meist auch dazu berechtigt, auf die rapide Entwicklung unserer Positionen in Palästina in der Nachkriegszeit hinzuweisen. Ein Blick auf die Stellung unseres Schulsystems im Vergleiche mit dein der Regierung und der Christen und Mohammedaner lehrt uns aber, daß wir unsere Stellung nur gerade behalten konnten: Jahr 1920/21: 1922/23: 1925/26: 1926/27: Zahl der Schüler Regierg.- tfchüler*) 16.442 19.331 19.737 20.079 Prozent 38.4 39.8 30.4 30.0 Jüdische Schüler 17.236 18.522 26.832 27.017 Prozent 40.2 34.6 41.4 40.0 Christen u. Moslems 9.123 15.614 18.239 19.824 Prozent Gesamt Prozent 21.4 25.6 28.2 29.6 42.801 53.467 64.808 66.920 100.0 100.0 100.0 100.0 In den sieben Jahren seit 1921 ist somit die Zahl der in den Regierungsschulen lernenden Kinder im Verhältnis zur Gesamtzahl rapid gesunken, und zwar von 38.4 Prozent auf 30 Prozent, die Juden haben sich mit einigen Schwankungen auf rund 40 Prozent gehalten und nur Christen und Mohammedaner sind von 21.4 Prozent auf 29.6 Prozent gestiegen, ein Erfolg, den sich in der Hauptsache wohl die Missionen zuschreiben dürfen* -Bas wird noch augenfälliger, wenn man die Zahlen der absoluten Vermehrung der Schülerzahl in den verschiedenen Gruppen miteinander vergleicht: *) In der Rubrik; „Regierung" sind auch die wenigen jüdischen Schüler in den Regierungsischulen mit enthalten, während die Spalte „Jüdische Schüler * auch die in christlichen Schulen lernenden Juden enthält. Das Ergebnis verschiebt sich dadurch um 2 Prozent zu Ungunsten des jüdischen Schulwesens. Für christliche und mohammedanische Schulen sind keine getrennten Angaben vorhanden.