Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Jüdische und nichtjüdische Erziehung in Palästina
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 379 (sequence 2)
- Language
- German
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37a aucH Schulunterricht in irgend einer Form empfangen, und dies in einem Lande ohne Schulzwang! Mit Recht hob der Leiter des Erziehungsdepartements der Regierung in seiner Rede auf der Imperial Education Conference 1927, die dem Bericht beigegeben ist, hervor, daß es unter den Juden, dieser „großen Rasse", fast keine Analphabeten gibt, obwohl die finanziellen Schwierigkeiten des freiwillig unterhaltenen Schulwerks recht bedeutende sind. Auf der anderen Seite zeigt aber eine Betrachtung der arabischen Ziffer, daß nur die Mohammedaner, die den Großteil der Bevölkerung darstellen, eine ihrem Bevölkerungsanteil nicht entsprechende Schüierzahl-aufweisen (72.2 Prozent zu 35.8 Prozent) während die Christen mit 8.9 Prozent der Bevölkerung7 zu 23.2 Prozent der Schüler'sogar noch besser als die Juden dastehen. Die Gründe dafür werden bei dem Studium der folgenden Tabelle klar, die die Anzahl der Schulen, Lehrei und Schüler nach ihrer Zugehörigkeit zu den verschiedenen Schulgattungen wiedergibt: v : Zahl der Schüler L , *5Ü % © Araber Schulgattung g« ,j —i ■ «■— . a<*» . N. < u Moslems Christen Drusen Zus. Juden Gesamt Q Oj j Regierung 315 722 17.594 2.153 309 20.056 23 20.079 30.Ü Christlich 192 1.005 1.816 13.378 64 15.258 524 15.782 23.6 Moslemisch 53 184 4.498 20 2 4.520 2 4.522 6.8 Nichtjüdisch 560 1.911 23.908 15.551 375 39.834 549 40.383 60.4 J ii d i;s c h 275 1.333 29 16 1 46 26.491 26.537 39.6 Insgesamt 835 3.244 23.937 15.567 376 39.880 27.040 66.920 100.0 Die ganze Vielfältigkeit der palästinensischen Frage tritt an diesem „Schulbeispiel" deutlich zutage. Die rund 67.000 Schüler unterstehen verwaltungsmäßig vier verschiedenen Körperschaften, die aber unter sich noch bis ins Unendliche verästelt sind. Im Gegensatze zu den meisten Ländern ist in Palästina die Regierung durchaus nicht der zahlenmäßig bedeutendste Er^ ziehungsfaktor: Nur 30 Prozent der Schüler werden von 722 Lehrern in 315 Re^ gierungsschulen unterrichtet. Die Verteilung der Mohammedaner und Christen entspricht ungefähr ihrem prozentualen Anteil an der Bevölkerung, außerdem lernen noch 309 Drusen und Behaisten und — ganze 23 Juden in den Regierurgsschulen. Der Unterricht ist arabisch, Englisch wird als Fremdsprache von der, ^dritten .Klasse an gelehrt. Es gibt nur Elementarschulen, von denen zehn einen gymnasialen Aufbau von 1 bis 3 .Klassen haben. Für die Lehrerausbildung sorgen je ein Männer- und ein Frauenseminar mit zusammen 142 Schülern. Das Jahresbudget der Regierung für ihr Schulwesen beträgt rund 100.000 Pfund, außerdem werden noch fast 23.000 Pfund jährliche Pauschalbeiträge an Nichtregierungsschulen abgeführt, von denen der Löwenanteil — fast 21.000 Pfund — auf das jüdische Schulwesen entfällt. Die so von der Regierung unterstützen Schulen unterstehen ihrer mehr oder minder streng ausgeübten Kontrolle. Die christlichen Schulen, 192 an der Zahl, mit 1005 Lehrern und über 15.000 Schülern, werden von nicht weniger als 34 verschiedenen Körperschaften, völlig unabhängig voneinander, verwaltet. An der Spitze stehen hier die Miss i ö n e n, von denen die Katholiken 116 Schulen mit 9800 Schülern, die Protestanten 52 Schulen mit 3600 Schülern unter sich haben. Ueber die den Missionsschulen zur Verfügung stehenden Mittel ist leider nichts bekannt; jedenfalls müssen sie recht beträchtlich sein, da der Unterricht auch hier völlig frei ist und mehr als 2000 Nichtchristen bei ihnen Unterricht finden. Das mohammedanische Schulwesen liegt, wie schon bemerkt, völlig im argen. Die Regierung hat bis jetzt nur für 17.600 Kinder gesorgt, während in 53 Nichtregierungsschulen, die teils dem Moslemischen Oberrat, teils privaten oder städtischen Körperschaften unterstehen, noch 4500 Kinder untergebracht sind. Dabei müßten, wenn man den bei Juden oder Christen eingehaltenen Maßstab anlegt, noch rund 75.000 mohammedanische Kinder zur Schule gehen, die heute überhaupt keinen Unter-