Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Die Thermen von Tiberias und Tiberias als Winterkurort
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 367 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2379786-2379867-2379872-2387000--07412-2387386- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
367 fachen Kochsalzwässern und Solen. Es gibt Kochsalzquellen von ungefähr gleichem Gehalt, die als schwache Solbäder verzeichnet werden. Im allgemeinen gilt ein Gehalt von 30 g als Grenze und es gibt eine große Anzahl natürlicher Solbäder mit einem Gehalt von 200—300 g. Das Meerwasser ist den reinen Kochsalzqüellen ähnlich; besonders das Mittelmeer ist mit 34,90 g pro Liter reich an Kochsalz. Das Tote Mer hat einen Gehalt von 250 g pro Liter Mineralsalzen, größtenteils Kochsalze. Auf den Wirkungsmechanismus der verschiedenen Stoffe will ich nicht näher eingehen, es ist das ein trotz der Bemühungen der Balneologie in den letzten Jahren noch reichlich problematisches Gebiet; Chemischphysikalische (z. B. Osmose), mechanisch-thermische, biologische (Reiz) Faktoren wirken zusammen. In weiteren Kreisen ist bekannt geworden, daß die pharmakologische und klinische Forschung sich in der letzten Zeit besonders für die Heilwirkung des Schwefels in kleinen, homöopatischen Dosen interessiert hat. Ohne Zweifel ist der Schwefel ein bedeutendes Stimulans für den Stoffwechsel. Die minimale Schwefelresorption, die bei Badekuren durch die Haut und durch Inhalation, bei Trinkkuren durch die Magendarmschleimhaut erfolgt, scheint gerade einer günstigen Dosierung zu entsprechen, Diese Erkenntnisse zusammen mit der alten Erfahrung des augenfällige! Einflusses auf Hautkrankheiten, haben die Schwefelbäder neuerdings in erhöhtes Ansehen gebracht. Der Schwefel ist in den Quellen meist als Hydrosulfidion (HS') und als freier Schwefelwasserstoff (H2 S) in einer absolut genommen kleinen Menge enthalten; 0.05 g Gesamtschwefel pro Liter ist schon sehr hoch. Tiberias hat eine reine Schwefelwasserstoffquelle mit 0,013 g pro Liter. Einige Autoren sehen im Schwefelwasserstoff den aktiven Faktor der Schwefelquellen. Aachen, das sich durch das Vorhandensein einer beträchtlichen Menge von Hydrocarbonation von Tiberias unterscheidet (deshalb als „alkalische" Schwefelquelle bezeichnet) enthält 0.0052 HS7 und 0.0026 H2 S im Liter Thermalwasser. Baden bei Wien, das als endalkalisch-sulfatische Schwefeltherme (ca. 35° C) charakterisiert wird, hat ungefähr wie Tiberias als Gesamtschwefelgehalt 0.0118 g in 1 Liter (Leopoldsbad). Reicher an Schwefel als Tiberias sind beispielsweise Neundorf bei Hannover (0.06 g Gesamtschwefel), Herkulesbad in Ungarn (0.05 g). Helouan bei Kairo hat eine reine Schwefelwasserstoff quelle mit 0.0918 g H2 S pro Liter. Mit Herkulesbad-Mehadia hat Tiberias auch den erdmuriatischen Charakter seiner Quellen gemeinsam. Doch sind die Thermen von Tiberias sehr viel reicher an E r d a 1 k a 1 i e n, sie enthalten 3.52 g Kalzium-Jon (Ca) und 0.74 g Magnesium-Jon (Mg) im Liter. Diese sind größtenteils an Chlor (Kalziumchlorid und Magnesiumchlorid), nur zu einem kleinen Teil an Sulfat- und Hydrokarbonation, gebunden. (Die Quellen Badens bei Wien, deren erdiger Anteil in letzter Zeit hervorgehoben wurde, haben 0.29 g Ca und 0.079 g Mg im Liter Wasser, hauptsächlich als Sulfate und Hydrokarbonate). Die wichtige Rolle des Kalziums im Mineralstoffwechsel des menschlichen Körpers wurde in neueren Forschungen erkannt und es ergaben sich hieraus vielseitige therapeutische Konsequenzen. Die Bedeutung des quantitativ erheblichen Anteils an Kalzium in den Quellen von Tiberias wird aber durch das starke Ueberwiegen von Natrium in ihnen wesentlich herabgesetzt, abgesehen davon, daß die Wirkung dieser Erdalkalien hauptsächlich an inneren Gebrauch der Quellen gebunden ist und die Tiberiasthermen zu Trinkkuren