Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Die Thermen von Tiberias und Tiberias als Winterkurort
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 366 (sequence 3)
- Language
- German
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366 „Neuen Bades"; die der beiden anderen Quellen ist nur wenig davon verschieden, . Eine ihrer wichtigsten Eigenschaften ist ihre hohe natürliche Wärme, Die Meßmengen von Friedmann ergaben 61,5° Celsius, andere, auch eigene, etwas niedrige Temperatur, aber immer um 60° C, Größere Schwankungen konnten nicht beobachtet werden, (Die Konstanz der Temperatur in der Regenzeit ist mit ein Beweis für den juvenilen Charakter der Quelle, Unter „juvenilen" Quellen versteht man solche, die aus unzugänglichen Tiefen, in denen vulkanische Kräfte wirken, stammen und zum ersten Male an die Erdoberfläche treten im Gegensatze zu „vadosen", die vom Regenwassr gespeist werden. Es ist interessant, daß nach talmudischen Vorstellungen diese Quellen aus dem Gehinnom hervorbrechen, ja die Zügellosigkeiten des Badelebens werden damit in Beziehung gebracht,) Die Wärme des Wassers in den Bassins ist nur in zweien regulierbar, es wird meistens bei einer Temperatur von 40 bis 45° C gebadet, (Soweit erkaltet das Wasser in den Bassins von selbst. — Nur in Japan ist es volksüblich, bei so hohen Temperaturen zu baden wie hier.) Zum Vergleiche seien nun noch die natürlichen Temperaturen einiger der heißesten Thermen Europas genannt: Aachen 74.6° C, Karlsbad 73.8° C, Plombieres 71.0° C, ferner Wiesbaden 66.2° C, Pistyan 60.1° Celsius, Helouan in Aegypten hat 30° C. Die Thermen von Tiberias sind sehr mineralreich; man findet 30 g im Liter (in Wiesbaden 8.8, in Aachen 4.4 g). Als Grenze zwischen gewöhnlichem und Mineralwasser hat man einen Gehalt von 1 g pro Liter festgesetzt. Den Hauptanteil an diesem hohen Mineralgehalt bildet das Na.Cl (Kochsalz). Alte Geologen wollten sogar den Salzgehalt des Toten Meeres auf die Quellen von Tiberias zurückführen. Aber für ein Mineralwasser ist nicht die absolute Menge der Stoffe so wichtig wie ihre Zusammensetzung, die ihm erst den Stempel seiner Individualität prägt. Die moderne Pharmakologie interessiert sich besonders für das Problem der Kombinationswirkung verschiedener Arzneistoffe; auf ihr beruht auch zu einem Teil die besondere therapeutische Wirkung der Heilquellen. Nach der qualitativen Analyse findet man in den Thermen von Tiberias die Kationen: Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen und die Anionen Chlor, Brom, Sulfat (S04), Hydrokarbonat, ferner Kieselsäure, sowie freien Schwefelwasserstoff. (Die in ähnlichen Quellen vorhandenen Jod-, Brom-, Strontiumjonen fehlen.) Aber auch von den gefundenen Stoffen sind Kalium, Eisen, Brom, Silicium quantitativ unbedeutend. Die Stoffe, die Tiberias spezifischen Charakter geben, sind: Natrium, Kalzium, Magnesium, Chlor, Sulfation und Schwefelwasserstoff, Die Salze der Mineralwässer befinden sich im Zustand der Dissoziation und deshalb pflegt man sie heute quantitativ nach ihrem Gehalt an Anionen und Kationen darzustellen. (Tab. I.) Da aber auch die Rechnung nach Salzen der Wirklichkeit nahekommt und sie mehr dem allgemeinen Verständnis entspricht, zeigt die Tabelle II. die quantitative Zusammensetzung der Tiberiasthermen nach Salzen. Zum Vergleich sind die Quellen von Wiesbaden (Kochbrunnen) und Aachen (Kaiserquelle), die großenteils die gleichen Bestandteile wie die von Tiberias haben, herangezogen. Man sieht, daß der quantitativ bedeutendste Teil Natriumchlorid (Kochsalz) ist, nämlich 17,055 g, Wiesbaden hat 6.8 g, Kissingen 11,7 g. Damit stehen die Tiberiasthermen an der Grenze zwischen ein-