Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Die Thermen von Tiberias und Tiberias als Winterkurort
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 368 (sequence 5)
- Language
- German
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368 schlecht geeignet sind. Jedoch gelten auch Badkuren in erdmuriatischen Wässern von sehr günstigem Einfluß auf rheumatische und auf Hauterkrankungen und wir lernen diese Bestandteile jedenfalls als eine sehr glückliche Beigabe in der Komlbination unserer Quellen betrachten. Ich glaube mit der Hervorhebung dieser ihrer wichtigsten Stoffe einen ungefähren Begriff von dem mineralischen Charakter gegeben zu haben und es bleibt noch die Frage ihrer „Radioaktivität1' zu besprechen. Diese wird von vielen Seiten überschätzt. Die Thermen von Tiberias haben nämlich nach den Messungen Friedmanns nicht mehr als 3—4 Mache-Einheiten. Nach Kemenz sollen Wässer mit weniger als 30 M.-E; nicht als „radioaktiv" bezeichnet werden dürfen. Vergleichsweise sei erwähnt, daß die emanationsreichsten Quellen von Joachimsthal 600, von Gastein 155, Baden-Baden 82, Bad Landeck 206, Bad Teplitz 25, Wiesbaden 7,8 M.-E. besitzen. Aber ob eine geringe Emanation eventuell für die Beschickung von Inhalationskammern genügt (wie in Teplitz), hängt wesentlich von der Ergiebigkeit der Quelle ab und diese ist hierzu in Tiberias nicht stark genug. Die Ergiebigkeit der Quellen von Tiberias, die nach dem im jetzigen Zustand möglichen Berechnungen bei dem entsprechenden technischen Einrichtungen auf i'eden Fall für einen sehr großen Badebetrieb ausreichend sein dürfte, kann erst richtig nach sachgemäßer Fassung der Quellen beurteilt werden. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Quellen von Tiberias eine äußerst günstige Kombination verschiedener physikalisch-chemischer Eigenschaften darstellen. Friedmann bezeichnet sie als warme alkalischmuriatische Schwefelquellen. Doch dürfte ihr Wesen am besten gekennzeichnet werden durch die Benennung: erdmuriatische Schwefelquellen. Jede Mineralquelle ist eine Individualität und als solche nur sehr begrenzt vergleichbar. Auf Tabelle II. sind ihrer Analyse die entsprechenden Bestandteile in den Quellen von Wiesbaden und Aachen gegenübergestellt; sie zeigt, daß die Tiberiasthermen in gewissem Sinne eine Kombination dieser beiden Quellcharaktere darstellen, fast gleich in der Temperatur, aber reicher an Kochsalz als der außerdem lithiumhaltige Wiesbadener Kochbrunnen, reicher an Schwefel als die Aachener Kaiserquelle, und mit Hinzukommen beachtlicher Kalzium- und Magnesiumsalze. Ihre therapeutische Anwendung geschieht hauptsächlich zu B a d ekure n. Ueber die Indikationen habe ich ausführlich auf Grund meiner Erfahrungen hier in Fachorganen des Landes berichtet. An dieser Stelle will ich die wichtigsten Heilanzeigen kurz zusammenfassen: 1. Rheumatische Erkrankungen. „Rheumatismus** ist ein Begriff, der für sehr verschiedenartige Leiden gebräuchlich ist. Vor allem werden chronische und subchronische Arthritiden (Gelenksentzündungen) und von diesen die als Folgen eines akuten Gelenkrheumatismus zurückgebliebenen Gelenkversteifungen sehr günstig beeinflußt. An zweiter Stelle steht Muskelrheumatismus (incl. Lumbago, und hier reagiert die gelotische Form besser als die neuralgische). Weitere Indikationen sind: Gelenksentzündungen nach Gonorrhoe, Arthritiden auf dem Boden einer Gicht, auch „Arthritis deformans", soweit bei dieser Krankheit überhaupt Besserung zu erwarten ist, u. a. Tiberias ist ein ausgesprochenes Rheumatikerbad, und da in Palästina rheumatische Erkrankungen sehr häufig sind (wenigstens in der jüdischen Bevölkerung), wird es auch