Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Die Thermen von Tiberias und Tiberias als Winterkurort
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 365 (sequence 2)
- Language
- German
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365 Thermen von Tiberias und von Gadara (letztere im benachbarten Yarmuktal, nahe dem Südende des Sees, politisch heute zum Ostjordanland gehörig) sind von altersher berühmt. (Aber an beiden Seeufern sind auch noch andere, wenig ergiebige warme und kalte Mineralwässer, alle im gleichen Höhenniveau, anzutreffen.) Eine halbe Gehstunde südlich von Tiberias, am Fuße des steilen Höhenzuges, der den See umrahmt, hart an seinem Ufer entspringen die heißen Quellen, deren Schwefelwasserstoffgeruch schon dem Vorbeigehenden bemerkbar ist- Sie sind schlecht gefaßt und werden in drei Badehäuser geleitet. Das sind alte, verwahrloste Gebäude, von denen hauptsächlich das von Ibrahim Pascha 1833 im türkischen Stile erbaute „Neue Bad" mit einem großen runden Bassin — ähnlich den Bädern von Brussa in Kleinasien — und das 1890 eröffnete mittlere Bad frequentiert werden. Im ganzen sind sieben Bassins und fünf Binzelwannen vorhanden. In der Badesaison sind die engen, dunklen Räume von Leuten überfüllt, die Luft ist geschwängert vom Dampf des Wassers und der schwitzenden Menschen; an hygienischen Maßregeln und einfachsten Bequemlichkeiten mangelt es. Vor ungefähr zwei Jahrtausenden, nachdem die Römer das Land erobert hatten, waren über den Quellen große, prächtige Badehäuser erbaut worden. Römische Schriftsteller überliefern uns den Ruhm der Bäder, Josephus berichtet in den „Altertümern" von ihrer Heilkraft, im Talmud werden sie öfters erwähnt und es wird auch Klage erhoben über das sittenverderbende ,,Badeleben". Herodes Antipas hatte Tiberias, das er zu Ehren des Kaisers Tiberius benannte, gegründet und er und sein Nachfolger haben die Stadt mit reichen Bauten, die mit dem freilich noch glanzvollerem Gadara wetteiferten, ausgeschmückt. Spärliche Säulen und IMauerreste künden noch von der „Badestadt" Tiberias. Aber der Ruf der Heilquellen blieb durch die vielen Jahrhunderte des Verfalles im Volke lebendig. Im Frühjahr ziehen noch heute Araber stämmeweise nach Tiberias zum Baden. Im Volke hat sich auch eine gewisse Erfahrung über die Krankheiten, die durch die Bäder beeinflußt werden können, herauskristallisiert. Es sind aber vor allem die Juden — deren Vorliebe für Bäder ja bekannt genug ist — des alten und neuen Jischuw, die Tiberias im Winter in großer Zahl aufsuchen und selbst die primitiven Badeverhältnisse in Kauf nehmen. Ist nun der Ruf, den die Thermen seit dem Altertum im Volke genießen auch wissenschaftlich berechtigt? Die Antwort ist unschwer aus der Darstellung ihrer physikalisch-chemischen Eigenschaften zu geben, besonders wenn wir sie mit bekannten Mineralquellen Europas vergleichen und die Kenntnis ihres physikalisch-chemischen Charakters sowie eigene Erfahrung lassen den Bereich ihrer Heilanzeigen ziemlich scharf umschreiben. Schon 1911 wurde von dem Königsberger Chemiker Alexander Friedmann an Ort und Stelle eine genaue Analyse der Quellen ausgeführt; sie entspricht all den Anforderungen, die die moderne' Balneologie stellt und wenn auch künftige Analysen kleine Zahlendifferenzen ergeben sollten, werden sie für die Wertung des Wassers unbedeutend sein. Die im folgenden genannten Analysenzahlen sind seiner Arbeit „Beiträge zur chemischen und physikalischen Untersuchung der Thermen Palästinas" entnommen und entsprechen der Zusammensetzung der Quelle des