Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Gedanken zur zionistischen Kolonisation auf bewässerten Böden
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 358 (sequence 5)
- Language
- German
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358 und in Kultur zu nehmen, sowie alle Zweige der palästinensischen Wirtschaft harmonisch zu entwickeln. Die Praxis in anderen Ländern hat gezeigt, daß Bewässerungsprojekte zur gegebenen Zeit, infolge Privatkapitals oder Regierungshilfe, nie durch Mangel an Geld gescheitert sind Fürchtet man, daß die Siedler durch eine spätere Bewässerung zuviel Boden haben werden, so verpflichte man sie von vornherein, im Falle der Bewässerung die Hälfte oder einen bestimmten Teil ihres Landes gegen Entschädigung zurückzugeben, Bei der Schnelligkeit, mit der sich Palästina entwickelt und besonders entwickeln wird, liegt der Zeitpunkt, in dem die Landwirtschaft sich zwangsweise wird intensivieren müssen, gar nicht so fern. In 10—15 Jahren wird sich voraussichtlich die Stadtbevölkerung auf eine Million Menschen vermehrt haben. Auch der Standard of life der Araber wird sich erhöhen. Ein Exportmarkt für Gemüse und Obst wird entstanden sein und Verwertungsindustrien für landwirtschaftliche und gärtnerische Produkte werden die Nachfrage erhöhen. In landwirtschaftlichen Kreisen wird man bis dahin eine gewisse Tradition und Stabilität erreicht haben. Die Betriebe werden rationalisiert worden sein, wodurch die Produkte erheblich billiger und doch gewinnbringend auf den Markt gebracht werden können. Unterdessen werden auch von den Versuchsstationen geeignete und rentable Baumpflanzungen für bewässerten, schweren Boden gefunden worden sein. Dann erst wird das Wasser der große Segenspender für Palästina werden. Und je mehr alle Landwirte, Kaufleute, Gelehrten, Zionisten aller Länder daran mitarbeiten, die oben skizzierten Verhältnisse zu schaffen, desto eher wird Palästina zu dem werden, wovon wir alle träumen — zu einem blühenden Gartenlande. IL Die Zusatzbewässerung auf Trockenböden. Das Wasser stellt in Palästina den wichtigsten Wachstumfaktor dar, und die rechtzeitige und genügende Versorgung der Pflanzen mit Feuchtigkeit ist von vitaler Bedeutung für die palästinensische Bodenkultur. Eine der schlimmsten Strafen, die Möschen den Israeliten für die Nichterfüllung der im Sch'mah-Gebet enthaltenen Vorschriften in Aussicht stellt, ist die Drohung, daß Gott dem Lande den Regen entziehen werde, was eine fürchterliche Hungersnot zur Folge hätte. Wer einmal in Palästina beobachten konnte, mit welchem Hangen und Bangen die ganze Bevölkerung auf die Frühregen im Herbst wartet, wird die Tragweite dieser Drohung sehr gut verstehen. Deshalb sei kurz auf die Regenverhältnisse des Landes eingegangen. In Palästina stehen 7—8 Monate einer regenlosen Zeit einer 4—5monatigen Regenperiode gegenüber. Man unterscheidet darin die Frühregen, die Winterregen und die Spätregen. Die Frühregen setzen gegen Mitte des Monats November ein und erlauben gerade, daß die Araber mit ihrem primitiven Pfluge mit der Bearbeitung des, während des Sommers hartgewordenen Bodens beginnen können. Der Hauptzweck dieser ersten Regen ist, die Keimung der Wintersaaten zu ermöglichen, dies wird allerdings sehr oft durch ihre ungenügende Regenmenge verhindert. Die Winterregen sind kalte, heftige Regen, die das Wachstum der Pflanzen sehr verlangsamen. Ihr Hauptfall kommt in den Monaten