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Palästina · 1928-08-01 · Heft 8-10 (August 1928) · p. Seite 357

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 8-10 (August 1928)
Article
Gedanken zur zionistischen Kolonisation auf bewässerten Böden
Date
1928-08-01
Page
Seite 357 (sequence 4)
Language
German
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357 niedrig, was ihnen gestattet, auf dem Weltmarkt erfolgreich zu konkurrieren. Die Aegypter begnügen sich mit 1—2 Ernten jährlich von ihrem Boden, dessen Hauptkulturen Baumwolle, Zuckerrohr, Getreide und Grünfutter sind. In den USA,, um ein anderes Beispiel zu nehmen, sind zwar die Arbeitslöhne teuer, aber man versteht es trotzdem, die Gestehungskosten auf ein Minimum herabzudrücken. Dort liegt meistens die Bewässerung in der Hand von Privatgesellschaften, die durch Stauung eines Flusses oder andere billige Wasserquellen Gebiete von 100.000 bis 200.000 Dunam einheitlich und dadurch sehr billig mit Wasser versorgen. Infolge der hohen Arbeitslöhne bat man Bewässerungsmethoden ausgefunden, durch die die Anwendung von Zugtieren und Maschinen für die Bearbeitung ermöglicht wird. Vermöge dieser Faktoren sind auch die Amerikaner nicht zu sehr intensiver Bewässerungskultur gezwungen und begnügen sich im allgemeinen mit einer Ernte jährlich. Anders die Palästinenser. Wenn sich dort jemand entschließt, seinen Boden zu bewässern, so muß er das Höchstmöglichste aus ihm herauszuholen yeruchen, um nur auf seine Kosten zu kommen. Und nun ergibt sich ein neues Dilemma! Von den in der Welt üblichen Bewässerungskulturen kommen die wenigsten für ihn in Betracht, da sie für die Dauer ihres Wachstums eine zu geringe Rente abwerfen; dazu gehören Reis und Zuckerrohr. Die Kultur der Baumwolle empfiehlt sich darum nicht auf bewässerten Böden, weil sie in Palästina sehr gut auf unbewasserten Böden gedeiht; das gleiche gilt von der Zuckerrübe. Im wesentlichen sind es heule drei Arten von Pflanzen, die in Palästina auf bewässerten Böden kultiviert werden: Hochwertige Pflanzen zur menschlichen Ernährung — Gemüse; Futterpflanzen zur Umwandlung in Milch und Fleisch; außerdem mehrjährige Obstbaumpflanzungen. Von den letzteren sind erst die Zitronen und besonders die Orangen über das Versuchsstadium hinaus. Sie rentieren sehr gut, trotzdem sie unverhältnismäßig teuer erzeugt werden; für ihre Kultur kommen jedoch nur die Küstenböden in Betracht. Von anderen bewässerten Pflanzungen läßt sich vorläufig noch nichts Genaues sagen. Der Absatz der Milch- und Fleischerzeugung wird sich immer auf die Bevölkerung Palästinas beschränken müssen, da diese Produkte im Ausland wegen ihrer hohen Gestehungskosten nicht konkurrenzfähig sind, Am günstigsten sind noch die Aussichten für Gemüse, da Palästina darin, ähnlich wie für die Orange, klimatisch eine Ausnahmestellung einnimmt; vorläufig ist aber der Export noch gänzlich unentwickelt und der Inlandsbedarf an Gemüse ist vollständig gedeckt. Durch diese kurze Zusammenstellung der augenblicklichen Verhältnisse Palästinas glaube ich gezeigt zu haben, daß die wirtschaftlichen Faktcren, die eine Intensivierung der Landwirtschaft erzwingen, noch beinahe gänzlich fehlen. Ganz besonders gilt das von der intensivsten Art der Landwirtschaft — der bewässerten Bodenkultur, Es ist deshalb sehr verwunderlich, daß ernste Fachleute, durch Analogien mit andern Ländern verführt, diese Tatsachen ganz außer acht lassen und nur bewässerte Landwirtschaft gelten lassen wollen. Der Weg zum Intensivismus führt aber über den Extensivismus. Es sei darum eine ernste Warnung an die maßgebenden zionistischen Kreise gerichtet: Zersplittern wir nicht unsere ohnehin so geringen Fonds durch kostspielige Versuche, die Zukunft vorwegnehmen zu wollen. Vorläufig ist das Land noch nicht reif für eine Kolonisation ausschließlich auf bewässerter Grundlage. Unsere wichtigste Aufgabe ist, soviel Boden wie möglich in jüdischen Besitz zu überführen

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