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Palästina · 1928-08-01 · Heft 8-10 (August 1928) · p. Seite 356

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 8-10 (August 1928)
Article
Gedanken zur zionistischen Kolonisation auf bewässerten Böden
Date
1928-08-01
Page
Seite 356 (sequence 3)
Language
German
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356 Der Laie wird, wenn er von diesen großen Vorteilen hört, genau wie Dr. S o s k i n, verwundert fragen: Warum verzichtet man unter diesen Umständen nicht auf Kultivierung unbewässerten Bodens und konzentriert sich auf Bewässerungskulturen? Die Antwort wurde schon weiter oben gegeben — es gibt keine Intensität a priori, sondern sie wird erst durch gewisse wirtschaftliche Verhältnisse erzwungen. Allem Anscheine nach stehen wir in Palästina erst am Anfange einer solchen Entwicklung. Dafür seien hier nur einige Beispiele angeführt. Viele Petach-Tikwah'er Bauern besitzen Felder in der fruchtbaren Jarkon-Ebene (Mir), die mit sehr geringen Kosten an ein schon bestehendes Bewässerungssystem angeschlossen werden könnten. Trotzdem ziehen sie es vor, den Boden mit unbewässerten, extensiven Kulturen — wie Getreide und Hülsenfrüchte— zu bebauen. Aehnlich ist es in Chedera, Benjamina, Dagania, Jessod Hamalah etc., wenn man ganz von arabischem Bodenbesitz absehen will. Die Ursachen dafür sind mannigfaltiger Natur. Die Kosten für die Bewässerungsanlage betragen meist das zwei- bis dreifache des Bodenwertes. Dazu kommen noch mechanische Verbesserungen, wie Bodenebnen und Tieflockern, sodaß in der Regel bewässerter Boden den vierfachen Wert des unbewässerten besitzt. Ein Bauer mit 50 Dunam bewässertem Boden hat also in Wirklichkeit 200 Dunam, d. h., er muß von den 50 Dunam ebensoviel herauswirtschaften, wie er von 200 Dtanam unbewässertem Boden ernten könnte. Nun stehen wir in Palästina betreffs der Bewirtschaftung bewässerter Böden noch in einem vollständigen Versuchsstadium. Das Wasser stellt sich meistens sehr teuer, weil die Erzeugungkosten zu hoch sind und es unrationell verwandt — d. h. verschwendet — wird. In der Jarkon-Ebene, wo eine ziemlich große Bewässerungsanlage besteht, kostete 1923 die Bewässerung eines Dunams nro Jahr 1 Pfund. So teuer das an und für sich schon ist, gibt es Orte, wo die Ziffern noch viel höher sind. In Ain-Ganim kostet die Bewässerung der Orangen pro Dunam 3—4 Pfund jährlich. Ein anderer, ganz wesentlich verteuernder Faktor ist, daß bei den heute in Palästina üblichen Bewässerungsmethoden mechanische Maschinenarbeit nicht anwendbar ist und hohe Löhne für die nötigen Arbeiten, wie Pflanzen, Hacken, Bewässern und Ernten, bezahlt werden müssen. Durch diesen Faktor ist der Größe eines bewässerten Betriebes von vornherein eine Grenze gesetzt. Bei den ganz intensiven Bewässerungsbetrieben in Paris und Südfrankreich rechnet man für 10 Dunam 4—6 Arbeitskräfte [2—3 Familien). Aüch wenn man extensiver wirtschaftet, muß man doch bei den heute üblichen Methoden und mittelintensiver Bewirtschaftung mindestens zwei Arbeitskräfte pro 10 Dunam rechnen. Das wären bei 50 Dunam. 10 Leute, während für die Bewirtschaftung von 200 Dunam unbewässerten Bodens vier Arbeitskräfte genügen. Auch die anderen Betriebsunkosten sind bei einem entsprechenden, unbewässerten Betriebe geringer, sodaß also unter heutigen Umständen der erstere Typ nicht nur das vierfache, sondern sogar das sechs- und mehrfache des letzteren erzeugen muß, um zu rentieren. In andern Ländern mit ausgebreiteten Bewässerungskulturen liegen die Verhältnisse a priori viel günstiger. Unser Nachbar Aegypten verfügt über reichen, fruchtbaren Nilboden, der nicht gedüngt zu werden braucht und dessen Bewässerung infolge der Größe der Anlage sehr billig ist; ferner ist von großer Wichtigkeit, daß die Arbeitslöhne sehr gering sind. Dadurch sind die Gestehungskosten für die Produkte sehr

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