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Palästina · 1928-08-01 · Heft 8-10 (August 1928) · p. Seite 355

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 8-10 (August 1928)
Article
Gedanken zur zionistischen Kolonisation auf bewässerten Böden
Date
1928-08-01
Page
Seite 355 (sequence 2)
Language
German
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355 China das Primäre war, die intensive Bearbeitung oder die dichte Bevölkerung, Erst die wachsende Bevölkerung, der durch eine starre Gesetzgebung und eine zum größten Teil öde Nachbarschaft eine Expansion unmöglich gemacht war, erzwang die intensive Bearbeitung. Wir müssen also folgern, daß intensive Bodenkultur immer erst den Abschluß einer bestimmten Entwicklung darstellt und durch wirtschaftliche Verhältnisse erzwüngen wird. Ein Intensivismus ohne diesen wirtschaftlichen Zwang ist unmöglich, denn er widerspricht der menschlichen Eigenart. Um das Problem, das uns in Palästina entgegentritt, noch näher zu skizzieren, muß kurz etwas über das Wesen der Intensität vorangeschickt werden,. Intensive Bodenkultur ist kein fester Begriff, sondern kann immer nur relativ gebraucht werden. Sie beginnt dort, wo der kleinste Mehraufwand an Kapital oder Arbeit erfolgt, als zum Wachstum der Kultur irgendwie nötig ist, um den Flächenertrag zu erhöhen. Die extensivste Art, Getreide zu kultivieren, ist, die Saat flach einzuscharren und das reife Getreide zu ernten, wie es die russischen Bauern zum Beispiel heute noch tun. Alles, was mehr getan wird, um den Ertrag zu erhöhen, also Jäten des Unkrauts, gute Bodenvorbereitung etc., tendiert schon zu intensiver Kultur. Auch das Minimum an Kapital und Arbeitsaufwand steht nicht fest, sondern variiert nach den einzelnen Kulturen. Für Hochkulturen, wie Rüben und Kartoffeln, ist dieses Minimum erheblich größer als für Getreide. Bevor wir nun den Einfluß der Bewässerung auf die Intensität der Bodenkultur untersuchen, müssen wir uns über die Rolle, die das Wasser in der palästinensischen Landwirtschaft spielt, klar werden. In Nordeuropa sind es zwei Wachstumsfaktoren, auf die die Landwirte ohne Einfluß sind, Sonne und Feuchtigkeit. Während aber Feuchtigkeit durch gleichmäßig verteilte Regen und relativ geringe Verdunstung meistens in ausreichendem Maße vorhanden ist, läßt die geringe Wärmemenge die Pflanzen nicht zu der Entwicklung kommen, die sie erreichen könnten. Deshalb sind Sonnenjahre Wonnejahre. Je weiter nach Süden, desto mehr ändert sich dieses Verhältnis. Die Wärmemenge nimmt zu, während Regen nur in einer bestimmten Periode fällt und die Verdunstung von Boden und Pflanzen sich sehr verstärkt. Durch die intensive Sonnenbestrahlung erhalten die Pflanzen in Palästina den größten Teil des Jahres ein Optimum, in bestimmten Zeiten sogar ein Maximum der zum Wachstum nötigen Wärmemengen, wodurch sie sehr schnell wachsen. Die Regenzeit ist dagegen auf vier Monate zusammengedrängt, sodaß einen großen Teil des Jahres das Land dürr liegt. Wasser ist also bei ausreichender Düngung der alleinige, fehlende Wachstumsfaktor, und nach dem Gesetz vom Minimum muß der Ertrag steigen, in dem Maße, in dem Wasser künstlich den Pflanzen bis zu der erforderlichen Menge zugeführt wird. Dadurch wird künstliche Bewässerung zu einem ganz hervorragenden, intensivierenden Moment in der palästinensischen Bodenkultur. Die großen Vorteile sind: 1. ganz erheblich höhere Erträge, 2. Unabhängigkeit von allen klimatischen Zufälligkeiten und dadurch ein großes Sicherheitsmoment, 3. die Möglichkeit, bestimmte Pflanzen zu kultivieren, deren Anbau ohne Bewässerung nicht geschehen kann und — last but not least — die Möglichkeit, 2—4 Ernten jährlich vom selben Boden zu erzielen^ da, wie erwähnt, die Sonne das Pflanzenwachstum riesig beschleunigt.

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