Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 8-10 (August 1928)
- Article
- Aufbauarbeit in Palästina in den nächsten zehn Jahren
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 346 (sequence 6)
- Language
- German
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345 ruinieren, daß sie später nicht mehr in einen Normalzustand gebracht werden kann. Da die jüdischen Einwanderer in Palästina sich nur zum allergeringsten Teile vorher bereits mit Landwirtschaft beschäftigt haben, so gibt es nur zwei Auswege: entweder sie in Palästina selbst landwirtschaftlich auszubilden, oder ihre Wirtschaft so einzurichten, daß sie mit einem Minimum von landwirtschaftlicher Erfahrung betrieben werden kann. Das letztere ist aber nur beim Pflanzungsbau denkbar, und zwar nur in der Weise, daß der Siedler sich erst dann mit der Pflanzung befaßt, wenn die ersten schwierigen Arbeiten (Tiefpflügen, Bewässerungsanlage, Anpflanzung der Bäume) bereits durchgeführt sind. Bei der Kolonisation auf der Basis der Milchwirtschaft ist eine mehrjährige landwirtschaftliche Erfahrimg für eine erfolgreiche Bewirtschaftung der Farm unentbehrlich. 8. Es wäre das Ideal, wenn wir für die Ansiedlung über genügend Kandidaten verfügten, die sowohl landwirtschaftlichen Training als auch einen erheblichen Teil der zur Ansiedlung erforderlichen Mittel besäßen. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, daß dies nicht der Fall ist. Diejenigen Juden, die über nennenswerte Mittel verfügen, haben fast ausnahmslos keine landwirtschaftliche Erfahrung und stehen bereits in einem vorgerückten A.Her, in dem sie sich nicht durch Arbeit bei anderen diese Erfahrung vor ihrer Ansiedlung erwerben können. Auf der anderen Seite haben die jüngeren Elemente, die bereit -.sind, vor der Ansiedlung mehrere Jahre auf ihre landwirtschaftliche Ausbildung zu verwenden, in der Regel keine nennenswerten Mittel. Da es im Interesse der Erweiterung der Kolonisation sehr wichtig ist, auch bemittelte Elemente zur Landwirtschaft heranzuziehen, ergibt sich die Notwendigkeit, für die bemittelten Elemente den Weg zur Milchwirtschaft zu öffnen. Außerdem gibt es noch eine dritte Kategorie, nämlich die jüdischen Lohnarbeiter, die jetzt schon in den Orangenkolonien arbeiten und deren Zahl sich mit der Erweiterung des Orangenbaus immer mehr vergrößern wird. Die Lage dieser Arbeiter ist zur Zeit sehr schlecht, da sie mit den Arabern zu konkurrieren haben, die aus den umliegenden Dörfern in die jüdischen Kolonien zur Arbeit kommen. Für diese Araber ist der Arbeitslohn in den jüdischen Kolonien nur ein Nebenverdienst, da sie außerdem noch die Erträge aus ihrer eigenen Wirtschaft haben. Für die jüdischen Arbeiter dagegen ist der Arbeits-, lohn ihre einzige Einnahme. Wenn man erreichen will, daß in Zukunft die Arbeit in den Orangenkolonien hauptsächlich von jüdischen Arbeitern getan werden soll, so muß dafür Vorsorge getroffen werden, daß diese Arbeiter irgend welche Chancen haben, nach vielen Jahren schwerer Arbeit zu einer eigenen kleinen Wirtschaft zu kommen. Nur wenn sie diese Aussicht haben, werden sie 10 Jahre und auch länger unter den schweren Bedingungen eines Lohnarbeiters aushalten. Wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, selbständig zu werden, so ist dies auch das beste Mittel, um späteren sozialen Konflikten vorzubeugen, weil dann die Grenzen zwischen Arbeiter und Orangenbesitzer ineinander übergehen. In allen Ländern, wo der landwirtschaftliche Arbeiter niemals zu Landbesitz kommen kann und eine tiefe Kluft die Arbeiter von den Landbesitzern trennt, ist es zu schweren sozialen Erschütterungen und Kämpfen gekommen. Wir sollten deshalb versuchen, diese Kluft nicht entstehen zu lassen.