Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 11 (1928)
- Issue
- Heft 5-7 (Mai 1928)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. Arieh Tartakower, Lodz.
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 293 (sequence 4)
- Language
- German
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- Haifa 2× ep/1047930
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293 3. Die Entwicklung des Hamaschbir, Die jährliche Generalversammlung des Hamaschbir, die am 28, März d, J. in Haifa zusammentrat, konnte eine bedeutende Verbesserung der Lage der Genossenschaft im Laufe des letzten Jahres feststellen. Es waren allerdings sehr große Schwierigkeiten zu überwinden. Der Zusammenbruch des Solel-Boneh, des wichtigsten Abnehmers des Hamaschbir (allein im letzten Jahre kaufte er dort Waren im Werte von 50.000 Pfund ein) zog naturgemäß auch die Genossenschaft in Mitleidenschaft, die Schuldenlast war auf 36.000 Pfund' gestiegen, das Niveau der Preise in der Genossenschaft war im allgemeinen höher als im Privathandel, da der Barverkauf oft auf ein Minimum zusammenschmolz (die Zionistische Exekutive zahlte fast nur mit Anweisungen und Wechseln und auch im Verkehr mit den Instanzen der Histadruth war oft Kredit die Regel) und auch die allgemeine Wirtschaftskrise im Lande tat das ihrige, um die Lage der Genossenschaft zu komplizieren. Dabei stand der HamascJübir gerade in den letzten Jahren iganz neuen, bedeutenden Aufgaben gegenüber, deren Erfüllung allein eine starke Anspannung der Energie erforderte. Der Absatz der Produktion der landwirtschaftlichen Arbeitergenossenschaften, wie auch deren Versorgung mit den notwendigen Geräten und Hilfsstoffen mußte zur Ausbildung einer besonderen Abteilung führen und außerdem stand man in den letzten Jahren einer starken Entwicklung der gewerblichen Arbeiterproduktivgenossenschaften in den Städten gegenüber, die auch eine weitgehende Mithilfe der Histadruth beim Absatz ihrer Erzeugnisse verlangten. Und doch gelang es all der Schwierigkeiten Herr zu werden. Durch eine strenge Sanierungsarbeit in der Genossenschaft selbst, die unie anderem auch die Schließung einiger Abteilungen und Abbau von 19 Beamten zur Folge hatte, wurde die Last der Ausgaben bedeutend verringert, die Anweisungen (die bekannten „Pitkot Hamaschbir") wurden abgeschafft und der Bargeldverkehr wiederum zur Regel gemacht; der Warenbestand der Genossenschaft wurde den wirklichen Bedürfnissen des kaufmännischen Publikums angepaßt und das Preisniveau unterscheidet sich heute von dem landesüblichen. Den Bedürfnissen der landwirtschaftlichen Arbeitergenossenschaften wurde durch deren regelmäßige Versorgung mit Petroleum, Benzin und allerlei Fetten sowie mit Sämereien, chemischen Dünger und Viehfutter Rechnung getragen. Anderseits entwickeln sich die dem Hamaschbir in Haifa, Jerusalem und Tel-Aviv angegliederten Molkereien immer günstiger. Darüber hinaus wurde bei der Genossenschaft eine besondere neue Abteilung, der „Maschbir- Textil" gegründet, die den Absatz von 'Kleidungsartikeln zum Zweck hat und auf diese Weise die Entwicklung der gewerblichen Produktivgenossenschaften, wenn auch nur teilweise, fördert. Zwei wichtige Fragen stehen noch gegenwärtig vor der Genossenschaft und harren ihrer Lösung. Es handelt sich einerseits um eine weitere Dezentralisation der Genossenschaft durch Gründung von lokalen Konsumvereinen, was sowohl eine verstärkte finanzielle Fundierung der einzelnen Abteilungen, wie auch ein gesteigertes Interesse an der Entwicklung der Genossenschaft zur Folge hätte. Leider sind die Ergebnisse der bisher in dieser Beziehung geführten Propaganda keine besonders großen. Es sind bisher im ganzen zwei lokale Konsumvereine gegründet worden, von denen einer überdies mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. So hat denn die letzte Generalversammlung beschlossen, die Bemühungen in dieser Richtung fortzusetzen und bis zur Entstehung des Vereines besondere Beiräte von Konsumenten bei den einzelnen Abteilungen ins Leben zu rufen. Die zweite Aufgabe, die im gegenwärtigen Augenblick als noch dringender erscheint, ist die Regelung des Absatzes der gewerblichen Produiktivgenossenschaften im Wege des Hamaschbir. Was in dieser Hinsicht bisher geleistet worden ist, erscheint im Vergleich mit den tatsächlichen Bedürfnissen überaus gering und die lebhaften Klagen der Produktivgenossenschaften sind sehr verständlich, wenngleich man natürlich auch die Lage des Hamaschbir in Betracht ziehen muß, der sich bei seinen geringen Grundkapital (kaum 8000 Pfund) den Luxus von zuviel gewagten Experimenten kaum leisten kann. Doch unterliegt es keinem Zweifel, daß die Genossenschaft weitere Versuche in dieser Richtung machen muß, wenn sie der Aufgabe gerecht werden will, der zentrale Absatz- und Versorgungsapparat der gesamten Arbeiterschaft im Lande zu werden. Der Beschluß der Generalversammlung, eine besondere Abteilung für den Absatz der gewerblichen Produktivgenossenschaften ins Leben zu rufen und auch den „Maschbir-Textil" soweit umzubilden, daß er sich den Bedürfnissen der Produktivgenossenschaften mehr anpaßt, wird hoffentlich in dies»- Beziehung in der nächsten Zeit eine bedeutende Besserung der Lage mit sich bringen. Im allgemeinen trat auch in dieser Generalversammlung klar zu Tage, daß der 19