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Palästina · 1928-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1928) · p. Seite 292

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1928)
Article
Arbeiterbewegung. Von Dr. Arieh Tartakower, Lodz.
Date
1928-05-01
Page
Seite 292 (sequence 3)
Language
German
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292 2. Die jüdische Arbeit in den Kolonien« Die letzten Monate haben im Zusammenhang mit dem ununterbrochenen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit eine rasche Vermehrung der Zahl der jüdischen Arbeiter in den Kolonien gebracht. Die gegenwärtig dort beschäftigten 6500 jüdischen Arbeiter bedeutet zweifellos eine Rekordleistungin der Geschichte der jüdischen Kolonisationstätigkeit im Lande. Wie erfreulich aber die Erscheinung als solche •auich sein mag, so sind doch mit ihr manche Schattenseiten verbunden, die zum Teil bereits jetzt zum Vorschein kommen, hauptsächlich aber in den nächsten paar Wochen die Lage beeinflussen werden. Das Lohnniveau in den Kolonien ist ein sehr niedriges und deckt in vielen Fällen kaum das Existenzminimum, die Arbeits- und Wohnbedingungen sind sehr schwer, in vielen Fällen fast unerträglich und — die (Hauptsache — nur ein geringer Teil der jüdischen Lohnarbeiterschart in den Kolonien hat dort stabile Beschäftigung gefunden. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle handelt es sich um eine ausgesprochene Saisonarbeit, auf die naturgemäß Perioden von Arbeitslosigkeit folgen müssen. An Gründung von Hilf s wir tschaften in den Kolonien, die den Arbeitern ermöglichen würden, die schwersten Perioden der Arbeitslosigkeit durchzuhalten, ist vorläufig gar nicht zu denken, da hiefür keine Mittel zur Verfügung stehen, Selbst die kärgliche Position für Unterstützung der Lohnarbeit in den Kolonien, die in den früheren Jahren den Kampf um die Eroberung der Arbeit vielfach erleichtert hatte, ist durch die gegenwärtige Exekutive gestrichen worden. Somit bedeuten auch in dieser Beziehung die periodischen öffentlichen Arbeiten in den Kolonien und in deren Umgebung die einzige Möglichkeit einer Lösung der Frage. Das Arbeitsamt der Histadruth hat bereits jetzt eine Liste solcher Arbeiten zusammengestellt, die in den nächsten Wochen durch die Pica, die Landesregierung, die Zionistische Exekutive, sowie durch die Kolonienverwaltungen selbst durchgeführt werden und der Gefahr einer erneuerten Massenarbeitslosigkeit in den Kolonien vorbeugen -könnten. Freilich handelt es sich auch darum, alle Saisonarbeiten in den Kolonien den jüdischen Arbeitern zugänglich zu machen und gerade in dieser Hinsicht sind ganz besondere Schwierigkeiten zu überwinden, die zum Teil auf prinzipielle Gegensätze zurückzuführen sind. Zu den .bedeutendsten Saisonarbeiten, die bisher dem jüdischen Arbeiter fast ganz verschlossen geblieben waren, gehört die Pflückarbeit in den Orangengärten. Die traurigen Ereignisse in IPetach-Tikwah vor einigen Monaten veranlaßten die Arbeiterschaft bereits jetzt, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um sich für die kommende Saison zu sichern. Es handelt sich in der Hauptsache um. eine Klausel über Verwendung von jüdischen Arbeitern in den Verträgen mit den arabischen Kaufleuten, denen die Ernte noch auf den Bäumen verkauft wird und die sie dann durch eigene Lohnarbeiter pflücken lassen. Der landwirtschaftliche Rat (Waad Chaklai) der Kolonisten in Petach-Tikwah hat in dessen einen darauf abzielenden Vorschlag des Arbeiterrates in der Kolonie zurückgewiesen, um diese Weise ein Kampfmittel gegen die Histadruth in die Hand zu bekommen. Das Vorgehen des Waad Chaklai, der in einer vom nationalen Standpunkt so wichtigen Frage eine ausgesprochene und ziemlich blinde Klassenpolitik betreibt, hat naturgemäß in den Kreisen der Arbeiterschaft eine starke Entrüstung hervorgerufen und wird sicherlich vieles zur Verschärfung der Gegensätze in den Kolonien beitragen. Nur eine rasche Intervention der nationalen Behörden im Lande, insbesondere der Zionistischen Exekutive und des Waad Leumi kann eine Lösung der schweren Frage anbahnen. Anderseits hat die Arbeiterschaft auch bei den gegenwärtigen sehr schweren Arbeits- und Lohnbedingungen ununterbrochen gegen die Versuche zu kämpfen, ihr Lebensniveau noch mehr herabzudrücken. Derselbe Waad Chaklai in Petach-Tikwah, dessen Vorgehen in der Frage der Pflückarbeit die Lage von neuem scharf zu komplizieren droht und der während der letzten Monate immer wieder die Versuche wiederholte, die Arbeitslöhne zu drücken, sucht nunmehr den Grundsatz des achtstündigen Arbeitstages in der Kolonie aus der Welt zu schaffen, obwohl gerade die gegenwärtig durchgeführten Arbeiten, die in der Hauptsache im Umgraben der Orangengärten bestehen, die größte physische Anstrengung von den Arbeitern verlangen. Die Tragweite des infolge eines derartigen Vorgehens des Waad Chaklai drohenden Konflikts kann man sich unschwer vorstellen, wenn man es in Betracht zieht, daß Petach-Tikwah heute den größten landwirtschaftlichen Arbeitsmarkt im Lande darstellt. Auch in dieser Beziehung wäre ein Eingreifen der nationalen Behörden dringend erwünscht. So wird es denn wohl noch lange dauern, ehe man von einer definitiven Verwurzelung des jüdischen Arbeiters in der Kolonie bei menschenwürdigen Bedingungen wird sprechen können.

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