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Palästina · 1928-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1928) · p. Seite 280

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1928)
Article
Politik. Von Dr. Hans Kohn, Jerusalem.
Date
1928-05-01
Page
Seite 280 (sequence 4)
Language
German
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280 freundschaftlicher zu gestalten, Hedschas erwartet von dem mohammedanischen Aegypten vielfache Unterstützung bei seinen Bemühungen um die kulturelle und soziale Hebung der Bevölkerung des Reiches Ibn Sauds. Von ähnlicher Bedeutung wie die Verhandlungen zwischen Ibn Saud und Großbritannien sind auch die zwischen Jemen und Großbritannien. Viele Monate hindurch haben Reibungen und Kämpfe an der Grenze des Jemen und des britischen Schutzgebietes von Aden stattgefunden. Jacobs, ein erfahrener englischer Kolonialbeamter und Offizier, der bereits öfter den Jemen und seine Hauptstadt besucht hat, und der Verfasser des Buches »Kings of Aräbia« ist, das als eine wichtige Informationsquelle der letzten Jahre über dieses Gebiet betrachtet werden kann, sol sich in diesen Tagen im Auftrag Großbritanniens zu dem Irmam Jahija begeben, um mit ihm die strittigen Probleme und vor allem die Sicherung des britischen Schutzgebietes vor künftigen Ueberfällen zu besprechen. Jacobs hat bereits im Jahre 1925 versucht, einen Vertrag zwischen Jemen und Großbritannien zustandezubringen, doch ist es ihm damals nicht geglückt und Italien ist ihm in dieser Beziehung zuvorgekommen. Da nun aber die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Jemen und Italien in der letzten Zeit sich außerordentlich abgekühlt haben, besteht die Aussicht, daß Jacobs diesmal erfolgreicher sein wird. * * # Die Lage in Syrien hat in den letzten Jahren eine grundlegende Wandlung erfahren. Noch vor zwei Jahren war Syrien der Schauplatz erbitterter Kämpfe und der Krieg wurde von seiten der Franzosen wie von Seiten der aufständischen Nationalisten mit großer Grausamkeit geführt. Frankreich gelang es, den Aufstand mit der Uebermacht seiner Truppenzahl und seiner Ausrüstung niederzuwerfen, aber die Erfahrungen der letzten Jahre haben es gelehrt, daß es nicht möglich ist, in Syrien eine Kolonisation zu treiben, wie dies in den afrikanischen Gebieten gewohnt ist. Nicht nur das Mandatssystem steht dem im Wege, sondern auch die verhältnismäßig hohe politische und kulturelle Stufe der syrischen Bevölkerung, die seit Jahren für ihre nationale Unabhängigkeit gekämpft hat. Daher hat auch Frankreich in der^ letzten Zeit eine Politik der Aussöhnung mit den syrischen Nationalisten eingeschlagen. Das Land war der langen Kämpfe müde und wirtschaftlich erschöpft, die Friedenssehnsucht daher allgemein. Hat die bewaffnete Revolution in Syrien eine Niederlage erlitten, so hat doch der Geist der Revolution gesiegt. Das nationale Bewußtsein, das noch vor kurzer Zeit nur die kulturell und sozial fortgeschrittenen Bewohner der Städte ergriffen hatte, hat in den Monaten des Kampfes auch die Bauernbevölkerung des Landes erfaßt und eine Einigung des gesamten Volkes herbeigeführt, die über die bisher so streng eingehaltenen Schranken des religiösen Bekenntnisses und der sozialen Gliederung hinübergriff. Vor allem ist die gesamte Jugend dem nationalen Gedanken gewonnen und die Führer der nationalen Bewegung wissen 'daher, daß sie ruhig warten können, um die Früchte ihrer Tätigkeit zu ernten und der Entfaltung Syriens zu einem unabhängigen Staate den natürlichen Lauf zu lassen. Im. Oktober vorigen Jahres fand in Beyrouth eine Zusammenkunft der Führer der gemäßigten Nationalisten aus Damaskus, Aleppo, Horns und Hama statt. Diese Notablenversammlung unterstrich die Bereitwilligkeit Syriens, mit Frankreich zu einem freundschaftlichen Ausgleich zu kommen, hob aber mit ebensolcher Entschiedenheit die Notwendigkeit der Erfüllung sämtlicher Forderungen der syrischen Nationalisten hervor. In Verhandlungen, die dann zwischen dem französischen Hochkommissär in Syrien, Herrn Ponsot, und Führern dieser gemäßigten Nationalisten stattfanden, wurde die Grundlage für die im Februar erlassene Proklamation Ponsots gelegt, die zwar keineswegs den Wünschen der Syrier wirklich entsprach, die aber doch eine grundlegende Aenderung des bestehenden Zustandes in Syrien und damit die Möglichkeit einer weiteren Aussöhnung mit sich brachte. Die während der kriegerischen Unruhen in Syrien von den Franzosen eingesetzte Regierung Achmed Nami Bey, eines türkischen Aristokraten und Schwiegersohn des Sultans Abdul Hamid, wurde entlassen und an ihre Stelle Scheich Tadsch ud Din el Husseni, der Kadi von Damaskus, berufen, ein trotz seiner verhältnismäßigen Jugend populärer mohammedanischer Führer, dem schon de Jouvenel die Staatsleitung angeboten hatte, ohne daß es damals infolge der nationalen Forderungen Tadsch ud Dins dazu hätte kommen können, Tadsch ud Din ist ein gemäßigter Nationalist, bei dem die extremeren Nationalisten die Befürchtung hegen, daß sein persönlicher Ehrgeiz über seine nationalen Bestrebungen den Sieg davontragen könne, aber das Vertrauen, das er, der einer der angesehensten Familien von Damaskus angehört, in ganz Syrien genießt, hat es dazu gebracht, daß seine Ernennung in allen Teilen des Landes begrüßt wurde. Das Ministerium, das er zusammengestellt hat, besteht aus führenden Notabein des Landes, man vermied aber die Zuziehung ausgesprochener nationalistischer Führer, Gleichzeitig mit der Ernennung dieses Ministeriums wurde das seit der Besetzung

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