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Palästina · 1928-05-01 · Heft 5-7 (Mai 1928) · p. Seite 279

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Journal
Palästina
Volume
11 (1928)
Issue
Heft 5-7 (Mai 1928)
Article
Politik. Von Dr. Hans Kohn, Jerusalem.
Date
1928-05-01
Page
Seite 279 (sequence 3)
Language
German
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279 Transjordanien erfüllt eine wichtige Aufgabe, die es bereits zur Zeit des Römerreiches erfüllt hat, als es die Grenzmark gegen die Wüste war, eine Zeit, von der noch viele römische Altertümer in Transjordanien zeugen. Dieselbe Aufgabe erfüllt Transjordanien heute. Es ist die Grenzmark gegen die Wüste, wo sich in dem letzten Jahrzehnt das immer mächtiger werdende Einheitsreich der Wahabiten entwickelt hat. Noch im Jahre 1912 war das Stammianid der Wahabiten, das Emirat des Nedsehd, unter dem jungen Emir Abdul Asis III. Ibn Abdur Rachman es Feisal es Saud, gewöhnlich nur Ibn Saud genannt, ein unbedeutendes Fürstentum neben anderen im Innern der arabischen Wüste. Seither hat es Ibn Saud verstanden, das Reich so auszudehnen, daß es heute ganz Zentralarabien umfaßt und vom Persischen Golf bis zum Roten Meere reicht. Auf diesem Wege halfen ihm zwei Faktoren: der religiöse Eifer und die fanatische Disziplin der Wahabiten, die den ursprünglichen Wüstenglauben Mohammeds in aller Reinheit und Unerbittlichkeit verfechten und die wie Mohammed die Schaffung eines einheitlichen, sittlich gereinigten und puritanischen Arabertums anstreben, und seine Staatskunst, die ihn immer sich auf Großbritannien stützen hieß. 1913 eroberte er die türkische Provinz El Hassa an der Westküste des Persischen Golfes. Nach dem Weltkriege erledigte er zuerst seinen Rivalen im nördlichen Zentralarabien, den Emir von Hail im Dschebel Schammar, und dann Hussein von Mekka und sein Haus. Die Einnahme des Hedsohas gab (Ibn Saud zum ersten Male eine internationale Stellung. Sie setzte ihn in den Besitz der heiligsten Stätten des Islam, sie machte ihn zu einem wichtigen Faktor in der europäischen Politik in Arabien, er nahm den Titel eines Königs von Hedschas und Nedschd an, aber die große Ausdehnung seines Reiches, das nur dünn bevölkert ist und keine modernen Verkehrsmittel aufweist, erschwert ihm natürlich die Kontrolle dieses Reiches und der in ihm lebenden Beduinenstämme. Reibungen, wie sie an den Grenzen der Wüste in ihrem nomadischen Leben herkömmlich sind, führten zu Konflikten zwischen den wahabitischen Stämmen auf der einen Seite und den transjordanischen und mesopotamischen Grenzposten und Stämmen anf der anderen Seite. Die Wahabiten unternahmen Ueberfälüe auf Mesopotamien und Transjordanien, britische Aeroplane verfolgten die Wahabiten in die Wüste, wodurch die Erregung der Wahabiten nicht geringer wurde, afoler Köniiig Ibn Saud, der die Grenzen seiner Macht wohl kennt, war zu klug, um diese Ueberfälle seiner Untergebenen zu decken. Die europäische Presse verbreitete unsinnige Gerüchte über den bevorstehenden heiligen Krieg Ibn Sauds gegen die Nachbarländer. Die sinnlose Uebertreibung dieser Meldungen wurde bald durch die Tatsachen Lügen gestraft. Die Ruhe in Zentralarabien wurde nicht gestört. Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen König Ibn Saud und Großbritannien sollen in neuen Verhandlungen befestigt werden. Die britische Regierung will im Laufe des Monates Mai den Versuch unternehmen, mit den zwei wichtigsten arabischen Fürsten, mit Ibn Saud und mit dem Imam Jahja von Jemen, Verhandlungen zu führen, die zu einer endgültigen Bereinigung des Verhältnisses dieser Länder mit dem britischen Reiche führen soll. Für diese beiden Verhandlungen hat Großbritannien seine besten Vertreter entsandt, die eine reiche Erfahrung auf diesem Gebiete besitzen. Zu Ibn Saud reist Sir Gilbert Clayton, der viele Jahre als führender britischer Beamter in Aegypten und in Palästina tätig war und der bereits die beiden Verträge zwischen Großbritannien und Ibn Saud im November 1925 und im Sommer 1927 abgeschlossen hat. Der erste dieser Verträge betraf die Regulierung der Grenze zwischen dem Königreich Nedschd und Mesopotamien einerseits und dem britischen Mandatsgebiete von Mesopotamien und Transjordanien andererseits. Die Grenze wurde damals so gezogen, um den britischen Wünschen voll zu entsprechen und den beiden britischen Mandatsgebieten eine gemeinsame Grenze zu geben, wodurch zugleich das britische Mandatsgebiet sich zwischen das Reich Ibn Sauds und das französische Mandatsgebiet von Syrien einschob. Der zweite Vertrag sollte den geänderten Verhältnissen in der Stellung Ibn Sauds Rechnung tragen, der unterdessen auch König von Hedschas geworden war. Er erkannte die Unabhängigkeit des Hedschas und des Nedschd an, ließ aber die wichtige Frage der Grenze zwischen Transjordanien und Hedschas ungeregelt. Dabei handelt es sich vor allem um den Besitz des strittigen Territoriums von Maan und Akaba. Die letzten Einfälle der Wahabiten in das transjordanische Gebiet haben die Notwendigkeit einer solchen Grenzregulierung wieder sehr aktuell gemacht. König Ibn Saud, der bis jetzt in Rijadh, der Hauptstadt des Nedschd, gelebt hat, begibt sich in diesen Tagen nach Mekka, um so Sir Gilbert Clayton begegnen zu können. Ibn Saud hat durch seine ganze Politik bisher bewiesen, daß er die feste Absicht hat, auch weiterhin sein Bündnis mit Großbritannien als den Grundstein seiner auswärtigen Politik zu betrachten. Derzeit verhandelt Ibn Saud auch mit Aegypten zwecks Anerkennung seines Staates in Aegypten. Es ist wahrscheinlich, daß Ibn Sauds Söhn Feisal, sein Vertreter im Hedschas, sich im Sommer nach. Aegypten begeben wird, um Aegypten für die Anerkennung den Dank auszusprechen -und die Beziehungen zwischen beiden Ländern 18* " 'n:"V' '

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